Music Reviews

Rezensionen

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Whitesnake - Made In Britain/The World Record

Heavy Metal Reviews

Mit "Made In Britain/The World Record" steht bereits das dritte Livealbum aus dem Hause WHITESNAKE in gerade einmal zwei Jahren an. Nach "Live At Donnington 1990" (2011) und "Made In Japan" (2013) folgt nun ein weiteres Live-Release von David Coverdale. Über den Sinn und Unsinn von zwei Livealben, welche innerhalb von drei Monaten veröffentlicht werden und beide obendrein noch aktuelle Konzertmitschnitte enthalten, kann man sich streiten, aber irgendwer wird es schon kaufen.
"Made In Japan" war ein nettes Livealbum mit einer Bonus-CD voll mit Soundcheckaufnahmen und einem visuellen Mitschnitt des dargebotenen Konzerts. "Made In Britain/The World Record" beinhaltet zwei Konzerte auf zwei CDs, einmal "Made In Britain" und logischerweise "The World Record" auf der anderen Disk. Nur um es vorweg zu nehmen: Wenn ich Interesse an einem aktuellen Livealbum von WHITESNAKE hätte, würde ich zu diesem Package hier greifen.
Soundtechnisch sind beide Mitschnitte genauso gut wie "Made In Japan". Was mir aber besser gefällt ist die Tracklists beider CDs. Alleine schon, dass 'Slide It In' auf der zweiten CD enthalten ist, ist für mich ausschlaggebend. Auch werden andere Perlen wie die DEEP PURPLE-Nummern 'Burn' (im Medley mit 'Stormbringer') sowie 'Soldier of Fortune' geboten. Auch Hits wie 'Bad Boys', 'Ain't No Love In The Heart Of The City' oder 'The Deeper The Love' sind auf den beiden CDs enthalten, was bei "Made In Japan" nicht der Fall war. Dass 'Here I Go Again', 'Still Of The Night' oder 'Fool For Your Loving' aus den Boxen schallen wird auch niemanden überraschen. Natürlich gibt es auch neuere Nummern wie das tolle 'Forevermore', 'Steal Your Heart Away' oder direkt auf beiden CDs 'Fare Thee Well'.
Obwohl keine DVD beiliegt, favorisiere ich "Made In Britain/The World Record" was die aktuellen "Forevermore"-Tourmitschnitte angeht. Guter Sound und noch bessere Tracklists zeichnen dieses Doppel-CD-Set aus und machen es für mich zu einem besseren Fang als "Made In Japan".

Falling In Reverse - Fashionably Late

"Hair Metal 2.0" betitelte ich mein Review zum FALLING IN REVERSE-Debüt "The Drug In Me Is You". Nicht einmal zwei Jahre später kann man das leider nicht mehr sagen. Der ehemalige ESCAPE THE FATE-Sänger Ronnie Radke scheint sich dafür aber zu Axl Rose 2.0 zu entwickeln. Angebliche Gewaltdelikte, Tourabsagen, Vorbands von der laufenden Tour kicken und alle Bandmitglieder vor die Tür setzen um selber mehr Geld einzunehmen (obwohl das noch nicht wirklich geklärt ist) sind eine beachtliche Zwischenbilanz für die letzten sechs Monate.
Aber gut man kann es sich ja leisten. Ronnie Radke und FALLING IN REVERSE haben sich mit "The Drug In Me Is You" eine recht gute Position im aktuellen Vans Warped Tour-Zirkus erspielen können. Da kann man es sich auch erlauben mit dem ersten veröffentlichten Song 'Alone' die Fanscharr komplett zu teilen. Kein Rock'n'Roll, dafür Elektronik und gerappe. Zugegeben der gesungene Refrain kann sich im Gehör festsetzen, nur ist das Drumherum wie eine groteske Mischung aus alten ATTACK ATTACK!, LIL WAYNE und THE USED. Wenigstens kann Sänger Radke gut rappen, so dass es nicht all zu peinlich rüber kommt. Und wer das schon hart fand, der wird mit dem zweiten Song 'Bad Girls Club' erstmal so richtig seine Freude haben, denn die Nummer besteht fast nur aus MIDI-Sounds, einem ziemlich eingängigen Refrain und Gitarren, die dermaßen weit im Hintergrund sind, dass man sich deren Aufnahme auch direkt hätte sparen können. Dennoch hat dieses Lied etwas, auf eine ganz perverse Art und Weise.
Der Rest von "Fashionably Late" klingt dafür, bis auf die ein oder andere Rap-Einlage von Radke, so wie es sich die Fans gewünscht haben. Breakdowns, hier und da Pop Punk oder etwas Glam Metal und überallem die teils selbstüberheblichen Lyrics von Radke. Auf eine Zeile wie 'White boy on the beat, rocking Gucci sneaks/All I do is win like Charlie Sheen' ('Alone')muss man ersteinmal kommen.
Trotz all der Skandale und dem teils wirren Soundcocktail muss ich sagen, dass mir "Fashionably Late" ganz gut gefällt. FALLING IN REVERSE kommt zwar nicht an die Klasse und Hitdichte des Debüts heran, Nummern wie der rockige Titeltrack, das total trashige 'Bad Girls Club' oder Breakdown-lastige Kompositionen wie 'Born To Lead' und 'Champion' machen aber ordentlich Spaß. Allerdings fühle ich mich insgeheim mit 23 Jahren schon mindestens drei Jahre zu alt für dieses Album. Die Zielgruppe sind ganz klar 13 bis 18 jährige US-Szene-Kids, die Radke als Gottheit der Szene feiern werden. Für ältere Semester ist "Fashionably Late" aber mit Sicherheit die Verjüngungskur für den Sommer 2013.
[Und der Verweis muss natürlich auch in jede auf FALLING IN REVERSE oder ESCAPE THE FATE bezogene Kritik rein: 2013 haben Radkes alte Brötchengeber ESCAPE THE FATE das bessere Album abgelegt.]

Sister Sin - Dance of the Wicked (Re-Release)

Zehn Jahre ist es nun her, dass die Schweden von SISTER SIN ihren Sleaze-Sound auf die Welt losgelassen haben. Aufmerksamkeit bekam die Band natürlich besonders durch Sängerin Liv Jagrell, die für diverse "Frauen und Metal"-Stories sowie Fotoshootings herhalten durfte. Das acht Song starke Debüt "Dance Of The Wicked" wird nun zum zehnjährigen Jubiläum samt vier Bonustracks und einer Bonus-DVD von Victory Records als Deluxe Edition veröffentlicht.
Für Freunde der drei letzten Alben ist dies sicherlich eine tolle Meldung. Endlich kann man das langvergriffene Debüt der Sleaze-Rocker ganz normal im Laden erwerben und dazu gibt es noch massig Bonusmaterial: drei Demosongs, einem Cover des MOTÖRHEAD-Songs 'Rock 'N Roll' (samt DORO PESCH am Mikrofon) und einer DVD vollgepackt mit allen zehn Musikvideos der Band und weiteren kleineren Extras aus dem Touralltag und Leben der Band besteht.
Ansich sind Glam Metal und Sleaze Musikstile in denen Männern (wie so oft) die Vorherrschaft besitzen, Frauen werden eher nur besungen und sind großer Bestandteil der Fanscharr. Bands wie die reine Frauenformation VIXEN wird sich wohl eher nur mit einer Rolle als Randnotiz abfinden müssen - trotz ihres recht guten selbstbetitelten Debüts von 1988. Wo VIXEN sogar noch poppiger als BON JOVI oder die erste DAVID LEE ROTH-Soloplatten klangen, bieten SISTER SIN das komplette Gegenteil. Dreckiger Sleaze trifft auf den rauen weiblichen Gesang von Jagrell und das ganze klingt auch noch richtig gut. Vom Rockfaktor her liegt man auf einer Linie mit den ersten beiden CRASHDIET-Werken und so ist es keine Überraschung auf "Dance Of The Wicked" schon den ein oder anderen kleineren Hit wie 'Love Lies' oder den wuchtigen Opener 'Kiss The Sky' hören zu können. Auch das ROLLING STONES-Cover 'Paint It Black' wird im bandeigenen Sound zum Besten gegeben und macht richtig Spaß, besser haben wohl nur W.A.S.P. diesen Klassiker gecovert.
Die drei zusätzlichen Demoversionen sind eine nette Beigabe, obwohl der Standard der eigentlichen Albumtracks nicht erreicht wird. 'Minor You (Major Me)' ist allerdings eine schön kantige Rocknummer, wie man sie von SISTER SIN hören möchte. Das MOTÖRHEAD-Cover mit DORO ist okay, aber nun wirklich keine Offenbarung, da man das Original absolut nicht erreicht bzw. erreichen kann. Die zehn Musikvideos der Bonus-DVD sind allesamt nett anzuschauen, allerdings wird man sie sich nicht all zu oft anschauen - wie es so oft bei Musikvideos als Bonus der Fall ist.
Fans von SISTER SIN kommen bei diesem vollgepackten Re-Release ganz auf ihre Kosten. Auch für Neueinsteiger ist "Dance Of The Wicked" zu empfehlen, auch wenn man natürlich nicht ganz an die Klasse vom aktuellen Werk "Now And Forever" heran kommt.

Burning Rain - Burning Rain (Re-Release)

Noch bevor der blonde Gitarrist Doug Aldirch bei DIO und später bei WHITESNAKE anheuerte, gründete er mit BURNING RAIN seine eigene Band. Zusammen mit dem unterbewerteten Keith St. John am Mikrofon sowie Bassist Ian Mayo und Drummer Alex Makarovich bildete man die erste Formation von BURNING RAIN. Man verschieb sich dem melodischen Hard Rock und anscheinend gehörten Bands wie WHITESNAKE, DANGER DANGER oder WHITE LION zur Pflichtlektüre um überhaupt für einen Posten in der Truppe vorspielen zu dürfen.
Das selbstbetitelte Debüt erschien im Jahr 1999 und präsentierte eine recht frische Band, die ihren Sound erst noch finden musste. Stilistische Quantensprünge machte man zwar keine im Vergleich zu den beiden folgenden Alben "Pleasure To Burn" (2001) und "Epic Obsession" (2013), aber die Inszenierung erscheint auf "Burning Rain" noch etwas holprig. Die Hits fehlen noch, Potenzial lässt sich allerdings schon hier erkennen. Dies liegt natürlich besonders an Aldrichs Gitarrenspiel und Fähigkeiten als Songwriter.
Kleinere Hits lassen sich aber dennoch aus dem zwölf Song starkem Material heraushören. Zum Beispiel ist der Opener 'Smooth Locomotion' ein ordentlicher Rocker oder sorgt das etwas melodischere 'Can't Turn Your Back On Love' für leichte Gänsehaut. Die Paarung von Aldrich und St. John kommt besonders im letztgenannten Stück zum Zuge, so als ob die beiden Musiker wie für einander geschaffen sind - bessere Songs schrieb der Gitarrist nur zusammen mit David Coverdale. Als Bonustrack ist übrigens eine Akustikversion von 'Can't Turn Your Back On Love' (sowie eine vom Opener) enthalten, die dem Song noch mal einen anderen Kick geben kann.
Beide Nachfolger sind auf jeden Fall Hit-lastiger als "Burning Rain", wirkliche Füller gibt es dennoch nicht auszumachen. BURNING RAIN spielen schnörkellosen Hard Rock mit Melodie. Da die ersten beiden Werke durch den Re-Release wieder überall erhältlich sind, gibt es keine Ausrede mehr sich diese Band nicht ins Regal zu stellen.



Text © by Sebastian Berning