Music Reviews

Rezensionen

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Van Halen - 5150

Heavy Metal Reviews

Nach dem Riesenerfolg von „1984“ standen VAN HALEN alle Türen offen, doch Sänger David Lee Roth schmiss das Handtuch und verließ die Band um Gitarrenwunderkind Eddie Van Halen. Für ihn kam Sammy Hagar. Mit Hagar kam auch eine leichte Kurskorrektur. 1986 erscheint also der heiß ersehnte Nachfolger zu „1984“ und alle Welt ist gespannt wie die Hard Rocker nun klingen mit einem neuen Sänger am Mikro. Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Einige werden sicherlich sagen, dass die Band durch den massiven Einsatz von Keyboards und Synthesizern poppiger klingt. Klar, eine Hitsingle wie das großartige Why Can‘t This Be Love lädt sicherlich zu diesem Schluss ein. Aber die Truppe war doch schon immer poppig. Man nehme nur Hitsingles wie Dance The Night Away oder die Keyboard-Nummer Jump, welche bis heute ihre erfolgreichste Singleauskopplung ist. Wer hier keinen Pop raushört, dem ist auch nicht mehr zu helfen. „5150“ klingt in erster Linie vielseitig. Man findet poppigere Nummern, erhöhten Keyboardeinsatz, Songs irgendwo zwischen Hard Rock, Glam Metal und Pop wie Dreams oder etwa der Titelsong. Aber mit Good Enough auch schnellere und härtere Lieder auf dem in den USA mit fünffach Platin ausgezeichneten Werk. Neben Why Can‘t This Be Love ist aber die Keyboardballade Love Walks In das große Highlught des siebten VAN HALEN-Albums. Diesen Refrain wird keiner mehr so schnell aus dem Ihr bekommen. Sammy Hagar fügt sich ebenfalls gut ins Bandgefüge ein und so wirklich vermisst man seinen Vorgänger Roth dann auch gar nicht. Zumal VAN HALEN ab 1986 eh fast wie eine komplett andere Band klangen und man nicht mehr unbedingt an das 1978er selbstbetitelte Debüt zurück denkt bei einem Track wie Why Can‘t This Be Love. VAN HALEN können auch ohne Diamond Dave und liefern (für mich) mit „5150“ ihr bestes Album neben „1984“ ab. Hier findet man einfach acht sau gute Songs, nur das abschließende Inside fällt ab. Absolute Kaufempfehlung für jeden Rock-Fan.

Landscapes - Life Gone Wrong

Lange hält man es wohl nicht aus, düsteren und melodischen Hardcore zu machen. KILLING THE DREAM haben nach vier Alben Tschüss gesagt. MORE THAN LIFE haben eine EP und ein Album - nach dem nächsten Werk, welches gerade in der Mache ist, soll dann Schluss sein. DEAD SWANS gönnen sich wieder eine Pause vom Touren. THE CARRIER haben auch neulich erst das Handtuch geschmissen. In einer Szene, die schneller stirbt als der 'Call Me Maybe'-Ohrwurm, kann man gute Chancen haben, aufzufallen. LANDSCAPES tun dies mit ihrem neuen Album, das den eher pessimistisch wirkenden Titel "Life Gone Wrong" hat. Schon die Debüt-EP "Reminiscence" war ein gutes Stück Musik, aber was LANDSCAPES auf "Life Gone Wrong" vorzeigen können, toppt das Bekannte locker. MORE THAN LIFE können ruhig abtreten, LANDSCAPES machen fast genauso gute Musik und können über den Verlust der britischen Kollegen hinwegtrösten. Schön verzweifelt, düster und traurig klingt "Life Gone Wrong". Doch dabei ist das Album stets melodisch und abwechslungsreich, man nehme nur das beinah-Instrumental 'Coming of Age' oder das mitreißende 'No Love'. LANDSCAPES verstehen es, gute Songs zu schreiben, die alle perfekt zueinander passen. Kein Song fällt nach unten hin ab, allerdings gibt es auch keinen Song, der groß auf Experimente setzt. So erhält man aber dennoch ein gutes und beständiges Niveau, welches den Kids gefallen wird. 2012 scheint für diese Musik ein starkes Jahr zu sein. Die DEAD SWANS EP ist erneut ein ganz großes Highlight, LANDSCAPES haben eine sehr gute Platte veröffentlicht, THE COLD HARBOUR eine sogar noch bessere und auch MORE THAN LIFE werden noch ihr Abschiedsalbum veröffentlichen. LANDSCAPES gehören mit "Life Gone Wrong" auf jeden Fall zu den Durchstartern der Szene dieses Jahr.

Last Witness - Mourning After

Gott sei Dank haben sich LAST WITNESS doch nicht für immer getrennt. Man trennte sich zwar, weil die Veröffentlichung des Debütalbums "An Unfinished Life" nicht stattfand. Mittlerweile ist die Platte jedoch endlich erhältlich und auch die Nachfolge-7" "Give Up" hat 2010 das Licht der Welt erblickt. Beides sind anständige Alben, irgendwo zwischen Hardcore, Metalcore, düsterer Atmosphäre und dem ein oder anderen Beatdown-Zitat, "The Mourning After" hingegen hat einiges mehr zu bieten. LAST WITNESS klingen auf ihrem zweiten Album noch düsterer, gleichzeitig aber auch etwas melodischer. Wo früher rohe Aggression war, ist heute nun feines Songwriting, welches trotzdem nur Wut kennt. Verschnaufpausen bietet "Mourning After" nun wirklich keine. Hier folgt Breakdown auf Breakdown. Der eine oder andere atmosphärischere oder schnellere Part lockert das Ganze auf. Der Opener 'The Void' ist zudem das beste Stück, welches die fünf Briten bisher zu bieten haben. Trotz roher Aggression ist der Track eingängig und lässt einen so schnell nicht mehr los. Doch auch die anderen Nummern, wie etwa 'Love Is A Vampire', oder 'Magnolia' sind wirklich beachtenswerte Lieder. Gepaart mit der eher rauen Produktion sind diese perfekt in Szene gesetzt. YOUR DEMISE sind dir zu poppig geworden und du feierst "Ignorance Never Dies" mehr ab, als die beiden letzten Werke? Dann sind LAST WITNESS genau deine Baustelle, denn hier geht es noch heftiger zu, als bei YOUR DEMISE früher. "Mourning After" ist mit Sicherheit eine der besten Abrissbirnen, die man 2012 auf die Ohren bekommen wird.

Linkin Park - Living Things

Ein hartes Album haben sie versprochen. Nachdem das letzte LINKIN PARK-Werk "A Thousand Suns" Fans wie Kritiker komplett vor den Kopf stieß und als Ausflieg in Richtung Elektronik gewertet werden durfte, hoffte sicherlich jeder auf ein Gitarrenalbum und wenn es nur in die "Minutes To Midnight"-Richtung geht. An einen neuen Klassiker wie das Debüt "Hybrid Theory" oder das ebenfalls sehr gute "Meteroa", wagt man doch eh kaum noch zu denken. Dann liegt das neue Album endlich vor mir. 'Burn It Down' habe ich natürlich wieder kein Mal im Radio oder TV mitbekommen, also gehe ich relativ unvoreingenommen an die Sache heran. Das Cover ist grau - wie beim Debüt. Der vorletzte Track, 'Tinfoil', ist ein kurzes Instrumental - wie beim Debüt. Dann muss doch auch der Opener, 'Lost In The Echo', ziemlich steil gehen - wie beim Debüt. Aber es geht irgendwie weiter wie auf "A Thousand Suns". Elektronik soweit das Gehör reicht. Die Gitarren sind absolut verzerrt und klingen mehr nach Synthesizern als nach knackigen E-Gitarren. Und dennoch ist der Opener ein gutes Stück, gar das Beste das LINKIN PARK auf ihren letzten zwei, vielleicht sogar drei Alben zu bieten hatten. Der Rest des Albums plätschert aber leider die ersten Durchläufe so vor sich hin. Gitarren sind da, aber knallen nun wirklich nicht. Hier und da ist etwas Dubstep (Soll das die versprochene Härte sein?!) und Sänger Chester Bennington brüllt hier und da auch wieder. Von einem Rock-Album ist die Truppe allerdings meilenweit entfernt. "Living Things" ist eine schwierige Angelegenheit. Es braucht Zeit und man findet letztlich auch den ein oder anderen guten Song. Von alten Hits wie 'Numb', 'One Step Closer', 'Lying From You', 'Crawling' oder 'In The Shadow Of The Day' ist hier nichts mehr zu spüren - härte- und hook-technisch. Wer sich ein Rock-Opus erhofft hat, wird bitterlich enttäuscht sein. Trotzdem ist das fünfte Werk der Amerikaner besser als sein Vorgänger "A Thousand Suns". Vielleicht findet man ja beim nächsten Songwriting die Gitarre wieder, bevor man ins Studio geht und alles mit Elektronik vollkleistert.

My Bloody Valentine - EPs 1988-1991

Dies ist genau das, wonach sich viele MY BLOODY VALENTINE-Fans seit Jahren sehnen. Die drei EPs der Irländer für das kleine Creation-Label. Hier sind also "You Made Me Realise", "Glider" und "Tremolo" zusammengefasst. Und als wäre das noch nicht genug um Fanherzen höher schlagen zu lassen, gibt es obendrauf nicht nur die "Feed Me With Your Kiss" Single, sondern auch nocht sieben rare Songs. Die bestehen unter anderem nicht nur aus drei unveröffentlichten Songs ('Angel', 'Good For You' und 'How Do You Do It'), sondern auch aus B-Seiten wie 'Sugar' von der französischen Version der 'Only Shallow'-Single vom Klassiker "Loveless". Zudem gibt es vom selben Album auch die Tracks der längst vergriffenen Bonus-7". Soundtechnisch hat sich Mastermind Kevin Shierly, wie auch bei den Re-Releases von "Isn't Anything" und "Loveless", hinter die Regler gesetzt, um den Nummern einen guten Sound zu verpassen. Dieser kann sich auch auf "EP's 1988-1991" hören lassen. Die Tracks klingen noch genau wie nach ihrer Entstehung, überzeugen gleichzeitig aber durch einen besseren Klang. Musikalisch ist die Band in dieser kleinen Nische natürlich sowieso eine Klasse für sich. MY BLOODY VALENTINE klingen zwar auf den hier gebotenen Songs nicht ganz so ergreifend wie auf "Loveless", aber die EPs sind dennoch für jeden Fan der Irländer sehr hörenswert. Wer also die beiden Alben liebt, der braucht diese Compilation sofort und ohne Ausreden!


Text © by Sebastian Berning