Music Reviews

Rezensionen

e-Trado GmbH

Unsane – Wreck

Heavy Metal Reviews

Noise Rock ist ja immer eine ziemlich anstrengende Sache. Ähnlich verhält es sich mit UNSANE, die ja bekanntermaßen von Fans und Kritikern stets abgefeiert werden. Bin ich da die große Ausnahme der Menschheit? Sehe, beziehungweise eher höre, nur ich da wenig heraus und verkenne die Klasse von "Wreck" komplett? Ist mir prinzipiell egal. Wenn alle sich ins Auge pieken, muss ich das ja nicht auch machen. "Wreck" bietet dem Fan erst einmal Noise Rock, wie er im Buche steht. Garniert wird dieser mit dem ein oder anderen fetten Groove, welche Teile des Albums auch für mich erträglich machen. Ziemlich aggressiv kommt das Trio daher und zeigt mehr Zähne, als viele andere Bands, die seit 20 Jahren harte Musik machen. Dennoch bin ich nur mäßig von "Wreck" überzeugt. Wenig bleibt hängen, was sicherlich auch so gewollt ist. CONVERGE hört man sich auch nicht an einem einzigen Tag schön. Aber nur wenig macht mir auch die Lust darauf, mich intensiver mit dem neusten UNSANE-Epos zu beschäftigen. Mag sein, dass UNSANE Wut und Verzweiflung rüberbringen können, doch ist der Sound der Truppe nichts, was bei mir den Funken überspringen lässt. Fans von UNSANE oder auch TODAY IS THE DAY, CONVERGE oder anderen Lärmästhetikern, werden "Wreck" sicherlich lieben und mindestens drei Punkte mehr schenken als ich. Mir ist das einfach zu nervig.

Architects – Daybreaker

Ehrlich gesagt war das letztjährige "The Here And Now" nicht schlecht. Das vierte Album der britischen ARCHITECTS war zwar wesentlich melodischer, weniger hart, kaum noch technisch und nicht mehr so düster wie seine Vorgänger "Nightmares", "Ruin" und das geniale "Hollow Crown", doch konnten immer noch einige Songs überzeugen. Nur war "The Here And Now" sicherlich nicht das was viele von den ARCHITECTS nach dem umjubelten "Hollow Crown" erwartet haben. "Daybreaker" ist da ein ganz anderes Kaliber. Zwar beginnt das fünfte Album der Briten recht zärtlich mit dem Glockenspiel-Intro zu 'The Bitter End', doch steigert sich der Härtegrad im Verlauf des Songs immer weiter und lässt viele alte Fans aufhorchen. 'Alpha Omega' präsentiert die ARCHITECTS dann so wie man sich es wünscht. Düster, hart, technisch. Man hat merklich an Biss zugelegt und klingt so hart wie selten zuvor. Selbst Abrissbirnen wie 'Early Grave', 'Numbers Count For Nothing' oder 'Buried At Sea' haben nicht unbedingt viel mehr Härte zu bieten als 'Alpha Omega'. Dieser Eindruck wird mit dem nachfolgenden 'These Colours Don't Run', welchen einen dermaßen harten Mitteilteil enthält, dass einen beinahe die nackte Angst packt, wenn man auch nur an den Moshpit denkt. Doch die Gruppe kann mehr. 'Truth, Be Told' oder 'Behind The Throne' schlagen ruhigere Töne an. Die Nummern sind allerdings keine Balladen wie etwa 'Heartburn' von "The Here And Now", sondern erinnern viel mehr an die ruhigeren Songs des THRICE-Albums "Vheissu". Also viel Atmosphäre und kein Kitsch. Balladesk geht es einzig und allein beim Rausschmeißer 'Unbeliever' zu, welches stark von Klavierklängen getragen wird und somit nicht nur etwas Neues im Bandkontext darstellt, sondern auch ein Highlight von "Daybreaker". Im Albumverlauf wird man eh kaum Schwachstellen finden - wenn überhaupt! "Daybreaker" kann fast mit der Qualität von "Hollow Crown" mithalten. Die lyrisch überwiegend politisch und sozialkritisch geprägten Songs knallen einfach zu gut aus den Boxen. Egal ob 'Alpha Omega', das bekannte 'Devil's Island' oder 'Even If You Win, You're Still A Rat' (mit einem Gastauftritt von BRING-ME-THE-HORIZON-Frontsau Oliver Sykes) werden jeden Fan glücklich machen. "Daybreaker" ist ganz klar ein großartiges Album. Was Metalcore oder modernen Metal angeht wird es am Ende des Jahres ganz, ganz weit vorne mitmischen. Ich persönlich habe in diesem Bereich noch kein besseres Werk dieses Jahr gehört. "Daybreaker" ist ein ziemlich dynamisches Album, welches so schnell nicht langweilig wird und sich ganz fest in den Gehörwindungen festsetzt. ARCHITECTS sind zurück. So hätte der "Hollow Crown"-Nachfolger klingen müssen - obwohl ich auch "The Here And Now" gerne höre.

These Hearts - Yours To Take

Pop Punk mit etwas Gebrüll und Breakdowns zu verbinden, ist nun wirklich nichts wirklich Aufregendes mehr. haben dieses Zusammenspiel perfektioniert und all die Klone haben selten große Beachtung gefunden. Genau zu diesen zählt auch THESE HEARTS. Das Debütalbum "Forever Ended Yesterday" war nichts, woran sich die Fans Monate später noch erinnert hätten.
Album Nummer Zwei, "Yours To Take", ist nun erhältlich und kann tatsächlich schon eher überzeugen. Der Opener 'This Is Love' stellt einen ordentlichen Ohrwurm dar und überzeugt mit seinem Wechselspiel von harten und poppigen Passagen. Leider kann die Band dieses Niveau nicht den ganzen Albumverlauf über halten. Dennoch ist das neue Album im Vergleich zum Debüt eine ordentliche Steigerung.
Mit Nummern wie 'Been Through Hell', 'LOTR' oder 'Undecided Story' sind diesen Herzen ein paar amtliche Songs gelungen, die mal härter, mal weniger hart ausfallen, doch stets einen poppigen und eingängigen Refrain zu bieten haben. Punkte für Kreativität gibt es trotz netter Tracks allerdings keine zu vergeben. THESE HEARTS präsentiert elf Songs, die sich genau nach den Genre-Regeln richten und die vorgegebenen Pfade nie verlassen. Es wird nicht im geringsten versucht eine eigene Identität zu schaffen, sondern man beschränkt sich auf das Neuzusammensetzen von Altbekanntem.
THESE HEARTS bedient das Publikum genau mit dem, was es hören will. "Yours To Take" setzt keine neuen oder eigenen Akzente. Das Gebotene ist allerdings mehr als hörbar und macht Freunden dieses Stils mit Sicherheit Freude.


Forever The Sickest Kids - J.A.C.K.

Ich muss zugeben, dass ich "Underdog Alma Matter", das -Debütalbum, 2008 ganz nett fand. Pop Punk bei dem "Pop" in neonfarbenden Großbuchstaben geschrieben ist und der wirklich niemanden wehtun konnte. Danach habe ich die Truppe allerdings aus den Augen verloren bis ich letztes Jahr ihr Cover des RIHANNA-Hits 'We Found Love' auf dem fünften Teil der "Punk Goes Pop"-Serie hörte. Mich überraschte die etwas härtere Ausrichtung, die sogar etwas Gebrüll beinhaltete.
Auch das dritte Album "J.A.C.K." überrascht mich mit seiner stilistischen Ausrichtung. Zwar ist FOREVER THE SICKEST KIDS immer noch dem Pop Punk verschrieben und es gibt nur wenig Kanten, an denen man sich stoßen könnte, aber irgendwie hat die Band das übertrieben poppige ihrer Musik reduziert. Es scheint so als würde man den Pop-Punk-Wurzeln Tribut zollen und als hätte man sich erinnert, dass man eine Gitarrenband ist.
Verglichen mit Kollegen wie ALL TIME LOW, MAYDAY PARADE oder THE AUDITION zieht FOREVER THE SICKEST KIDS aber auch in der dritten Runde den Kürzeren. Doch hat man es hier mit ein paar der besten Momente der bisherigen Karriere der Kids zu tun. 'Chin Up Kid' etwa ist ein ziemlich gelungener Opener, mit Biss und dennoch viel Pop. Weitere Songs wie 'Keep Calm And Don't Let Go', 'Kick It!' oder 'My Friends Save Me' machen auch Spaß und sind tolle Sommermusik. Aber wie so oft in diesem Genre, wird man keine besonders originellen Ideen finden, dafür einfache und eingängige Pop-Punk-Nummern. Mir gefällt's trotzdem.


Text © by Sebastian Berning