Music Reviews

Rezensionen

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Eyes Set To Kill - Masks

Eyes Set To Kill - Masks

Herrje, EYES SET TO KILL habe ich ja Ewigkeiten nicht mehr gehört. Dabei war das Debütalbum "Reach" samt seinem super Titelsong alles andere als schlecht. Emo/Post-Hardcore, damals gerne auch "Screamo" genannt, mit weiblichem Gesang und männlichem Gebrüll lieferte man nicht schlechter ab als IN THIS MOMENT damals. Drei Alben scheine ich verpasst zu haben, denn "Masks" ist bereits das fünfte Werk der Band um die beiden Rodriguez-Schwestern. Geboten wird im Grunde noch immer der gleiche Stil wie vor gut sieben Jahren. Vielleicht sind die rockigeren Passagen nun etwas prominenter, aber der Kern von EYES SET TO KILL ist noch immer der selbe wie früher. Allerdings wird mir auch schnell bewusst, warum ich die Truppe aus den Augen verloren habe: Über eine gesamte Albumdistanz fehlt EYES SET TO KILL leider das durchweg gute Songwriting. Die Band vermag es immer den einen oder anderen wirklich guten Song zu schreiben, wie etwa 'Infected' oder 'True Colors', nur kann man so ein Niveau nicht über die gesamten 45 Minuten halten. Das Material ist nicht einmal gleichförmig. Das Quartett ist stets bemüht jeden Song anders klingen zu lassen als den vorherigen. Aber es fehlen dabei die zündenden Ideen, die dem Hörer wirklich Freude bereiten können. Mal groovt es mehr, mal haut man richtig in die Saiten, nur selten zünden die Ideen jedoch. Was auf "Reach" einst noch gut gemacht wurde, gelingt 2013 bei "Masks" leider nicht mehr so gut. Ich denke nicht, dass man bei EYES SET TO KILL mit "Masks" noch viele neue Fans gewinnen wird. Alte Die-Hards werden der Band noch immer treu bleiben. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass man weiterhin eine Band der vierten Reihe im Post-Hardcore-Zirkus bleiben wird.

Two Door Cinema Club - Chaning of the Seasons EP

TWO DOOR CINEMA CLUB gehört mit absoluter Sicherheit zu den heißesten Bands im derzeitigen Indie-Sektor. Das Debütalbum "Tourist History" ist ein Feuerwerk an super Songs, die allerdings so ziemlich alle im gleichen Off-Beat-Tanz-Rhythmus durch die Boxen fegen. Dies korrigierte man leicht beim zweiten, etwas ambitionierteren Werk "Beacon", welches letztes Jahr zu den besten Alben im Indie/Alternative Rock gehörte.
Drei neue Songs und einen Remix zaubern die Iren von TWO DOOR CINEMA CLUB auf der "Changing of the Seasons" EP aus dem Ärmel. Besonders der Titelsong besticht durch seinen eingängigen Refrain und der recht interessanten Instrumentierung, die so auch super in den "Beacon"-Kontext gepasst hätte. Es wäre verwunderlich, wenn diese Nummer kein fester Bestandteil der Setlist werden würde. Den Remix zu diesem Song kann man sich mal anhören, aber zumindest mich kann er nicht vom Hocker hauen. Im Electro-Gewand kann dieser Song leider nicht so punkten wie in der ursprünglichen Version.
'Crystal' hingegen überrascht durch die recht elektronische Ausrichtung. Man mag schon leicht an RADIOHEAD zu "Kid A" und "Amnesiac" denken. Nicht viel weniger sperrig fällt nämlich auch der Song der irischen Rocker aus. Mit 'Golden Veins' geht in eine ähnliche Richtung, kann aber mit einem Piano-lastigen Refrain aufwarten, der einem schnell im Kopf stecken bleibt. Die Klasse von "Tourist History" oder "Beacon" erreichen diese beiden Tracks allerdings nicht.
"Changing of the Seasons" ist eine nette EP bevor nächstes Jahr schon das dritte Album von TWO DOOR CINEMA CLUB erscheint. Die CD ist im dünnen Maxi-CD-Case und von daher auch ähnlich preiswert. Fans können unbesorgt zuschlagen und die EP in ihr Regal stellen. Der Gelegenheitshörer sollte sich den Titelsong bei iTunes oder ähnlichen Plattformen kaufen und sonst wieder zu den beiden regulären Alben greifen.

Winds of Plague - Resistance

BLEEDING THROUGH, die im Moment noch dabei sind sich von ihren Fans weltweit zu verabschieden, haben den Mix aus Metal, Hardcore und symphonischen Elementen perfektioniert. Breakdowns gepaart mit viel Bombast sowie Black- und Thrash-Metal-Riffs - dieses Schema kann keine Band so gut umsetzen wie diese Metalcore-Helden. WINDS OF PLAGUE ist sozusagen die noch extremere Version von BLEEDING THROUGH, die Deathcore mit symphonischen Keyboard-Sounds mischt. Mit "Resistance" veröffentlicht man nun bereits das vierte Album.
Um ehrlich zu sein, kann ich mich gar nicht so recht an die drei Vorgänger erinnern. Irgendwie ist diese Truppe immer an mir vorbei gezogen. Vielleicht kann "Resistance" da Interesse wecken, wo vorher keins war. Was alleine schon bei der Tracklist auffällt ist, dass man sich viel Verstärkung dazu geholt hat. Auf vier der zehn neuen Nummern tummeln sich die Sänger von mehr oder weniger etablierten Bands wie AS BLOOD RUNS BLACK, REIGN SUPREME, ATTILA und THE ACACIA STRAIN. Ob das was hilft?
Eher nicht, denn die Nummern fallen für meinen Geschmack zu gleichförmig aus. Es gibt brutales Geballer und Breakdowns, dafür zu wenig Abwechslung und Atmosphäre. Das Gaspedal wird stets durchgetreten und nur für die üblichen Breakdown-Abrissbirnen gezügelt. Mir fehlen bei all dem Wumms und der Härte aber ein paar nette Gitarrenleads, die dem 34-minütigen Album nicht nur Abwechslung, sondern auch Tiefgang verliehen hätten.
Nichts, was WINDS OF PLAGUE hier abliefert, ist schlecht, im Gegenteil: Einzelne Songs wie 'Say Hello To The Undertaker' machen sogar richtig Spaß. Nur man hätte dem Hörer schon ein bisschen mehr bieten können als zehn mal den gleichen Songbaukasten. BLEEDING THROUGH gelingt dies zum Beispiel durch ein paar gesungene Refrains und mehr Spielereien mit verschiedenen Klangfarben. So ist "Resistance" ein nettes Album, welches nicht all zu lange in der Anlage rotieren wird.


Text © by Sebastian Berning