Music Reviews

Rezensionen

e-Trado GmbH

Stick To Your Guns – Diamond

Heavy Metal Reviews

2012 wird ein astreines Jahr für Breakdown-Prolos. Es gibt bisher schon neue Alben von YOUR DEMISE, EMMURE und jetzt eben auch STICK TO YOUR GUNS. Von letzteren liegt nun mit "Diamond" das dritte Album vor. Bisher konnte man mit prolligen Tough Guy-Hardcore und der ein oder anderen Melodie das Publikum überzeugen. Auf "Diamond" geht die Band aber noch einiges weiter. Schon die erste Single 'We Still Believe' klingt eher nach einer modernen Version von BOYSETSFIRE als nach TERROR oder dergleichen. Doch STICK TO YOUR GUNS bleiben trotz mehr Melodie ihrem Sound treu und gehen nicht so weit wie YOUR DEMISE, deren neues Album zur Hälfte Hardcore ist und zur anderen Pop Punk. Viel eher klingen STICK TO YOUR GUNS etwas erwachsener und irgendwie düsterer. Außerdem ist "Diamond" kein Album, dass man nach drei Durchläufen in- und auswendig kennt. Nein, viel eher braucht es einige Durchläufe um den Hörer zu überzeugen. Insgesamt wird man aber eher an eine Hardcore-Version von RISE AGAINST oder eben BOYSETSFIRE erinnert als an das letzte Album "The Hope Division". Natürlich hört man zu jeder Sekunde, dass es nicht RISE AGAINST sondern STICK TO YOUR GUNS sind, die einem hier durch die Gehörgänge gejagt werden, doch wirkt man nun einmal etwas reifer, wie bereits gesagt. Enttäuscht wird auf jeden kein Fan von "Diamond". STICK TO YOUR GUNS machen das was sie am besten können und verfeinern das Ganze noch etwas. Zwar habe ich die Band nie so gehypt wie der Großteil der Szene, dennoch muss ich gestehen, dass mir das dritte Werk der Kalifornier besser gefällt als ich angenommen habe. Ganz besonders 'We Still Believe' ist ein kleiner fieser Ohrwurm.

Emmure – Speaker of the Dead

EMMURE sind ziemlich fleißig. Fast jedes Jahr erscheint ein neues Album der Band. Nach dem eher durchwachsenen 2009er Output „Felony“ legen die Midtempo-Mosher mit „Speaker Of The Dead“ nach. Wirklich gut kam der Vorgänger nicht mal bei den härtesten Fans an. Zu viel ritt man auf billigen New Metal-Zitaten rum. „Speaker Of The Dead“ klingt da wieder vielversprechender. Klar sein sollte aber auch auf Album Nummer vier, dass EMMURE eher Breakdowns als Songs schreiben. Die Band liefert üble Breakdowns gepaart mit groovigen Parts, aber einen wirklichen Song im konventionellen Sinn schreiben sie nicht. Und diesen brutalen Cocktail bietet man den Hörern direkt 15 Mal in unter 40 Minuten. Immerhin lässt schon der erste Hördurchgang erkennen, dass EMMURE das Niveau wieder etwas gesteigert haben. Die Band stagniert natürlich immer noch, aber mit besseren Songs als auf „Felony“. An die ersten beiden Releases „Goodbye To The Gallows“ und „The Respect Issue“ kommt man trotzdem nicht mehr herran. Die leicht nervigen Dissonanzen, die vor Jahren B-Klasse-New Metaller wie MUSHROOMHEAD oder DOWNTHESUN verwendet haben, verwenden EMMURE heute noch. Und obwohl das alles recht negativ klingt, macht „Speaker of The Dead“ doch irgendwie Spaß. Obwohl man genau weiß, welche Affen dieser Sound anzieht und wie diese - bei dem Härtegrad, den EMMURE an den Tag legen - sicherlich kurz davor sind, ihren Kopf gegen die Wand zu schmettern. Die Band klingt nicht nur düster und brutal, sondern spiegelt das auch seit jeher in ihren Texten wieder, die irgendwo zwischen Hass, Mord, Liebeskummer und anderen menschlichen Abgründen festzumachen sind. Diesmal überzeugen diese fast schon pubertären Hassbrocken leider nicht so wie bisher - hier seien ebenso die ersten beiden Platten als Vergleich genannt. „Felony“ hat man um Längen geschlagen, das steht fest. An das neuste Album „Slave To The Game“ kommt man allerdings nicht heran. Und wirklich einfallsreich sind EMMURE immer noch nicht. Spaß kann man mit „Speaker Of The Dead“ trotzdem haben. Vor allem diejenigen, denen THE ACACIA STRAIN nicht mehr übel genug sind.

Sharks – No Gods

"Shallow Waters", die erste EP der britischen SHARKS war verhältnismäßig rau. Doch von Release zu Release wurde die Band immer glatter und melodieverliebter. Dies mündet nun endlich im ersten richtigen Album der Truppe, welches auf den Titel "No Gods" hört. Man könnte bei solch einem Titel natürlich ein tristes und wütendes Album erwarten, welches ungefähr wie "Grey Britain" von den GALLOWS klingt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. SHARKS sind mittlerweile noch glatter als die letzte Platte von THE GASLIGHT ANTHEM. Selbst das letzte AGAINST ME!-Werk klingt im Vergleich noch wie räudiger Anarcho-Punk. Doch schlecht sind die SHARKS dennoch nicht. Songs wie die erste Single 'Arcane Effegies', 'No Gods' oder das geniale 'Hearts Able Moving', welches extrem gelungenes Songwriter-Potential offenbart. Allein 'Turn To You' klingt etwas belanglos und auch der Refrain von 'On A Clear Day You Can See Youself' ist erst nach ein paar Durchläufen ganz gut. Insgesamt schlägt sich das Quartett aber mehr als gut auf "No Gods". Vielleicht fehlt ihnen mittlerweile etwas von der alten "Räudigkeit" die die "Common Grounds"-7" noch so auszeichnete. "No Gods" kann trotz allem mit wirklich guten Songs aufwarten. In knapp 38 Minuten präsentieren die Briten sich von einer sehr guten Seite, aber nicht von ihrer Besten. Diese wird man auch nie wieder zu Gesicht bekommen dafür klingt man schon jetzt nach einer handvoll EPs zu glattgebügelt im direkten Vergleich zu "Shallow Waters". Wen das aber nicht stört, der wird mit "No Gods" ordentlich Spaß haben. Sowieso wird es nach diesem Werk viele neue SHARKS-Fans auf der Welt geben.


Text © by Sebastian Berning