Music Reviews

Rezensionen

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THE ANSWER - New Horizon

THE ANSWER – New Horizon

The Answer aus Nordirland gehen mit ihren neuen Album “New Horizon“ einen musikalischen Schritt zurück zu ihren Alben eins und zwei. Die kommerziellere, stark songorienterte Ausrichtung des überragendes Vorgängers “Revival“ weicht einer wieder viel direkteren Herangehensweise. Im Vordergrund stehen diesmal nicht Ohrwurmrefrains und Melodien (auch wenn es die stellenweise durchaus gibt), sondern vor Allem zwei Dinge: Der nach wie vor vollkommen grandiose Gitarrensound, und ein mitreißender Groove.
Nach den ersten Durchläufen führt diese Ausrichtung noch zu einigen Fragezeichen. Das Songmaterial zündet nicht sofort, wirkt zunächst sogar unspektakulär. Das legt sich mit der Zeit, wenn man die Lässigkeit, mit der The Answer diesmal vorgegangen sind, erstmal verstanden hat. Eine etwas biedere Bluesnummer wie “Call Yourself A Friend“ bleibt dabei auch nach mehreren Versuchen etwas blass, die härteren Rocker bahnen sich dann allerdings doch noch den Weg durch die Gehörgänge. “Spectacular“ lässt Lebensfreude erstrahlen, die man bei vielen Anderen Bands aus dem weiten Feld des Retro-Rock vergeblich sucht, das Riff von “Concrete“ lässt die Band sogar am Metal kratzen und klingt ein wenig nach dem Black Stone Cherry-Debüt. Dazu kommen mit “Somebody Else“, dem Titelsong oder “Scream A Louder Love“ noch ein paar melodische Rocker, und mit “Speak Now“ ein etwas zurückhaltenderer Ausflug ins Nachdenkliche.
“New Horizon“ ist aufgrund der etwas weniger überzeugenden Hits nicht so gut wie sein direkter Vorgänger, allerdings vermeiden es The Answer geschickt, die gleiche Erfolgsformel nochmals zu kopieren. Ein gelungenes, schnörkelloses Rockalbum ist die Scheibe allemal.

TRIVIUM – Vengeance Falls

TRIVIUM klingen auch auf ihrem neuen Album “Vengeance Falls“ wieder ein wenig anders zuvor. Diesmal bedienen sie die Fans des kommerziellen US-Alternative Metal, an dessen Umsetzung Produzent David Draiman (Disturbed) sicher einen großen Anteil hat, was sich nicht nur im Sound, sondern auch in vielen Melodien niederschlägt. Die Songs klingen teilweise wie Überbleibsel aus Disturded-Sessions. An sich ist das nichts Schlechtes, vielen Hörern wird allerdings der Mangel an Eigenständigkeit nicht so passen.
Nicht jeder Song ist ein Überflieger, mit “Strife“, dem Titelsong oder “Villany Thrives“ gibt es allerdings eine Reihe recht gelungener Hookline-Monster. Der Sound ist erwartungsgemäß ziemlich druckvoll und klingt ein wenig zu oft mehr nach Computer als nach Band. Details wie Gitarrensoli und Breaks gibt es zuhauf, nicht immer beeindruckend, aber niemals unpassend. Matt Heafy singt fast durchgehend normal, ohne Screams, was viele stören wird, ich finde es so aber besser. Wer mehr klassische TRIVIUM hören will, der sollte zur Limited Edition greifen, denn da gibt es mit dem Bounstrack “As I Am Exploding“ einen Song, der an die Frühphase der Band erinnert.
Insgesamt ist “Vengeance Falls“ so etwas wie eine konsequentere Umsetzung des Vorgängers “In Wave“, auf dem die Band sich schon an ein wenig an die kommerziellere Ausrichtung herangetastet hatte. Maiden-Ledas wie auf “Ascendancy“ oder brettharten Thrash wie bei “The Crusade“ bekommt man von der Band erstmal nicht zu hören. “Vengeance Falls“ ist ein solides, massenkompatibles Album, dem es dennoch nicht an Härte fehlt, so dass man TRIVIUM den reinen und totalen Ausverkauf zumindest nicht vorwerfen kann. Letztlich ist die Scheibe ein unterhaltsames Werk, und darauf kommt es schließlich an.


THE TEMPERANCE MOVEMENT – s/t

Der neueste “Hype“ aus Großbritannien ist keine modern klingende kommerzielle Auf-Nummer-Sicher-Ausschlachtung irgendeines großen Labels, sondern echte, zeitlose Musik. The Temperance Movement spielen bluesorientierten Gitarrenrock, der zum Ende hin vielleicht ein bisschen zu eintönig-ruhig erscheint, ansonsten aber mit Ehrlichkeit und Authentizität überzeugt – und mit guten Songs.
Die feurigeren Songs stehen in der Tradition verschiedener aus den engen Wänden eines rauchigen Pubs emporsteigender Rockbands und dürften Fans von The Answer oder Rival Sons ansprechen. Die ruhigeren Nummern sind bluesig-emotionale Schmachtepen, die hin und wieder die Offenherzigkeit diverser Singer und Songwriter offenbaren. Die Songs sind in Teilen akustisch vorgetragen, stagnieren aber nie auf einem einmal angestrebten Terrain. Drummer und Bassist haben genauso Anteil in jedem der Nummern, wie Gitarrist und Sänger.
Highlights und Anspieltipps sind der Opener “Only Friend“, das ebenfalls recht schmissige “Morning Riders“ und die Ballade “Lovers And Fighters“.

RUSH – Vapor Trails (Remixed)

Als RUSH 2002 nach sechsjähriger Pause, bedingt durch die Schicksalsschläge, die Drummer Neil Peart ereilten, wieder kreativ wurden, war es für die Band nicht leicht, wieder in die Spur zu finden. Alte Trademarks aufrecht erhalten, dabei der eigenen Tugend zu folgen, kein Album zweimal aufzunehmen, und dazu noch die Herausforderung, die letzten paar Jahre musikalisch zu verarbeiten – da stießen selbst diese herausragenden Musiker an ihre Grenzen. “Vapor Trails“ ist dennoch ein gutes Album geworden, dessen gewöhnungsbedürftiger Sound allerdings auch für die Band selbst ein Ärgernis war. Das gesamte Album wurde nun noch einmal komplett neu abgemischt, liegt nun so vor, wie die Band es sich selbst vorgestellt hat. Die neue Produktion betont vollkommen andere Facetten der Musik. Das Ergebnis ist interessant, bringt aber nur ein Teilen wirklich eine Verbesserung.
Das neue Soundgewand ist sehr klar und transparent, wodurch dem Songmaterial ein wenig das ruppige Element fehlt, das die Originale am Ende auszeichnete. Die Songs wurden teilweise härtetechnisch zurückgefahren, da Alex Lifesons Gitarre nun deutlich hinter Geddy Leed Bass zurückstecken muss. Manchen Songs steht das ganz gut zu Gesicht, die emotionalen Melodieabfahrten wie “Ghost Rider“, der Titelsong, “Earthshine“ oder “Nocturne“ gewinnen ein wenig durch den detailreicheren Mix, auch das Gitarrensolo bei “Celing Unlimited“, das vorher völlig unterging, wertet den Song auf. Bei anderen Nummern hat man sich an die Originalversionen gewöhnt und verstanden, warum genau dieser Sound irgendwie richtig war, hier bekommt man dann etwas vorgesetzt, was man am Ende nicht gebraucht hätte.
So gesehen kann man die “Vapor Trails“-Songs in Zukunft vielleicht zweiteilen: Die Hälfte der Songs ist besser als vorher, die andere Hälfte war im alten Soundgewand irgendwie noch cooler.
Der neue Mix ist hörenswert, Liebe oder Abneigung zu den Songs wird sich dadurch aber eher nicht verändern. Die findet man entweder gut oder nicht.

Text © by Heiko Eschenbach