Music Reviews

Rezensionen

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King Kobra - II

King Kobra - II

Seit 2010 rocken die Herren von KING KOBRA samt neuem Sänger Phil Shortino (u.a. ROUGH CUTT und QUIET RIOT) wieder zusammen. Nach dem Comebackalbum "King Kobra" aus dem Jahre 2011 legt man nun mit dem simpel betitelten "II" nach. Wo das 1985er Debüt "Ready To Strike" noch ordentlichen Glam Metal zelebrierte und zurecht Erwähnung in der Liste der 250 besten Glam-Metal-Alben vom Rock Hard Magazin fand, schlägt man seit der Reunion bodenständigere Töne an. Zwar zählte man schon in den 80ern nicht unbedingt zu den poppigsten Bands der Szene, aber schon "King Kobra" klang von 70er Jahre Rock und Blues beeinflusst - ein Weg den "II" konsequent fortführt. Freunde des Comeback-Albums werden schon beim "II"-Opener 'Hell On Wheels' ein dickes Grinsen auf den Lippen haben. KING KOBRA zitiert Blues und 70er Rock, vertuscht aber auch nicht die Glam-Vergangenheit. Man nimmt den alten bandeigenen Sound auf und vermischt diesen mit neuen Einflüssen. 'Knock Them Dead' geht sogar noch besser ins Ohr rein und erfreut mit einem mehr als coolen Refrain. Mit 'The Ballad Of Johnny Rod' präsentiert man amtlichen Blues Rock, der gut ins Bein geht, aber nicht das Feuer der ersten zwei, drei Nummern versprühen mag. Dafür fehlt, mit Sicherheit aber auch beabsichtigt, der nötige Kick. Trotz teilweise recht langer Songs wie dem sich über sechs Minuten erstreckenden Opener 'Hell On Wheels' oder dem fast siebeneinhalb minütigen 'Deep River' kommt keine Langeweile bei der gut einstündigen Platte auf. Die zwölf Kompositionen klingen knackig und machen dem Fan Spaß. Durch Shortinos tolle Vokalarbeit dürfte wirklich niemand Marcie Free am Mikro vermissen. Die leicht raue Stimme des aktuellen Sängers passt super zur neuen Ausrichtung von KING KOBRA. Alben mit einer Spielzeit von 50 Minuten und mehr müssen mir schon was bieten, um mich die volle Distanz über begeistern zu können. KING KOBRA gelingt dies mit "II" von Anfang bis Ende. Füllmaterial kann ich keines ausmachen, fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Songs zwar alle gut bis sehr gut sind, dennoch keine zwölf Hymnen für die Ewigkeit darstellen. Ich bin mir aber sicher, dass jeder Fan der Truppe mit diesem Album viel Freude haben wird.

Voodoo Six - Songs To Invade Countries To

Den englischen Hard Rockern VOODOO SIX wird diesen Sommer viel Aufmerksamkeit zuteil werden, immerhin darf man für IRON MAIDEN den Vorturner spielen. Ob denn das beinharte MAIDEN-Publikum auf die britischen Jungspunde abfahren wird, ist eine andere Frage. Mit "Songs To Invade Countries To" legt man aber passend zur Tour das neue Album hin. Im Prinzip liefert man genau das gleiche ab wie viele aktuelle hart rockende US-Bands auch: Ordentliche Riffs und nette Grooves. Doch wo die Musik der Konkurrenz trotz satter Gitarrenarbeit noch immer schön tauglich für das Radio bleibt, drehen VOODOO SIX etwas mehr auf. Alleine der Gitarrensound auf "Songs To Invade Countries To" klingt kratziger und fetter. Kritikpunkt für mich sind irgendwie die elf Songs des Werkes, denn der moderne Hard Rock schallt mit Sicherheit amtlich aus den Boxen. Hier und da gibt es sogar mehr als ordentliche Riffs auf die Ohren, wie beim Opener 'Falling Knives' oder 'Sink or Swim'. Doch fehlen mir die großen Hits. Keine der Nummern ist wirklich schlecht oder langweilig, es fehlt ihnen aber dennoch immer das letzte Bisschen, das gewissen Etwas, das das Material aufwertet und von anderen Truppen des im Moment gut besetzten Sektors absetzt. Gut, sicherlich sind die recht kriegerischen Texte mal etwas anderes als man erwartet/gewohnt ist, doch das alleine reicht nicht aus. Es kommt bei mir keine echte Begeisterung auf während die Rocker aus den Boxen schallen. Stets sitze ich im Sessel und warte, dass nun endlich ein Highlight oder eine griffige Mörderhookline kommt, doch niemals schafft es VOODOO SIX, meine Erwartungen vollends zu erfüllen. Insgesamt betrachtet ist "Songs To Invade Countries To" ein mehr als solides Album, das sich der moderne Rock-Fan anhören kann. Ich vermisse allerdings trotz einiger guter Ideen das letzte Schippchen Euphorie und Action, welches mich packen soll. VOODOO SIX sollten sich in Zukunft trauen, etwas lockerer zu agieren und die Handbremse loslassen, die sie davon abhält nicht nur gute, sondern richtig gute Nummern aufzunehmen.

James Christian - Lay It All On Me

"Lay It All On Me" ist bereits das dritte Solowerk vom HOUSE OF LORDS-Sänger JAMES CHRISTIAN. Der Sänger konnte sich von seiner Prostatakrebserkrankung erholen und vertieft sich seitdem wieder in die Musik. Neun Jahre liegen allerdings zwischen dem neuen Alleingang und "Meet The Man". Man darf also gespannt sein, was JAMES CHRISTIAN dem Fan bietet. MIKE TRAMP hat ja auch erst jüngst neue Pfade bestiegen und ein Singer/Songwriter-Album veröffentlicht. Ganz so weit geht der Sänger der unterbewerteten HOUSE OF LORDS Gott sei Dank nicht. Viel eher bietet er den erwarteten melodischen Rock für den ihn seine Fans lieben. Glücklicherweise wird aber mehr geboten als elf gleichförmige Rocksongs mit viel Melodie und Backgroundchören. So hat 'Day In The Sun' eine leichte Swing-Note zu verbuchen, was der Nummer sehr gut zu Gesicht steht. Am besten kann JAMES CHRISTIAN aber lockere melodische Rockmusik machen. So erinnert mich der Eröffnungs- und gleichzeitiger Titeltrack etwas an AUTOGRAPH, die ebenso unterbewertet sind wie die Hauptband des Protagonisten. 'Sacred Heart', 'She's All The Rage' und mein persönlichen Liebling 'Sincerly Yours' rocken ebenso locker und sonnig daher. Jeder Song wird natürlich besonders durch Christians Stimme veredelt. Allerdings gefällt mir die Produktion nicht ganz so gut. Etwas zu dumpf und matschig schallen die Kompositionen aus den Boxen, was das Hörvergnügen etwas trübt. Was diesen Punkt angeht, hätte man sicherlich noch ein, zwei Schippen drauflegen können. Es ist schon erschreckend wie viele 80er Glam Metal- und Hard Rock-Acts in den letzten Jahren gute Releases veröffentlicht haben. Ich denke da besonders an die letzten Alben von RATT, DANGER DANGER, WARRANT und WHITESNAKE, aber auch JAMES CHRISTIANs neustes Solowerk "Lay It All On Me" wird jeden Freund des melodischen Rocks erfreuen.

Boysetsfire - While A Nation Sleeps...

2006 erschien das letzte BOYSETSFIRE-Album "The Misery Index: Notes From The Plague Years". Sicherlich ein nettes Album, aber nichts was ich 2013 noch auf dem Schirm haben würde. Auch den Klassiker "After The Eulogy" habe ich seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gehört. Dabei war BOYSETSFIRE im Emo-/Post-Hardcore-Zirkus der frühen 00er Jahre eine der herausragenden Bands. Die Kids heute werden mit Hits wie 'My Life In The Knife Trade', 'After The Eulogy' oder 'Rookie' nichts mehr anfangen können, viel eher ist BOYSETSFIRE eine Liebhaberband geworden, ähnlich wie JIMMY EAT WORLD, DASHBOARD CONFESSIONAL, SAVES THE DAY oder THE GET UP KIDS, die alle zur gleichen Zeit Ruhm und Ehre ernteten wie BOYSETSFIRE. Was mich am Comeback-Album "While A Nation Sleeps..." direkt aufhorchen ließ, ist die Härte mit der die Band agiert. Eine knallharte Nummer wie 'Heads Will Roll' hätte ich der Truppe auch beim allerbesten Willen nicht mehr zugetraut. Hier wird wieder gebrüllt und die Hardcore-Keule ausgepackt und doch besticht man durch einen melodischeren Refrain. Es ist genau dieses Wechselspiel aus Härte und Melodie was "While A Nation Sleeps..." ausmacht und interessant gestaltet. Wo "The Misery Index" meist melodisch-eingängige Songs zu bieten hatte, wird hier wieder richtig auf die Fresse gehauen. Da darf man zurecht an die ersten Releases dieser wegweisenden Band zurückdenken. Es sind besonders die Songs, die größtenteils losbrettern, um im Refrain schön melodisch daher zu kommen, die mich begeistern können, wie besagtes 'Heads Will Roll', 'Until Nothing Remains' oder 'Let It Bleed'. Aber auch die flotte Abrissbirne 'Far From Over' sollte erwähnt werden, denn so hart und wütend war die Band selten, aber genau das steht ihr echt gut. Das junge Publikum wird sicherlich Breakdowns, Pop Punk und nochmal Breakdowns vermissen, doch alteingesessene Fans werden mit "While A Nation Sleeps..." ihre wahre Freude haben. BOYSETSFIRE gelingt nicht nur ein Comeback, sondern kehrt man die letzten beiden eher passablen Alben mit diesem Befreiungsschlag locker unter den Tisch. Man klingt extrem wütend, aber doch vertraut melodisch. Kein Fan sollte enttäuscht werden, im Gegenteil: Mit der Back-to-the-roots-Einstellung wird man viele über die Jahre verloren gegangenen Fans zurückgewinnen können.

The Quireboys - Beautiful Curse

2008 erschien das letzte THE QUIREBOYS-Album "Homewreckers & Heartbreakers". Nun, gut fünf Jahre später, gibt es endlich Nachschub, was brandneues Material angeht. Mit "Beautiful Curse" erscheint das siebte Werk der Briten um den charismatischen Sänger Spike. Wie gewohnt gibt es viel Rock 'n' Roll auf die Ohren, der mit Einflüssen aus Hard Rock, Blues und etwas Rotz angereichert ist. Es geht mir allerdings wie auch bei anderen QUIREBOYS-Veröffentlichungen: Mehr als nett scheint nie zu gehen. "A Bit Of What You Fancy" ist mit Sicherheit das Aushängeschild dieser Truppe und in der Tat tummeln sich hier einige feine Songperlen. Mir persönlich war der Sound der Briten immer viel zu US-Südstaaten-lastig. Der ewig gleiche Pianosound zieht sich durch 98% aller Nummern der QUIREBOYS. "Beautiful Curse" schafft in diesem Punkt auch keine Abhilfe. Denn THE QUIREBOYS haben ihren eigenen Sound und genau für den werden ihre Fans sie auch lieben. Kompositionen, wie der doch recht coole Opener 'Too Much Of A Good Thing', oder das straight rockende 'Chain Smokin'' machen auch mir Freude. Nur über 50 Minuten Spielzeit passiert nicht gerade viel. Da geht es mal etwas bluesiger zu ('Twenty Seven Years', 'I Need Laughing'), öfters Südstaaten-lastig (u.a. 'King Of Fools') oder sogar mal etwas flotter ('Homewreckers & Heartbreakers'), doch die wirklichen Hits fehlen. Die Band klingt nicht einmal wirklich bemüht - frei nach dem Motto "Gewollt, aber nicht gekonnt". Nein, man nimmt Spike und seiner Truppe diese Art Musik zu jeder Sekunde ab. Mir fehlt es nur an Nummern, die es schaffen, mich begeistern zu können. Jeder der elf Tracks ist nett und ganz okay, doch fällt es mir schwer, ein Highlight auszumachen, oder auch nur Lust für mehrere Durchläufe zu finden. Kein Fan der QUIREBOYS sollte von "Beautiful Curse" enttäuscht sein. Die Band vertritt noch immer all ihre Trademarks. Nur wird man kaum neue Fans gewinnen können und bedient auch so eher eine Randgruppe der Rockmusik. Diese wird dafür aber umso mehr Spaß mit THE QUIREBOYS haben.

The Maine - Forever Halloween

Als THE MAINE vor fast genau fünf Jahren ihr Debütalbum "Can't Stop, Won't Stop" veröffentlichte, war das schon das extrem sanfte Ende der aufkommenden Pop Punk Bands. MAYDAY PARADE oder ALL TIME LOW wie harte Rockbands aussehen zu lassen, muss man auch erst einmal schaffen. Doch die letzten beiden Studioalben zeigten die Truppe als Songwriter und Band erwachsener und ambitionierter. Pop Punk für die zwölfjährige kleine Schwester schien THE MAINE nicht mehr zu reizen. Man wandte sich eingängiger Rockmusik zu, die auch Einflüsse aus dem Country-Bereich zuließ. Genau bei dieser Entwicklung setzt auch "Forever Halloween" an. Mit Pop Punk hat die Band nichts mehr am Hut. Viel eher orientiert man sich an BON JOVI zu "Lost Highway"- und "The Circle"-Zeiten. Zumindest mir kommt dieser Vergleich immer auf, wenn ich die letzten drei THE MAINE-Alben höre. Nur verpackt man den Rock-meets-Country/Folk-Sound so, dass 16 jährige US-Girlies Songs wie 'Blood Red' oder 'Kennedy Curse' noch immer gut finden können. Zumal man mit dieser Ausrichtung relativ einzigartig im Zirkus der Vans Warped Tour ist. "Forever Halloween" vereint Einflüsse aus Rock, Country, Folk und Indie spielend leicht zu zwölf eingängigen Nummern. Wirkliche Ausfälle gibt es bis auf die total langweilige Lagerfeuernummer 'Birthday In Los Angeles' keine zu verbuchen. Der Großteil des Materials ist mehr als solides Songmaterial mit erwachsenen, aber poppigen Melodien. Von zuckersüßen Refrains wie bei alten Hits der Marke 'I Must Be Dreaming', 'Right Girl' oder 'Girls Do What They Want' ist man schon seit "Pioneer" (2011) meilenweit entfernt. Leider gelingt es der Band seitdem aber auch nicht mehr, echte Hits zu schreiben. Ähnlich wie beim Vorgänger bricht kein Song großartig nach oben aus. Fairerweise muss man aber sagen, dass 'Fucked Up Kids', 'Love & Drugs' sowie 'Blood Red' einem Hit schon wesentlich näher kommen als alle Songs des Vorgängers. THE MAINE scheint mit "Forever Halloween" ihren Sound gefunden zu haben und man klingt wieder etwas lockerer als auf dem Vorgänger "Pioneer". So locker und hitlastig wie "Black & White", das erste Album nach dem kleine-Schwester-Pop-Punk, bleibt dennoch unerreicht. Doch habe ich nach diesem Album wieder mehr Hoffnung für THE MAINE.


Text © by Sebastian Berning