Music Reviews

Rezensionen

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You Me At Six - Cavalier Youth

You Me At Six - Cavalier Youth

Es fällt mir schwer die bisherigen drei YOU ME AT SIX-Alben in eine Reihenfolge zu bringen. Es kommt immer auf den Tag an, ob ich den Pop Punk vom Debüt "Take Off Your Colours", den etwas gezähmteren Pop Punk/Alternative Rock des Nachfolgers "Hold Me Down" oder den erwachsenen Sound von "Sinners Never Sleep" bevorzuge. Mit Sicherheit ist es kein schlechtes Zeichen, wenn eine Band sich stets verändert und es dem Fan nicht all zu leicht fällt, die Alben in eine klare Reihenfolge zu bringen. "Cavalier Youth", das vierte Werk der Briten, stellt dabei keine Wende in diesem Trend dar. Irgendwo ist es schon schade, dass YOU ME AT SIX sich nicht mehr am Pop Punk und Bands wie FALL OUT BOY orientiert. Für das vierte Album sind die Vorbilder eher Rockgrößen wie U2, FOO FIGHTERS und 30 SECONDS TO MARS. Ich muss gestehen, dass mich dieser Wendung anfangs etwas überrascht und teilweise sogar gestört hat. Der derbe FOO FIGHTERS-Einfluss in der Strophe von 'Win Some, Lose Some' kann mich auch nach mehreren Durchgängen immer noch nicht überzeugen. Sonst kann ich aber wirklich nicht viel motzen: Alleine das Eröffnungstrio besticht vom ersten Hören an. 'Too Young To Feel This Old' klingt zwar zahmer als frühere Nummern, dennoch erkennt man YOU ME AT SIX stets wieder. Wo ich den FOO FIGHTERS-Einfluss gerade noch kritisierte, so muss ich ihn bei 'Lived A Lie' loben, denn hier zeigt die Band, dass sie zwar noch immer poppig klingt, dafür aber als Songwriter und Musiker sehr gewachsen ist. Besonders die Stimme von Sänger Josh Franceschi klingt besser und vielseitiger als jemals zuvor. Egal ob hohe Tonlagen oder etwas kratziger Gesang, Franceschi kann überzeugen. Seine Band zeigt sich ebenfalls vielseitig: Das Klavier beim für große Stadien ausgelegten Ohrwurm 'Fresh Start Fever' stellt etwas neues im Band-Kosmos dar. Auch die kurze Akkustik-Nummer 'Be Who You Are' ist etwas, was man vorher nicht von den Londonern gehört hat. Mit 'Cold Night' und 'Carpe Diem' liefert das Quintett zudem zwei der besten Stücke seiner Karriere ab. Die 30 SECONDS TO MARS lassen beim etwas ruhigeren 'Cold Night' grüßen, während 'Carpe Diem' an eine junge und moderne Version von U2 erinnert. Besonders letztgenannte Nummer besitzt einen dermaßen genialen Refrain, dass der internationale Durchbruch nun einfach folgen muss! Im UK gab es für jedes Album eine Goldene Schallplatte, bei solch Ohrwürmern sollten andere Märkte nachziehen und YOU ME AT SIX als neue Rockstars feiern. Wir haben noch nicht einmal Februar und dennoch ist bereits jetzt sicher, dass YOU ME AT SIX mit "Cavalier Youth" eines der Highlights des Jahres ablegen wird bzw. schon abgelegt hat. Nachdem man die Platte zwei Mal gehört hat und sich schnell mit der neuen stilistischen Ausrichtung der Gruppe angefreundet hat, wird man "Cavalier Youth" nicht mehr aus der Anlage, vom iPod, vom Plattenspieler oder aus dem Gedächtnis bekommen. 

Of Mice & Men - Restoring Force

Mir kam OF MICE & MEN sets wie eine weitere US-Metalcore-Band vor, welche nichts wirklich Neues bieten konnte. Das lag vielleicht daran, dass Sänger Austin Charlie einst bei den unerträglichen ATTACK ATTACK! tätig war, zum anderen jedoch sicherlich auch daran, dass das Debüt ziemlich nichtssagend war. Der Nachfolger erschien mir da zwar schon deutlich besser, war jedoch noch immer nichts, was ich wirklich gebraucht hätte. Umso erstaunter bin ich über "Restoring Force".
OF MICE & MEN zelebriert noch immer Metalcore, doch hat die Truppe ihren Stil nicht nur verfeinert, sondern umgestellt. Des öfteren denkt man an "Hybrid Theory" von LINKIN PARK, besonders bei Songs wie 'Feels Like Forever' oder 'Break Free'. OF MICE & MEN war noch nie so melodisch und nie so abwechslungsreich wie bei diesen elf neuen Nummern. Das liegt nicht nur am rockigeren und melodischen Gesamtbild, sondern im besonderen daran, dass Brüllwürfel Austin Charlie seinem Bassisten Aaron Pauley mehr Platz für klaren Gesang eingeräumt hat. Besonders bei 'Identity Disorder' ist man dafür mehr als nur dankbar, denn man hat es hier mit dem Refrain des Albums zu tun.
Es ist immer gut zu hören, dass Bands sich weiter entwickeln und auch, dass die Musiker bereit sind etwas zu experimentieren. OF MICE & MEN gehören nun auch zu dieser Gruppe von Bands. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass ein weiteres Album noch weiter in die poppige Richtung gehen könnte, wenn jetzt der große Erfolg an die Proberaumtür klopfen wird - was recht wahrscheinlich ist, da um diese Band schon immer ein recht großer Hype war. Doch ist das noch Zukunftsmusik. Im Moment konnte mich die Band mit "Restoring Force" ziemlich überraschen.

Lonely The Brave - Backroads

Vielleicht bahnt sich durch den Erfolg von BIFFY CLYRO eine neue Welle Rockbands aus dem UK an. Nach den Schotten von TWIN ATLANTIC wandern auch LONELY THE BRAVE auf den Pfaden von BIFFY CYLRO, wie die EP "Backroads" eindrucksvoll beweisen kann.
Den Pomp und das Stadion-Appeal von den Vorbildern erreicht LONELY THE BRAVE zwar nicht, dafür sind die Vorbilder klar zu erkennen: BIFFY CLYRO, FUNERAL FOR A FRIEND und alte COLDPLAY. Klingt erst einmal komisch, klingt dann aber recht plausibel wenn man die vier Nummern von "Backroads" gehört hat. Beim Schlusssong 'Hope There's Someone' kommt sogar leichte Post-Rock-Stimmung auf.
Dennoch fehlt mir etwas der Zugang zu den vier Nummern. Vielleicht ist die Spieldauer auch zu kurz, damit man sich wirklich mit dem recht eigensinnigen Sound dieser Insel-Band wirklich anfreunden kann. Schlecht geht mit Sicherheit anders, aber dennoch ist das Verlangen, zumindest bei mir, nicht all zu groß "Backroads" immer wieder aufzulegen. Man kann hoffen, dass die Truppe auf ihrem 2014 erscheinenden Debütalbum etwas an ihrem Sound arbeitet, denn im Grunde hat man das Potential dazu wirklich gute Rocknummern zu schreiben.


Text © by Sebastian Berning