Music Reviews

Rezensionen

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30 Seconds To Mars - Love Lust Dreams + Faith

Heavy Metal Reviews

Jetzt, da ich das vierte 30-SECONDS-TO-MARS-Album "Love Lust Faith + Dreams" gehört habe, kommt bei mir die Frage auf, ob die Band um den schauspielenden Sänger Jared Leto überhaupt jemals eine wirkliche Rock-Band war. Bis auf "A Beautiful Lie", welches stark vom damaligemn Emo-Hype und der Single 'The Kill' profitierte, waren Gitarren bei der Band eigentlich nie allzu präsent. Das selbstbetitelte Debüt war ziemlich elektronisch und Industrial-lastig, während das letzte Werk "This Is War" genauso viel mit Rock'n'Roll zu tun hat wie U2 oder neuere COLDPLAY. Album Nummer vier geht da sogar noch einen Schritt weiter.
Schon das Intro 'Birth' basiert nur auf Streichern, Hörnern, Electro-Sounds, Drums und etwas Gesang, von Gitarren fehlt jede Spur. Auf eine gewisse Weise erinnert man durch den opulenten Sound an eine elektronische Version von BIFFY CLYRO. Dieser Eindruck verstärkt sich auch beim "richtigen" Opener 'Conquistador'. Erstaunlich ist, dass diese Nummer mit unerwartet knalligen Gitarren eröffnet, dann aber wieder in das bombastische Elektronik-Muster von 'Birth' zurück fällt, auch wenn die Gitarre stellenweise zum Einsatz kommt. Die Marschrichtung für "Love Lust Faith + Dreams" hat die Band nun endgültig festgelegt. Wenig Rock, dafür Bombast mit Streichern und Hörnern; Keyboard-Sounds, Chöre und eingängige Refrains.
Dem Trio gelingt es trotz Stilkorrektur, einige erstklassige Songs vorzulegen. Zum Beispiel die erste Single 'Up In The Air', die bei Konzerten sicherlich für viel Euphorie sorgen wird, dank des eingängigen Refrains und 'Oho-oho-oh-oh-oh'-Chören. Auch 'The Race' oder das etwas gefühlvollere 'City of Angels' können locker zu den besten Kompositionen der Bandhistorie zählen. Vergleicht man die zwölf neuen Songs der Jungs mit dem Debüt "30 Seconds To Mars", welches Leto noch im Alleingang schrieb und aufnahm, liegen Welten zwischen den beiden Outputs. Man gibt sich 2013 wesentlich eingängiger als noch 2001 und weiß, wie ein guter (Pop-)Song zu funktionieren hat. Kalkül möchte ich den Leto-Brüdern Jared und Shannon sowie dem Gitarristen Milicevic nicht vorwerfen, dafür hört man bei den Songs zu viel Herzblut heraus. Leto legt nämlich seine bisher beste Leistung hin, egal ob gesanglich oder als Komponist.
Leider fällt "Love Lust Faith + Dreams" in der zweiten Albumhälfte leicht ab. Andere Bands würden für solch Hooklines noch immer ihren Bassisten an den Teufel verkaufen, aber die zündenden Songs tummeln sich definitiv unter den ersten sechs Tracks. 'Do Or Die' aber ist eine schöne Up-Tempo-Nummer, 'Northern Lights' hingegen klingt mir persönlich doch etwas zu sehr nach den letzten beiden schwächeren LINKIN-PARK-Alben. Hier fehlt einfach das gewisse Etwas, eine packende Hookline oder ein Refrain, der sich sofort festsetzt wie bei 'City of Angels' oder 'Up In The Air'. Mein persönlicher Favorit ist zwar noch immer "This Is War", das neuste Album überzeugt mich dennoch von Anfang bis Ende (abgesehen von 'Northern Lights'). Auch wenn man selbst die letzten Verbindungen zur Rockmusik quasi gekappt hat, kann kein 30-SECONDS-TO-MARS-Fan diesen Ohrwürmern widerstehen. Ihren weltweiten Erfolg sollte das Trio eher noch weiter ausbauen können.

Burning Bridges - Pleasure To Burn (Re-Release)

Doug Aldrich ist den meisten sicherlich als Gitarrist der letzten beiden WHITESNAKE-Alben "Good To Be Bad", "Forevermore" sowie einigen Livealben der Band bekannt. Auch sein Mitwirken bei "Killing The Dragon" von Rock-Legende DIO wird dem ein oder anderen noch im Gedächtnis sein. Vorher war der Amerikaner aber alles andere als untätig, neben einigen eher unbekannteren Projekten formierte Aldrich Ende der 90er seine eigene Band BURNING RAIN. 2001 erschien das zweite BURNING-RAIN-Album "Pleasure To Burn". Aldrich überzeugt hier ähnlich wie beim selbstbetitelten Debüt durch sein Gitarrenspiel, welches das Fundament für den melodischen Hard Rock der Truppe bildet. Von kantigen Riffs wie im Opener 'Fireball' bis hin zu den melodischeren Klängen der Powerballade 'Cherie Don't Break My Heart' ist so ziemlich alles vertreten, was man von solch einem Sound erwartet. Beeinflusst von nicht ganz so schmalzigem Glam Metal und ganz besonders durch WHITESNAKE's "Slide It In" offenbart Aldrich zusammen mit Sänger Keith St. John und seinen beiden weiteren Mitstreitern ein mehr als gelungenes Werk, welches das 1999er "Burning Rain" locker toppt.
Alle Schwachpunkte des Vorgängers wurden ausgemerzt und die elf Songs wirken in sich wesentlich stimmiger. Wo zuvor die ein oder andere Idee nicht wirklich ins Gesamtbild passen wollte oder erst gar nicht zündete, erlebt der Fan hier ein wahres Feuerwerk. "Pleasure To Burn" hat keinen wirklichen Ausfall zu verbuchen und mit dem bereits erwähnten 'Cherie Don't Break My Heart' einen astreinen Hit an Bord. 'Shot Down' und 'Sex Machine' schallen ebenfalls in bester "Slide It In"-Manier aus den Boxen und machen deutlich, dass Aldrich der perfekte Gitarrist für David Coverdales aktuelle Bandbesetzung ist. 'Metal Superman' sollte nicht nur wegen seines amüsanten Titels erwähnt werden, sondern besonders für sein schnelles und knackiges Riffing in der Strophe. Schade, dass hier allerdings der ruhige Mittelteil vor dem Solo total abfällt und mit dem restlichen Track nicht mithalten kann.
Angereichert wird der just veröffentlichte Re-Release durch zwei Bonussongs. Zum einen wäre da die unveröffentlichte Demo von 'Live For That Rush', ein Song der es zu Recht nicht auf das Album geschafft hat, denn trotz netter Ware wird man dem restlichen Material nicht gerecht. Viel besser ist da die Akustikversion von 'Cherie Don't Break My Heart', die den Hit von einer anderen, emotionaleren Seite zeigt.
Wer die letzten beiden WHITESNAKE-Alben gut fand, einem aber insgesamt doch etwas zu kantig daher kommen, der wird seine Freude mit "Pleasure To Burn" haben. Der Bandsound ist stark an den aktuellen Brötchengeber von Aldrich angelehnt und rockt mehr als ordentlich. Schade, dass Aldrich den ein oder anderen Track nicht für Coverdale zurück gehalten hat, sie hätten auf "Good To Be Bad" oder "Forevermore" mit Sicherheit eine gute Figur gemacht.

Burning Rain - Epic Obsession

Zwölf Jahre ist das zweite und letzte Album von Doug Aldrich's BURNING RAIN bereits her. Nun hat der aktuelle WHITESNAKE-Gitarrist anscheinend trotz Touraktivitäten der weißen Schlange Zeit gefunden sich mit seinen alten Kameraden an ein neues Werk der Hard-Rock-Band zu setzen. Das dritte Werk "Epic Obsession" erscheint gleichzeitig mit den Re-Releases der ersten beiden Outputs. Freunde des melodischen Hard Rocks haben also viel zu hören diesen Sommer.
"Pleasure To Burn", das letzte Lebenszeichen von BURNING RAIN aus dem Jahre 2001 war eine sehr gute Scheibe. Man fand seinen Sound und lieferte im Vergleich zum selbstbetitelten Debüt eine mehr als solide Leistung ab, viel mehr noch geht "Epic Obsession" den damals eingeschlagenen Weg weiter, klingt aber etwas kantiger. Wo früher der Hard Rock melodischer klang, rocken heute härtere Riffs. Man höre nur das fetzige 'Till You Die', wo Aldrich sich ordentlich an der Gitarre austobt. Mit den Kompositionen für das aktuelle WHITESNAKE-Album "Forevermore" haben diese zwölf Songs nur bedingt was zu tun. Beim Brötchengeber scheint der blonde Gitarrist eher die melodischeren Kompositionen zu verwenden, die auf "Epic Obsession" nicht wirklich reingepasst hätten. Kein Blues und nur wenig 70er-Referenzen, dafür knallharter Rock machen das Gesamtbild des dritten BURNING-RAIN-Werks aus.
Man kann auf "Epic Obession" wirklich keinen Ausfall ausmachen. Ob man die beiden Bonustracks, ein Cover des LED-ZEPPELIN-Klassikers 'Kashmir' sowie eine Akustikversion von 'Heaven Gets Me By', gebraucht hätte, bleibt jedem selber überlassen. Die zwölf Nummern des eigentlichen Albums aber machen einen sehr guten Eindruck. Der härtere Sound steht der Band bestens zu Gesicht. Belege dafür sind klasse Nummern wie 'The Cure', 'Till I Die', 'Our Time Is Honna Come' oder 'When Can I Believe In Love'. Zwar kann man nur hoffen, dass Aldrich weiterhin bei WHITESNAKE bleibt, doch wäre auch ein neues Werk von BURNING RAIN nicht zu verachten.

The Wonder Years - The Greatest Generation

"Defend Pop Punk" sieht man auf vielen T-Shirts der Band MAN OVERBOARD prangern. Im Moment ist dieses Genre aktiver denn je und damit meine ich keine poppigen Bands wie ALL TIME LOW, FOREVER THE SICKEST KIDS oder PANIC! AT THE DISCO, sondern Gruppen, die sich an den 90ern orientieren und dem Genre wieder etwas mehr Pfiff verleihen. Egal ob MAN OVERBOARD, THE STORY SO FAR, FIREWORKS, HANDGUNS oder eben THE WONDER YEARS, Pop Punk kann wieder etwas härter klingen, verliert gleichzeitig den pubertären Humor von BLINK-182 und beschäftigt sich mit ernsteren Themen. Und THE WONDER YEARS zählt mit Sicherheit zu den besten Bands dieser nicht mehr ganz so neuen Bewegung.
"The Greatest Generation" ist der dritte und somit letzte Teil der Trilogie über das Erwachsen werden. "The Upsides" und das Durchbruchswerk "Suburbia, I've Given You All And Now I'm Nothing" handelten von allem was mit dem Erwachsen werden einher geht. Liebe, Herzschmerz, eine ungewisse Zukunft, Planlosigkeit, Angst und mitunter Depressionen wurden in den Lyrics verarbeitet. Dies ist auf "The Greatest Generation" ebenfalls der Fall, doch wirken die Texte von Sänger Dan Campbell dieses mal etwas positiver als gewohnt, haben aber nicht ihren (trockenen) Witz und Charme verloren.
Auch musikalisch hat sich nicht all zu viel verändert im Vergleich zum Vorgänger. Es sollte aber trotzdem niemand enttäuscht sein, denn THE WONDER YEARS perfektioniert seinen Sound und klangen nie besser als sie es 2013 tun. Der ruhige Start ins Album 'There There' mag den Fan noch etwas im Ungewissen lassen über das was folgen wird, der eigentliche Opener 'Passing Through A Screen Door' bietet dem Hörer dann aber genau das, was er auch hören will: Pop Punk mit Arschtritt sowie Ecken und Kanten. Das Sextett klingt genauso ehrlich wie immer, von wegen Sell-Out muss sich hier also wirklich niemand Gedanken machen. Im Gegenteil: THE WONDER YEARS lässt es immer wieder mal so sehr krachen wie selten zuvor, man höre nur 'The Bastards, The Vultures, The Wolves' oder 'An American Religion [FSF]'. Diese Songs sind perfektes Pit-Futter!
Mit 'The Devil In My Bloodstream' hat die Truppe ihre bisher beste (Power-)Ballade aufgenommen. Die ruhige Nummer mit dem tollen Refrain wird sicherlich für die ein oder andere Gänsehaut sorgen. Verglichen mit früheren balladesken Tönen habt THE WONDER YEARS in diesem Bereich einen Quantensprung hingelegt. Auch insgesamt zeigt man sich songtechnisch stärker denn eh und je: 'Passing Through A Screen Door', 'We Could Die Like This', 'Teenage Parents' oder das Miniepos 'I Just Want To Sell Out My Funeral' gehören locker zu den besten Nummern, die diese Band je aufgenommen hat.
Auch wenn ich das neue Album von MAN OVERBOARD noch nicht gehört habe, könnte es sich bei "The Greatest Generation" um das Pop-Punk-Album des Jahres handeln. Kein Fan sollte enttäuscht werden, dafür sollten viele Neue dazukommen. Für Genre-Liebhaber ist diese Platte absolute Pflichtlektüre.


Text © by Sebastian Berning