Music Reviews

Rezensionen

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My Bloody Valentine – „Loveless“

Heavy Metal Reviews

Du stehst auf düsteren Hardcore der Marke MORE THAN LIFE, KILLING THE DREAM oder MODERN LIFE IS WAR und willst auch mal etwas anderes hören. Vieles wird von der Szene da natürlich nicht "geduldet". Du greifst automatisch zu THE SMITHS, MORRISSEY, JOY DIVISION und den hier vorliegenden MY BLOODY VALENTINE. Was alle diese Bands verbindet ist ihr düsterer Sound gepaart mit melancholischen Texten, die von kaputter Liebe und anderen Ängsten handeln (auch wenn das bei Lyriks von Morrissey nicht immer zu trifft). "Loveless" ist das zweite MY BLOODY VALENTINE-Werk, erschien nach der Auflösung der Briten 1991 und die langwierige Produktion führte das Label an den Rand des finanziellen Ruins. Sänger/Gitarrist Kevin Shields nahm das Album fast im kompletten Alleingang auf, was für den Rest der Mannschaft in Ordnung war. Shields bietet auf dem finalen Werk eine Soundkollage aus zerbrechlichem Gitarrengeschrammel, Rückkopplungsorgien und verträumten Gesang, welchen man oft kaum versteht, weil er so unter den anderen Klängen untergeht. Dennoch ist 'When You Sleep' ein großartiger Song. Im großen Sinne schreit man hier -genau wie der Rest des Albums- nach Pop. Man lässt diesen aber nicht ganz in den Sound eindringen, dafür sorgt die Soundkollage der Band zu jeder Sekunde. MY BLOODY VALENTINE haben sich im Vergleich zum 1988er Debüt "Isn't Anything" auf jeden Fall gesteigert was Eingängigkeit angeht. Man darf nun wirklich nicht erwarten hier Hit auf Hit zu finden. Besagtes 'When You Sleep' ist der eingängiste Song auf "Loveless", aber 'Sometimes', das erdrückende 'Soon' oder 'To Here Knows When' sind alles andere als von schlechten Eltern. 2012 erscheint der Klassiker des Shoegaze endlich in neuem Gewand. Mastermind Kevin Shields höchstpersönlich nach sich dem Remastering an und verhilft dem Songmaterial so zu einem besseren Klang als auf dem Originalalbum. Als wäre das nicht genug, gibt es nebem dem "normalen" Remaster noch eine neu gemasterte Version der 1/2 Analog-Tapes, die klanglich wieder etwas anders sind, insgesamt aber der ersten Version etwas nachstehen. Bei den Nummern selber gibt es eh kaum einen Unterschied zu vernehmen. Wer "Loveless" also noch nicht im Schrank stehen hat, aber schon seit Ewigkeiten drüber nachdenkt sich die CD zuzuelegen, der hat nun absolut keine Ausrede mehr.

My Bloody Valentine – „Isn’t Anything“

Natürlich macht sich MY BLOODY VALENTINE-Mastermind Kevin Shields auch die Mühe das Debütalbum "Isn't Anything" zu remastern. Um das Fazit vorweg zunehmen: "Loveless" ist das Album von den Briten (auch wenn es nur zwei gab). Zudem klingt "Isn't Anything" stellenweise komplett anders als der übergroße Nachfolger. Es gibt tatsächlich Gitarrengeschrammel, welches nicht mit x Effekten und Rückkopplungsorgien verfremdet wurde. MY BLOODY VALENTINE haben wohl nie so klar geklungen wie im großartigen '(When You Wake) You're Still In A Dream' oder dem Opener 'Soft As Snow (But Warm Inside)'. Man erinnert irgendwie an eine Mischung aus JOY DIVISION, THE SMITHS und DEAD KENNEDIES (von den Gitarren her!). Besonders letztere blicken noch einmal im heftigen 'Feed Me With Your Kiss', welches MY BLOODY VALENTINE so hart wie nie zuvor und niemals wieder zeigt. Auf der anderen Seite stehen aber natürlich auch verträumte und zerbrechliche Songs wie 'All I Need', welche schon andeuten wohin es soundtechnisch mit den Briten noch gehen soll im Verlauf der nächsten Veröffentlichungen. Kevin Shields hat den Sound von "Isn't Anything" merklich aufgebessert, aber man behält doch den rauen Klang der ursprünglichen Veröffentlichung bei. Auch erkennt man zu jeder Zeit, dass es sich hier mit einem Werk aus den guten 80ern handelt. Kauft euch "Loveless" und dann direkt "Isn't Anything". 'Lose My Breath' muss man einfach im Schrank stehen haben.

Cancer Bats – „Dead Set On A Living“

Natürlich macht sich MY BLOODY VALENTINE-Mastermind Kevin Ach, was waren die ersten beiden Alben der CANCER BATS noch coole und vor allem frische Taten! Irgendwo zwischen Punk Rock, Hard Rock und Southern Rock rotzten die Kanadier um Liam Cormier ordentliche Songs hin. Besonders der Titeltrack von "Hail Destroyer" ist ein Ohrwurm, dessen Refrain man schon nach dem ersten Mal hören mitsingen kann. Nun veröffentlicht man mit "Dead Set On Living" das bereits vierte Werk. Der Vorgänger "Bears, Mayors, Scraps And Bones" war schon eine gewisse Enttäuschung. Man konnte mich irgendwie nur mäßig überzeugen. Schon der "Dead Set On Living" Opener 'R.A.T.S.' kickt hingegen mehr Arsch als fast der gesamte Vorgänger. Die 38 Minuten des vierten Silberlings vergehen wesentlich besser, als erwartet. Die Truppe aus dem schönen Toronto klingt weniger nach Südstaaten-Kneipe und Whiskey, dafür wieder mehr nach Wut. Viel Neues bietet man dem Hörer allerdings nicht. Die CANCER BATS haben ihren Sound gefunden und feilen nur noch marginal an ihm herum. Mal geht es, wie in 'Bastards', etwas metallischer zu Gange, mal etwas punkiger, wie im Opener. "Dead Set On Living" wird aber nichts bieten, was der CANCER BATS-Fan nicht schon gehört hat. Doch stört das? Nein, eigentlich nicht. AC/DC variieren ihre drei Songs ja auch von Album zu Album. Und ähnlich wie bei den Australiern wird am Ende kein Fan enttäuscht sein von dem, was die CANCER BATS auf ihrer vierten Platte durch die Boxen jagen.

Lostprophets – „Weapons“

Heavy Metal Reviews

Von New Metal hin zu Stadion-(Alternative-)Rock wieder hin zu härteren Klängen. So in etwa könnte man die musikalische Laufbahn der Waliser LOSTPROPHETS auf ihren ersten vier Alben beschreiben. Nun ist das fünfte Werk "Weapons" erhältlich und dieses ist die perfekte Mischung aller Phasen der Band. Du willst die alten New Metal-Tage wieder und liebst das zweite Album "Start Something"? Dann ist 'Better Off Dead' genau dein Song. Du magst den poppigen Sound mit großen Refrains von "Liberation Transmission"? Du findest genug. Das düstere von "The Betrayed" fandest du gar nicht mal so schlecht? Der letzte Song, 'Can't Get Enough' wird genau dein Ding sein. Selbst für Freunde von "Thefakesoundofprogress", dem Debüt der Truppe, ist der Mittelteil des Openers 'Bring Em Down' genau das richtrige. Insgesamt wird man keinen schlechten Song auf "Weapons" finden. Im Gegenteil sogar! 'Heart of Loan', 'We Bring An Arsenal', das großartige 'Another Shot' oder das noch viel bessere 'A Song For Where I'm From', übrigens der bisher beste Song 2012 für mich ist, sind allesamt Hits. Die LOSTPROPHETS reiten aber nicht nur auf alten Erfolgsrezepten rum sondern bringen hier und da auch neue Einflüsse dazu. 'Somedays' zum Beispiel ist eine nette Akustiknummer mit gute Laune-Flair. 'A Reminder That I'll Never Forget' überrascht mit Dance-Keyboards im Refrain und der Opener 'Bring Em Down' zeigt die Band so bedrohlich wie selten zuvor. Auch wieder auf "Weapons" komplett auf Gebrüll verzichtet, ähnlich wie bei "Liberation Transmission", dem "Weapons" am nächsten steht. Bisher ist "Weapons" ganz klar das beste Album 2012. Bessere Rocknummern hat man dieses Jahr noch nicht zu hören bekommen. Besonders Sänger Ian Watkins überzeugt erneut mit seiner umfangreichen Stimme und die LOSTPROPHETS machen wiedereinmal deutlich, dass sie zur absoluten Spitze des modernen Rock zählen.


Text © by Sebastian Berning