Music Reviews

Rezensionen

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Poison – Poison’d

Heavy Metal Reviews

Mit „Poison’d“ legen POISON 2007 endlich neues Studiomaterial vor. Zwar besteht dieses nur aus neuen und bereits veröffentlichten Coverversionen von Bands wie THE ROLLING STONES, ALICE COOPER, THE WHO oder THE SWEET, doch kann der POISON-Fan überhaupt froh sein etwas Neues der Glam Metal-Helden auf die Ohren zu bekommen. Coveralben sind allerdings immer so eine Sache. Für den Künstler selber ist es natürlich ganz toll seine Lieblingssongs aufzunehmen, doch kann der Fan nicht immer damit etwas anfangen. Wenigstens ist das Material von „Poison’d“ vielfältig. Knackige Rock-Nummern wie Rock And Roll All Nite von KISS oder Squeeze Box von THE WHO (welches schon auf „Hollyweird“ veröffentlicht wurde) paaren sich an balladeske Songs wie den ALICE COOPER-Track I Never Cry. Besonderes Highlight ist aber - neben dem vom Hitalbum „Open Up And Say… Ah!“ bekannte You Mama Don’t Dance – der GRAND FUNK RAILROAD-Rocker We’re An American Band, welcher eigentlich auch auf der Feder von POISON selber stamen könnte. Letztendlich sind die acht neuen Coverversionen allesamt gut, doch können die fünf über die Zeit bereits veröffentlichen Tracks mehr überzeugen. Neueinsteiger sollten die Finger von „Poison’d“ lassen und zu den Klassikern greifen. Fans hingegen werden ihre (kurze) Freude mit dem Coveralbum haben.

The Mars Volta – Noctorniquet

Oh, ich hätte es besser wissen müssen. THE MARS VOLTA sind für mich persönlich zu anstrengend, zu verrückt und zu abgedreht. Doch im Zuge der (Live-)Reunion von AT THE DRIVE-IN wollte ich der Nachfolgeband einfach noch mal einen allerletzten Versuch zugestehen. Ich habe mir ehrlich gesagt das letzte Werk "Octahedron" schon nicht mehr angetan. Ich konnte mit dem allseits gehypten Vorgänger "The Bedlam In Goliath" recht wenig anfangen. Vielleicht bin ich zu anspruchslos was Musik anbelangt oder einfach nicht empfänglich für solch abgedrehte Musik, doch THE MARS VOLTA gaben mir bisher nichts. Und mit ihrem neusten Output "Noctorniquet" verhält es sich genauso. Objektiv betrachtet ist die Angelegenheit sicherlich alles andere als schlecht. Die Band schafft es immer wieder neue Facetten in ihren Sound einzuarbeiten. Kein Album gleicht dem anderen und auch "Noctorniquet" macht da keine Ausnahme. Zwar erfindet man sich nicht völlig neu und gibt sich nun dem Post Rock oder Sleaze hin, dennoch wird der aufmerksame Fan Neuerungen im Sound finden. Die Songs wirken etwas gestraffter, ohne eingängig zu sein. Nur fallen viele überflüssige Frickelpassagen weg, die andere Nummern der Truppe noch auszeichneten. Dies kommt mir sogar etwas entgegen. 'Aegi' erinnert anfangs sogar an die großartigen RADIOHEAD, verwickelt sich dann aber wieder in den "Future Punk", wie die Band um Diktator Omar Rodriguez-Lopez ihre Nische definiert. Punk Rock findet man zwar nicht während der 64-minütigen Platte, aber dafür in der Tat viele futuristische Elemente. Jeder Prog-Rock-Fan wird mit der Zunge schnalzen, wenn er dieses Album auflegt. Mir persönlich sind da AT THE DRIVE-In (immer noch) wesentlich lieber. Ich zücke volle sieben Punkte in der Gewissheit, dass jeder Liebhaber von THE MARS VOLTA mindestens anderthalb Punkte dazu addieren wird. Nur mir ist der Future Punk einfach zu abgedreht und zu zäh.

The Used – Vulnerable

Hach, wenn man sich an "The Used" und (das in meinen Augen bessere) "In Love And Death" zurück erinnert, wird man fast schon nostalgisch wegen den guten alten Emo-Tagen, wo fast monatlich geniale Releases von Bands wie THE USED, AIDEN, MY CHEMICAL ROMANCE, THURSDAY, UNDEROATH, HAWTHORNE HEIGHTS, ATREYU, TAKING BACK SUNDAY oder FROM FIRST TO LAST die Emo/Screamo Szene fluteten. Diese Tage sind vorbei. Der große Hype ist vorüber und nur wenige Bands knüpfen (kommerziell) noch an alte Taten an. Andere Bands wie THURSDAY und UNDEROATH haben sich komplett vom Sound ihrer ersten Alben getrennt, wieder andere haben sich bereits aufgelöst. Doch THE USED halten durch. Selbst das dritte Werk "Lies For The Liars" war noch ziemlich gut. Der Nachfolger "Artwork" war bis auf zwei, drei Songs im Nachhinein doch relativ schwach. Viel habe ich von THE USED nicht mehr erwartet. Man spielt von Mal zu Mal in kleineren Hallen, das Majorlabel hat auch kein Interesse mehr an der Band und so ist man bei Hopeless Records (u.a. SILVERSTEIN und früher auch AVENGED SEVENFOLD oder ALL TIME LOW) gelandet. Und schon liefert man wieder ein erstaunlich gutes Album ab. THE USED haben wieder mehr Biss und zeigen ihre Zähne. Man lässt es mehr krachen als auf den beiden letzten Alben zusammen. Es gibt wieder Hits und schöne Balladen. Bert McCracken kann doch noch kreischen wie auf dem selbstbetitelten Debüt. Es ist beinahe so, als ob es die letzten beiden Releases nie gab und man nach dem melodischen "In Love And Death" jeglichen Sell-Out-Vorwürfen trotzen wolle. 'Now That Your Dead' (mit AIDEN-Sänger Will Francis) ist einer der räudigsten Songs der Bandgeschichte. 'Getting Over You' und 'Together Burning Bright' bieten hingegen nette Balladen. 'Kiss It Goodbye' ist der Hit von "Vulnerable". Dennoch wird man kein zweites 'Buried Myself Alive', 'Take It Away' oder 'A Box Full Of Sharp Objects' auf dem fünften Album der einstigen Emo-Helden finden. Dafür aber einen Haufen guter Songs. Knapp rettet man sich über die acht Punkte Hürde. "Vulnerable" wird viele alte Fans versöhnen können. Man erreicht zwar nicht die Hitdichte der ersten beiden Outputs, doch ist Album Nummer Fünf besser als Drei und Vier.

Tomte – Du Weißt, Was Ich Meine

Heavy Metal Reviews

Das Debütalbum von TOMTE ist um einiges rauer als das immer noch aktuelle Werk „Heureka“ von 2009. Das damalige Trio klingt nahe zu räudig. Man ist noch weit entfernt von Hymnen wie New York, Die Schönheit der Chance oder Wie Ein Planet. Doch schlecht ist „Du Weißt, Was Ich Meine“ nun wirklich nicht. Das Fazit also schon vorweggenommen, kann man auch noch sagen, dass das Debüt einen Tick besser ist als der Nachfolger „Eine Sonnige Nacht“. TOMTE klingen zwar rau und noch nicht so melodieverliebt wie später. Auch lässt die Produktion etwas zu wünschen übrig, da selbige ebenfalls ziemlich rau aus den Boxen schallt. Allerdings erkennt man zu jeder Sekunde das enorme Potenzial der Hamburger um Bandkopf Thees Uhlmann. Songs wie Doof Vorkommen, Pflügen, Schwitze oder Erst In Köln Und Dann In Meinem Zimmer sind durch die Bank erstklassige Songs, welche sehr emotional vorgetragen werden von den Hamburgern. Wie bereits erwähnt fehlt ihnen noch etwas die Klasse, die man später erreichen wird, schlecht ist „Du Weißt, Was Ich Meine“ aber auch nicht. Im direkten Vergleich zu „Eine Sonnige Nacht“ kann das Debüt sogar ganz deutlich punkten.

Deep Purple – Original Album Classics

Im Zuge ihrer "Original Album Classic"-Serie legen Sony im Moment von vielen Künstlern mindestens drei Alben neu auf und diese werden in Papersleeves in eine Pappbox gesteckt. Geldmache oder Value for money? Nun, es befinden sich hier mit "Slaves And Masters" (1990), "The Battle Rages On" (1993) und "Purpendicular" (1996) drei Alben der britischen Hard Rock-Legende DEEP PURPLE in der Box. Erst einmal ist anzuzweifeln, dass diese Alben das Prädikat "Classic" verdienen. Hätte man doch eher die echten Klassiker der Jungs wie etwa "Burn", "In Rock", "Machine Head" oder "Fireball" zusammen fassen können. Des Weiteren sind hier einfach nur die bereits seit Jahren erhältlichen Alben in eine Box gefasst, welche es vor Jahren bereits schon gab - und da mit drei Jewel Cases! Also will man hier nur ganz schnell ein paar Kröten mit dem ohnehin schon mehr als strapazierten Backcatalogue von DEEP PURPLE machen. Dennoch sind die drei vorliegenden Alben gar nicht von schlechten Eltern. "Slaves And Masters" ist zudem das einzige Werk mit RAINBOW-Sänger Joe Lynn Turner und überzeugt durch gut gespielten Hard Rock, der so ziemlich jeden Fan der Band glücklich machen sollte. Das 1993er Werk "The Battle Rages On" wurde wieder im MK II Line-Up aufgenommen und knüpft nahezu nahtlos an den Vorgänger und dessen rockige Ausrichtung an. "Purpendicular" hingegen ist das erste Album mit Steve Morse an der Gitarre. Den Unterschied zu Blackmore merkt man sofort. Das ganze Album ist wesentlich experimenteller als die beiden Vorgänger, was am eher Blues-lastigen Gitarrenspiel liegt. Das Material ist insgesamt auch sperriger ausgefallen, weswegen diese Platte nicht all zu oft zu den Lieblingsalben der Fans gezählt wird. Wer die drei Alben hat, der braucht diese Box nicht einmal in die Hand zu nehmen. Wer noch nichts von DEEP PURPLE hat sollte eh zu den Klassikern greifen. Wer hingegen seine Discographie der Band erweitern will, für den ist dieses lieblos gemachte Boxset sicher eine billige und eigentlich auch lohnende Anschaffung.

Sharks- Show of Hands EP

Die SHARKS waren auf ihren ersten drei Veröffentlichungen immer eine Art britischer THE GASLIGHT ANTHEM, also Punk Rock mit Melodie, Folk-Einflüssen und Indie-Breitseite. Doch auf ihrer zweiten EP "Show Of Hands" bewegt man sich etwas weg vom altbekannten Sound. Die Tage als bloße englische Version der Chartstürmer THE GASLIGHT ANTHEM sollten gegessen sein. Dies heißt natürlich nicht, dass SHARKS nun gar nicht mehr mit Brian Fellon und seiner Band zu vergleichen sind. Doch entwickelt man sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung zunehmend in eine eigene Richtung. Auf "Show of Hands" gibt es trotzdem alle Trademarks der Bands zu hören. Packende Melodien, rauer Gesang, düstere Stimmung und die stadiontauglichen 'Oooohs' und 'Whhooaas'. Allerdings macht sich der immer größer werdende Einfluss von den übergroßen THE SMITHS bemerkbar. Der Song 'Glove In Hand' ist offensichtlich für jedermann an den THE SMITHS-Hit 'Hand In Glove' angelehnt. Aber 'More Blue' erinnert am meisten an die Indie-Helden um MORRISSEY. Hits schreiben sie, die SHARKS. Besagtes 'More Blue', 'It All Relates' oder der mitreißende und nach vorne stürmende Opener 'Trains', der zum lauten Mitgröhlen des Refrains einlädt. Einzig 'Three Houses' kann mich nicht so ganz überzeugen. Nun, man kann es dieser hart arbeitenden Band allerdings auch nicht vorwerfen, einmal keinen kleinen Hit geschrieben zu haben. Denn dafür entwickelt man sich immer weiter fort. Die "Common Youth" 7" bleibt trotzdem das Highlight der bisherigen Diskographie.


Text © by Sebastian Berning