Music Reviews

Rezensionen

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Blessthefall - Hollow Bodies

Blessthefall - Hollow Bodies

2013 ist ein mehr als gutes Jahr wenn es um Metalcore geht. Bisher erschienen wirklich viele sehr gute Alben von renomierten Bands wie etwa KILLSWITCH ENGAGE, BRING ME THE HORIZON, WE CAME AS ROMANS, ASKING ALEXANDRIA oder MISERY SIGNALS. Auch das bereits vierte BLESSTHEFALL-Album sollte sich in diese hochkarätige Liste einordnen können, denn "Hollow Bodies" ist eine perfekte Mischung aus den beiden Alben mit Beau Bokan als Leadsänger. Eben diese beiden Alben, "Witness" (2009) und "Awakening" (2011), haben BLESSTHEFALL einen mehr als ordentlichen Ruf in dem großen Pott eingeheimst, der sich um Metalcore entwickelt hat. Das 2007er Debütalbum "His Last Walk", auf welchem noch der jetzige ESCAPE THE FATE-Sänger Craig Mabbitt sang, kann der Fan unter den Teppich kehren. Auch die Band selber spielt bis auf einen Song auch nichts mehr davon. Die Vorfreude auf "Hollow Bodies" war meinerseits recht groß, da "Awakening" ein richtig gutes Album war, welches eine Band zeigte, die mehr kann als Breakdowns und poppige Refrains zu verbinden.
Was mir schon nach den ersten Songs auffällt ist, dass BLESSTHEFALL härter klingt. 'Exodus' und 'You Wear A Crown But You're No King' zählen locker mit zu den härtesten Kompositionen der Bandgeschichte. 'Youngbloods' setzt dem ganzen sogar die Krone auf und zeigt die Band so wild wie noch nie zuvor. Doch vergisst die Band für Sänger Beau Bokan genug Raum für seine melodischen Vocals zu lassen, Bassist Jared Warth brüllt sich derweil die Seele aus dem Leib. Es sind aber erneut die komplett klar gesungenen Tracks wie 'Déjà Vu' und im Besonderen 'See You On The Outside', die mich begeistern können.
Kein Song von "Hollow Bodies" verfällt ins Schema-F. Stets ist die Truppe bemüht ihren Nummern einen eigenen Charakter zu geben. Alleine die Gitarrenleads setzen BLESSTHEFALL von vielen ihrer Kollegen ab, die nur noch auf Nu-Metal-Riffs und Breakdowns zu setzen scheinen. Eine atmosphärische sieben Minuten lange Nummer wie das abschließende 'Open Water' (samt Gastbeitrag von Bokans Frau, der Pop-Sängerin LIGHTS, die auch auch bei BRING ME THE HORIZON für Stimmung sorgte) würde ich nur wenigen Bands zu trauen. Hier wird jegliches Tempo rausgenommen und eindeutig auf die Atmosphäre geachtet. Ein Experiment, welches geglückt ist.
Mit "Hollow Bodies" sollte BLESSTHEFALL nun endgütlig der Durchbruch in der Szene gelingen. In den USA wächst die Fanmasse stetig, nun sollte auch Europa dem Charme der Band verfallen. Dieses Album vereint alle Trademarks der Truppe und zeigt sie so kraftvoll wie selten zuvor. Für mich kommt nichts an dieser Band nicht vorbei, wenn es um die neuste Störmung im US-Metalcore geht.

Asking Alexandria - From Death To Destiny

Zur Zeit ist ASKING ALEXANDRIA mit Sicherheit eines der absolut heißesten Eisen, wenn es um Metalcore geht. Die Briten konnten sich schon mit ihrem Debüt "Stand Up And Scream" einen mehr als guten Ruf erspielen. Doch wo damals noch Metalcore auf Elektronik traf, erfand man sich 2011 mit dem zweiten Release "Reckless & Relentless" schon neu. Viel weniger Techno, dafür wesentlich mehr Rock'n'Roll. Mit ihrem dritten Alben entwickelt sich die Band noch einmal weiter.
Wo auf dem Vorgänger der hohe Rock-Faktor sie von anderen Bands absetzte, klingen die Jungs um Sänger Danny Worsnoop nun etwas düsterer und gleichzeitig so vielseitig wie nie zuvor. Der Opener 'Don't Pray For Me' startet nach einem ungefähr 100-sekündigem Intro so wie die Fans es wollen. Breakdowns, wilde Riffs und ein mehr als cooler Refrain. Die folgenden Tracks 'Killing You', das mit einem super Refrain bestückte 'The Death Of Me' und das brutale 'Run Free' zeigen ASKING ALEXANDRIA von ihrer gewohnten Seite, auch wenn die SKID ROW-Einflüsse etwas zurück geschraubt wurden, um einem härten Sound zu weichen.
Wer allerdings gerade die rockige Note der fünf Briten liebte, der wird mit 'Break Down The Walls' einen neuen Liebling gefunden haben. Diese Nummer bietet fast ausschließlich klaren Gesang und ordentliches Rock-Feeling. 'White Line Fever' und 'Believe' gehen einen ähnlich melodisch-rockigen Weg, ohne dabei poppig oder anbiedernd zu klingen. Im Albumkontext von "From Death To Destiny" aber lockern sie das fett produzierte Metalcore-Brett noch einmal auf. 'Moving On' sollte an der Stelle auch noch als eine coole Power-Ballade erwähnt werden, die besonders den Mädels gut gefallen sollte.
Und obwohl viel mehr gesungen wird als auf den beiden Vorgängeralben, präsentiert sich die Band insgesamt düsterer und härter als denn je. Die Refrains sind zwar eingängig, aber nicht mehr so poppig und auf große Rockstars getrimmt wie noch zuvor bei "Reckless & Relentless". Viel eher zieht sich eine traurige Grundstimmung durch die zwölf neuen Kompositionen. Verstärkt wird dieser Eindruck von Streichern, die viele Songs untermalen wie etwa 'Don't Pray For Me' oder 'The Road'. Zu dieser Stimmung passt auch der neue Gesangstil von Sänger Worsnoop, der auf einen Stimmbandriss zurückzuführen ist. Der klare Gesang des Mittzwanzigers klingt wesentlich rauer und gleichzeitig nicht mehr so hoch wie früher.
Ich bin mir sicher, dass die Fans von ASKING ALEXANDRIA genau so ein Album hören wollen und der kometenhafte Aufstieg dieser Band sollte sich noch beschleunigen nach der Veröffentlichung dieser Platte. Mir persönlich gefällt der Vorgänger "Reckless & Relentless" durch seine SKID ROW-Note aber doch noch einen kleinen Tick besser, doch das hält "From Death To Destiny" nicht ab auf Heavy Rotation zu sein.

Get Dead - Bad News

GET DEAD ist wieder einmal eine Band, die nicht mehr wirklich viel mit dem Skate-Punk der frühen Tage des Fat-Wreck-Labels zu tun hat. Das Debütalbum der Folk Punk-Band "Bad News" kann nämlich auch ganz ohne verzerrte Gitarren auskommen. Folk Punk ist 2013 auch nichts wirklich Neues mehr. Irgendwo hatten die Bandmitglieder früher mal etwas mit Punk und Bands wie NOFX, THE OFFSPRING oder anderen 90er Bands zu tun, die sich auf Epitaph Records und Fat Wreck tummelten. Doch über die Jahre wurde man natürlich reifer und musikalisch versierter. Eine ähnliche Geschichte hat GET DEAD sicherlich auch zu erzählen.
Mit wilden Punk-Nummern, egal ob melodischer oder räudiger Prägung, haben die Songs von "Bad News" nicht wirklich viel zu tun. Klar kann auch GET DEAD mal etwas flotter klingen, aber man kann auch komplette Akustik-Gitarren-Songs liefern. Und beides gelingt ihnen recht gut. Dennoch handelt es sich bei diesem Erstling um kein allzu spannendes Werk, da das Schema der Truppe schnell ausgemacht ist. Songs wie 'Welcome To Hell' oder 'The Process' machen dennoch einigermaßen Spaß. Nur ist diese ganze Folk-Kiste, egal ob Folk-Punk, -Pop, -Metal oder -Indie, absolut nicht meine Baustelle. Von daher sei mir auch verziehen, dass ich etwas verhalten auf die zwölf Kompositionen reagiere.
"Bad News" ist ein solides Album geworden, welches Fans von AGAINST ME! oder gleichartigen Bands sicherlich ansprechen wird. Der Durchschnitts-Rock-Hörer braucht sich allerdings nicht wirklich mit dem GET DEAD-Debütalbum zu beschäftigen.

Text © by Sebastian Berning

BLACK SABBATH - 13

Mittlerweile kennt jeder halbwegs aufmerksame Metal-Fan (also jeder, der nicht taub ist) das neue BLACK SABBATH-Album, und trotz einer Tendenz zum Positiven sind die Reaktionen unterschiedlich. Die Hard-Fans haben kaum etwas zu bemängeln, doch es existiert auch die Gegenseite, die "13" schlicht für überflüssig hält.
Wer sich aus neutraler Sicht nähert, der findet die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte. "13" ist ein gutes Album mit einigen songtechnischen Ausreißern nach oben, ein Klassiker, ein unüberwindbarer Fels in der Brandung, den sich jeder Metal-Fan unbedingt ins Regal stellen muss, sieht aber auch anders aus. Die Einschränkung, dass Urzeit-Trommler Bill Ward für die Reunion nicht zur Verfügung stand, fällt nicht allzu sehr ins Gewicht, da sein Ersatzmann Brad Wilk macht das ganz hervorragend. Toni Iommis Riffs sind immer noch eindeutig zu identifizieren, Geezer Butlers Bass gehört immer noch zu den besten der Szene, und Ozzy Osbournes Gesang ist erträglich. Der größte Vorteil von "13" ist, dass Band und Produzentengespann (Rick Rubin!) nicht einen auf Retro gemacht haben. "13" transportiert den typischen SABBATH-Sound in die heutige Zeit und klingt tatsächlich wie ein Album aus dem Jahre 2013. Wer hätte es gedacht?
Auf die Kosten kommen bei den Songs vor Allem Freunde des ganz frühen SABBATH-Materials. Das bedeutet, in den Songs regiert der Doom, an diejenigen, die wie ich die zweite Ozzy-Phase (ab Vol. 4) bevorzugen, wird höchstens ab und zu mal gedacht. Das ist nicht weiter tragisch, da überlange Nummern wie "God Is Dead" oder "Damaged Soul" dennoch gut genug sind, u zu überzeugen. Ein Klassiker im Sinne von "Paranoid", "Iron Man" oder "After Forever" ist keiner von ihnen, ein wirklicher Reinfall allerdings auch nicht. Vor Allem Iommi setzt durch sein Gitarrenspiel, die Soli, den Sound und natürlich die RIffs immer wieder Akzente, die "13" zu einer durchweg hörenswerten Angelegenheit machen. "Zeitgeist" erinnert, auch das weiß mittlerweile jeder, an "Planet Caravan", ist deshalb Geschmackssache, ragt aber im Albumkontext als Ruhepol heraus und eröffnet dem Hörer eine andere Facette. Das "13" mit dem gleichen Gewitter und Glockenschlag endet, mit denen 1969 der Heavy Metal erfunden wurde, lässt darauf schließen, dass mit dem Album etwas zu Ende geht, was vor mehr als vier Jahrzehnten begann. Die Karriere einer Band, die die Existenz unserer Szene überhaupt erst ermöglicht hat, und ohne die wir heute sehr wahrscheinlich ganz andere Menschen wären. BLACK SABBATH haben, so weit lehne ich mich aus dem Fenster, die Welt verändert, die Musikwelt zumindest ganz sicher, und das ist, wie wir wissen, ohnehin das Selbe. Schon alleine deshalb kann man sich "13" mit ehrfürchtig und mit Respekt anhören und dabei gute Musik genießen, die für eine Band von diesem Status erwähnenswert authentisch und ehrlich ist.

DARK AGE - A Matter Of Trust

DARK AGE aus Hamburg galten für eine Weile als Deutschlands wichtigster Melo Death-Nachwuchs, von den musikalischen Bestandteilen, die die Band damals auszeichnete, sind aber nur noch vereinzelte Elemente übrig, diese werden dafür umso deutlicher betont. Bereits auf letzten Album “Acedia“ richtete man den Fokus zunehmend auf eingängiges Hitsongwriting, die Death Metal-Einflüsse wurden auf ein Minimum reduzuiert, und die elektronischen Features machten aus der Musik eine zeitgemäße, songtechnisch aber immer noch sehr ansprechende Angelegenheit.
Mit “A Matter Of Trust“ wird der eingeschlagene Weg nun weiter verfolgt, und Dinge die Death-Growls oder melodische Gitarrenleads sind allenfalls noch bruchstückhaft auszumachen. DARK AGE's neues Album ist im Grunde Alternative-Metal-Stückwerk, das ansprechend beginnt und qualitativ stark nachlässt. Wer mit der stilistischen Ausrichtung leben kann wird feststellen, dass es allerdings vor Allem die Songs an sich sind, denen es an Substanz und Durchschlagskraft mangelt.
Dabei ist der Start durchaus vielversprechend: Der Opener “Nero“ ist eine eingängige Nummer mit gelungenen Melodien, der musikalische Unterbau bedient neben Fans des Vorgängers auch die LINKIN PARK- oder SCAR SYMMETRY-Zielgruppe. Das schon vorab veröffentlichte “Afterlife“ geht in eine ähnliche Richtung und mit “Out Of Time“ dürften auch diejenigen zufrieden sein, die die Qualität eines Songs an dem Vorhandensein von Death Metal-Gesang messen. Danach geht es aber abwärts. Was folgt ist Standardkost, mit Texten in holprigem Englisch, mit tausendfach gehörten Melodien und vorhersehbaren Strukturen. Den Schritt in die Massentauglichkeit haben andere Bands aus dem Genre überzeugender hinbekommen.
Ja, “A Matter Of Trust“ ist hervorragend produziert und DARK AGE bieten dem Rezensenten wenig Angriffsfläche bezüglich der Umsetzung ihrer Ideen. Die Ideen selbst zeigen aber einen erheblichen Mangel an Kreativität, an Energie und an Leidenschaft, und letzten Endes ist das Album nicht mehr als ein unauffälliges Etwas in einem musikalischen Bereich, in dem es nur zunehmend um die schablonenhafte Massenbespaßung zu gehen scheint.

Text © by Heiko Eschenbach