Music Reviews

Rezensionen

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Off With Their Heads - Home

Heavy Metal Reviews

"In Desolation", das letzte Werk der US-Punks OFF WITH THEIR HEADS, etablierte den Sound der Band und verschaffte ihnen ein größeres Publikum. Es hagelte haufenweise positive Reviews und die Shows der Truppe wurde stets größer. Nun meldet man sich mit dem schlicht betitelten "Home" zurück und muss versuchen den großen Erwartungen gerecht zu werden. Wer mit dieser Band noch nicht vertraut ist, der wird sicherlich die ersten Songs über seine Probleme mit der Stimme von Sänger Ryan Young haben. Diese schallt etwas gewöhnungsbedürftig aus den Boxen und erinnert immer wieder an eine raue Version von Chuck Ragan (HOT WATER MUSIC). Was anfangs vielleicht noch stört, wird später aber als ein Markenzeichen der Band wahrgenommen. Die zwölf Songs von "Home" leben nämlich sehr vom Gesang. Musikalisch passiert ehrlichgesagt nicht wirklich viel. Man zelebriert modernen US-Punk-Rock, der seine Wurzeln bei BAD RELIGION und Co hat, diese Einflüsse aber zeitgemäß verpackt. Da wird ab und an mal in Richtung Hardcore geschielt um die Musik stellenweise aggressiver zu gestallten. Großartige Riff-Wellen sollte der Hörer nicht erwarten, dafür ist die Musik am Ende doch etwas zu simpel. Der Opener 'Start Walking' ist ein gutes Beispiel dafür. In weniger als zwei Minuten schwingt die Truppe die Punk-Keule und macht dem Hörer klar, was ihn in der nächsten halbe Stunde erwartet. Punk Rock, Punk Rock und nochmals Punk Rock.
Hiermit wird man sicherlich keine BOLT-THROWER- oder DIO-Fans überzeugen können. Für ihren kleinen Punk-2.0-Kosmos aber sind OFF WITH THEIR HEADS eine der heißesten Bands der Stunde. Die Jungs wirken einfach ehrlich, besonders lyrisch, und so als ob sie mit vollem Herzen dabei sind, denn man interessiert sich nicht wirklich für Trends und Konventionen. Mit balladesken Tönen wie 'Don't Make Me Go' kann man den Hörer sogar wirklich überraschen, großer Herzschmerz hört sich zwar anders an, aber ein Highlight im Albumkontext ist diese Nummer aber auf jeden Fall. Wer wissen will wie Punk Rock 2013 zu klingen hat, der kommt an OFF WITH THEIR HEADS und ihrem neusten Werk "Home" nicht vorbei.


Skid Row - United World Rebellion - Chapter One

Absolut keine Frage: "Skid Row" und "Slave To The Grind" sind dermaßen gute Alben, dass man ihnen nur huldigen kann. Dem Debüt sollte jeder Glam- und Sleaze-Fan sogar einen eigenen Altar im Wandschrank bauen. Selbst "Subhuman Race" ist wesentlich besser und weniger Grunge-lastig als allgemein behauptet wird. Man sollte sich eher WARRANT's "Ultraphobic" anhören, das ist Grunge. SKID ROW haben also zwei Weltklassealben und eines, welches immer noch ziemlich gut ist, zu bieten. Dann verabschiedete sich Sänger Sebastian Bach leider, weil sich seine Band für zu groß hielt um den Supportact für KISS zu geben. Was folgte waren zwei ziemlich bescheidene und punkige Alben von SKID ROW mit Johnny Soligner am Mikro. Das Punk-Remake von 'I Remember You' ist zudem eine der größten Sünden der Musikgeschichte. Nachdem es auch in letzter Zeit immer wieder Gerüchte über eine mögliche Reunion gab, die von Sebastian Bach selber noch angeheizt wurden, weil er in Interview behauptete, dass vier von fünf Mitgliedern die Reunion wollen, inklusive ihm, gibt es nun eine neue EP. Eingesungen wurden die fünf Nummern aber nicht von Bach sondern von Solinger. "United World Rebellion - Chapter One" ist nur der erste Teil von mehreren EPs, die in den nächsten Monaten folgen sollen.
Was schon einmal positiv auffällt ist, dass SKID ROW wieder rockiger klingen. Stilistisch möchte man sich wohl an den ersten beiden Alben orientieren. Allerdings gibt man nicht so frech wie auf dem Debüt und nicht so heavy wie auf "Slave To The Grind". Dennoch klingen SKID ROW 2013 besser als in den letzten 10, 15 Jahren. Auch Sänger Solinger macht eine ganz gute Figur beim rockigen Opener 'Kings of Demolition' oder der Ballade 'This Is Killing Me', die vom Aufbau mit Sicherheit 'Wasted Time' ähneln soll, aber dem Vorbild nicht das Wasser reichen kann. Solch eine Gänsehautballade schreibt man nunmal nicht jeden Tag. Trotzdem ist der durchschnittliche Fan sicherlich froh, dass seine Helden wieder mehr nach den guten alten Tagen klingen.
"United World Rebellion - Chapter One" ist mehr als okay. Bei Weitem nicht so gut wie die SKID ROW-Alben mit Sebastian Bach, aber auch nicht so schlecht wie "Thickskin" und "Revolutions Per Minute". Ich empfehle jedem Fan der ersten Alben die neue EP der Sleaze-Band Probe zu hören, denn man orientiert sich am klassischen Sound, klingt nur erwachsener und nicht mehr so rotzig-frech wie früher. Ich persönlich ziehe da aber doch die beiden Solo-Alben von SEBASTIAN BACH vor.


Alkaline Trio - My Shame Is True

Nanu, sind ALKALINE TRIO unter die Biker gegangen? Das Cover mit der Bikerdame auf einem Motorrad lässt Ähnliches zumindest vermuten. Doch schon der pinke Schriftzug macht diesen Gedanken irgendwie schnell zu Nichte. "My Shame Is True" ist bereits das neunte Werk der Goth-Emo-Alternative-Rocker und hat mit Bier, Motorrädern, Leder und Rock'n'Roll wenig zu tun. Das Trio war stets gut um die langen Pausen zwischen AFI-Alben zu überbrücken. Stilistisch bewegte man sich stets in ähnlichen Gewässern, wenn man einmal vom sehr poppigen "Decemberunderground" von AFI absieht. Aber seit zwei, drei Alben sind ALKALINE TRIO mindestens auf Augenhöhe mit Davey Havok und seiner AFI-Bande. "Agony & Irony" (2007) verfeinerte den ALKALINE-TRIO-Stil dermaßen, dass die Konkurrenz ordentlich Angst bekommen konnte. Selten klang der Dreier dermaßen düster-elegant und doch düster-rockend. Auch das nachfolgende "This Addiction" konnte mit der Mischung aus Alternative Rock und Goth-Image überzeugen, bot allerdings nichts wirklich neues. "My Shame Is True" geht diesen Weg musikalisch konsequent weiter. Nummern wie der flotte Opener 'She Lied To The FBI', 'I Wanna Be A Warhol' oder 'Till Death Do Us Part' setzen sich sehr schnell in den Gehörgängen fest und werden dort erst einmal eine Zeit lang verweilen. Immer wieder gelingt es Matt Skiba und seinen beiden Mitstreitern zu überraschen. Seien es die Synthesizer in 'I Wanna Be A Warhol', das an die RAMONES erinnernde 'The Torture Doctor' oder wenn RISE-AGAINST-Sänger Tim McIlrath bei 'I, Pessimist' ins Mikro brüllt. Dennoch bleibt man sich und dem Stil der letzten Platten treu und verändert nichts grundlegend. Mit 'Only Love' und 'Young Lovers' werden im Albumverlauf auch mal etwas ruhigere Töne angeschlagen. 'Only Love' stellt sich sogar als ein Highlight von "My Shame Is True" heraus. Die nachdenklicheren Töne sorgen für die ein oder andere Gänsehaut. Insgesamt stehen dem Trio aber flottere Nummern besser zu Gesicht.
"My Shame Is True" ist zwar nicht ganz so klasse wie "Agony & Irony" oder "Crimson", für ein neuntes Album dennoch erstaunlich stark, andere Truppen haben schon nach nur drei oder vier Alben wesentlich Schwächeres abgeliefert.. Ausfälle gibt es eigentlich keine zu verbuchen und der ein oder andere Hit ('She Lied To The FBI' sei hier noch einmal erwähnt) tummelt sich auch zwischen den zwölf Nummern. Schämen muss sich das Trio beim besten Willen nicht für dieses Werk.


My Chemical Romance - Conventional Weapons

MY CHEMICAL ROMANCE sind nicht mehr. Die einstigen Helden der Emo-Szene haben sich vor kurzer Zeit aufgelöst. Mit ihrem letzten Album, dem 2010er "Danger Days" haben sie sich nicht nur Freunde gemacht. Düsteres Image, Theatralik und knackigen Emo/Alternative Rock wurden über Bord geschmissen. Stattdessen veröffentlichte man ein Album irgendwo zwischen Glam Rock, Pop, Alternative und Proto-Punk. Davor nahm man aber ein anderes Album als Nachfolger von "The Black Parade" auf. Dieses erblickte nun über fünf 7"-Singles verteilt das Licht der Welt.
'Boy Division', der Opener, erschien schon letztes Jahr auf der ersten Single und war direkt der Song des Jahres 2012 für mich. MY CHEMICAL ROMANCE klangen hier wieder ziemlich roh und wild. Man durfte schon an "Three Cheers For Sweet Revenge" denken. Aber dieses Energielevel hält die Band nicht über alle zehn Songs durch. 'Ambulance' und 'Gun.' tendierten da schon eher in eine glattere Richtung. Knackiger Alternative Rock mit der MY CHEMICAL ROMANCE-typischen Theatralik. 'The World Is Ugly' ist dann ein unwiederstehlicher Song der Marke 'I Don't Love You'.
Wirklich was motzen kann man nicht. "Conventional Weapons" ist ein guter Abschied, kommt aber insgesamt nicht an die regulären Alben heran. Einzelne Highlights zeichnen das Album aus. Allerdings sind 'Kiss The Ring' und 'Make Room!!!' nicht gerade Sternstunden von MY CHEMICAL ROMANCE. Da konnte jede der "The Black Parade"-B-Seiten wesentlich mehr ('Heaven Help Us' gehört sogar zum Besten was diese Band je aufgenommen hat). Wenigstens die letzten beiden Nummern 'Surrender The Night' und 'Burn Bright' geben einen schönen Abschluss der Karriere.
Sicherlich wird "Conventional Weapons" in noch weniger Sammlungen landen als "Danger Days", das könnte aber auch an der Veröffentlichungspolitik liegen. Entweder Download oder halt 7", als CD ist eine Veröffentlichung (bisher) nicht geplant. Immerhin sollte man Fans besänftigen denen "Danger Days" zu experimentell und poppig war. Hier kracht es wieder öfters und wie gesagt: 'Boy Division' ist ein höllisch guter Track.


De La Cruz - Street Level

Moderner Sleaze/Glam Metal muss nicht immer zwangsläufig aus Schweden kommen. Klar, CRASHDIET, HARDCORE SUPERSTAR oder VEINS OF JENNA gehören mit zum Besten, was die Szene zu bieten hat, doch auch Länder wie Deutschland oder England legen in der jüngsten Vergangenheit nach. DE LA CRUZ wollen ihr Heimatland Australien ebenfalls für die Haarspray-Weltkarte etablieren.
"Street Level" ist das Debütalbum der vier Kerle aus Down Under. Geboten wird im Großen und Ganzen genau das, was man erwartet. Weniger metallisch als HARDCORE SUPERSTAR, dafür schön rockig wie die schwedischen Kollegen der CRAZY LIXX. Die Einflüsse scheinen SKID ROW, DEF LEPPARD ("High 'n' Dry"-Phase) und MÖTLEY CRÜE zu sein, was man den zwölf Songs deutlich anhört. Entsprechend gibt es rockige Tracks mit eingängigen Refrains, die nie zu poppig sind und Riffs wie in 'Girls Go Wild', 'Turn It Up' oder 'S.E.X.', zu denen der ein oder andere Haarspray-Fetischist fröhlich mit dem Bein im Takt wippen wird. Damit geht DE LA CRUZ als gute Rock'n'Roll-Band durch.
Der Schwachpunkt von "Street Level" ist leider Sänger Roxxi Catalano. Ähnlich kratzig wie Stephen Pearcy oder Joe Elliot geht seine Stimme zwar in die richtige Richtung, doch merkt man dem Vokalisten schon an, wann er an seine Grenzen stößt. Gelegentlich klingt die Stimme zu dünn und zu gequält. Was ziemlich schade ist, da die musikalische Grundlage wirklich brauchbar ist. Nicht falsch verstehen, der Gesang ist keinesfalls unerträglich, man kann "Street Level" wirklich gut hören und wird Freude daran haben, nur ist der Gesang (hoffentlich) noch ausbaufähig.


Sharks - Selfhood

Wenn man so an die ersten zwei, drei SHARKS-EPs zurückdenkt, war die Band schon um einiges wilder als auf dem Debütalbum "No Gods". Wo der Albumtitel ein wildes Punk-Album vermuten ließ, gab es die SHARKS so glatt und zahm wie noch nie zuvor auf die Ohren. Gut, brutale Breakdowns, Hardcore-Attitüde oder einen GALLOWS-Klon stellte man noch nie da, aber mehr Biss hatten alte Perlen wie 'Trains', 'Capital Youth' oder 'Fallen On Deaf Ears' schon. Doch diesen Biss hat man auf "No Gods" schon etwas vermisst. Es war kein schlechtes Debütalbum, nur eben nicht so gut wie die ersten beiden EPs und 7"-Singles.
"Selfhood", das brandneue zweite Album der Briten, ist leider kein Aufbäumen. Viel eher geht man den auf dem Vorgänger eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Noch weniger Kanten, noch weniger Arschtritt, stellenweise sogar enttäuschend langweilig wie beim ruhigen Abschluss 'My Wild One'. Selten traf ein Songtitel weniger zu. Die Haie dümpeln hier knapp vier Minuten auf ausgelutschten Melodien im Midtempo herum.
Zum Glück ist der Rest von "Selfhood" besser. 'Pale', 'Gold' oder 'Portland' sind gute Songs. Wieder nicht so flott und mitreißend wie alte Glanztaten, doch entzücken einen die Nummern dennoch. Irgendwie gelingt dem Quartett den Hörer immer wieder genau in den Momenten für sich zu gewinnen, wo er schon kurz davor ist auszuschalten. Etwas woran auf der EP "Show Of Hand" noch gar nicht dran zu denken war, da gab es fünf knackige Songs, die einfach gehört werden wollten. Doch leider sind die Punk-Einflüsse der Anfangstage mittlerweile vollständig verflogen.
Und damit reizt mich "Selfhood" insgesamt etwas zu wenig. Irgendwie verhält es sich bei den SHARKS genauso wie bei ihren Vorbildern THE GASLIGHT ANTHEM: Der Fan bekommt ein nettes Album zu hören und mit Sicherheit kann man den ein oder anderen neuen Freund gewinnen, doch nicht alle alten Freunde werden der Band weiterhin die Stange halten. Sollte das nächste Werk diesen Trend weiterverfolgen, kann ich die SHARKS für mich wohl endgültig abschreiben. Leider.


Escape The Fate - Ungrateful

So langsam sollte jeder Fan darüber hinweg sein, dass Ronnie Radke nicht mehr bei ESCAPE THE FATE singt und die Band mit Craig Mabbitt einen neuen Sänger hat. Zumal Radke nur auf der ersten EP und dem Debüt "Dying Is Your Latest Fashion" vertreten war. Mabbitt hat zudem auf den beiden Alben "This War Is Ours" (2008) und "Escape The Fate" (2010) eine gute Figur gemacht.
Mit ihrem vierten Album "Ungrateful" schafft die Post-Hardcore-Institution nun den Spagat zwischen genau diesen beiden Werken. Die rockige Note von "This War Is Ours" wird mit der Düsternis und Härte des selbstbetitelten Albums gemischt. Der Opener 'Ungrateful' wird schon einige Fans aufhorchen lassen. So hart klang ESCAPE THE FATE noch nie. Die Doublebass kommt so gut wie nie zum stehen und ballert nahezu durch den gesamten Song. Auch das darauffolgende 'Until We Die' wirkt härter als man von der Band gewohnt ist. Doch überwiegt hier wieder die Melodie und der klare Gesang. Dennoch rockt man erstaunlich hart. Rockig ist es auch bei den beiden Schlussnummern 'One For The Money v2' und 'Fire It Up'. Das macht dann auch gegen Ende des 40 Minuten langen Werks noch einmal richtig Spaß. Mit 'Picture Perfect' liefert man aber den genauen Gegensatz zu den oft derberen Tracks. Die melodische Nummer wurde übrigens zusammen mit FALL OUT BOY-Sänger/Gitarristen/Songschreiber Patrick Stump geschrieben.
Selbst von Industrial-Sounds schreckt man nicht zurück. Dies deutete sich zwar schon auf dem letzten Album an, doch waren die Industrial-Einflüsse nie so deutlich wie in 'Chemical Love' und 'Desire'. Das Strophenriff von 'You're Insane' erinnert sehr an den SLIPKNOT-Hit 'Duality'. Man sieht also, dass die Einflüsse der Band sehr weit gestreut sind. Von Glam Metal/Sleaze über moderne Metalacts wie AVENGED SEVENFOLD und SLIPKNOT bis hin zu Alternative Rock und selbst Industrial.
Mit "Ungrateful" sollte ESCAPE THE FATE verschiedenste Lager ansprechen. Die üblich Verdächtigen Metalcore-/Post-Hardcore-Fans werden das Album schnell in ihr Herz schließen, aber auch das moderne Metal-Publikum sollte ein Ohr riskieren. Mit dem Emo der Anfangstage hat man sicherlich noch etwas zu tun, hat sich zur selben Zeit aber stets zu einer eigenständigen Band weiterentwickelt. Bester Beweis ist "Ungrateful", das vielleicht zweitbeste Werk nach dem Debüt von ESCAPE THE FATE.


Paramore - Paramore

Da ist es also endlich, das vierte Album von PARAMORE. Schlicht selbstbetitelt mit einem Foto der drei Musiker auf dem Cover. Nach all dem Pech mit dem Line-Up hat es die Band endlich geschafft einen Nachfolger für das 2009er "Brand New Eyes" zu veröffentlichen. Abgesehen von vier Songs 2011 gab es die letzten Jahre nicht viel zu hören von Hayley Williams und ihrer Band. "Paramore" ist sowie wie ein Neuanfang.
Schon die ersten Töne des Openers 'Fast In My Car' lassen es vermuten. Die nachdenklichere Grundstimmung von "Brand New Eyes" wird man auf dem vierten Album der Amerikaner nicht finden. Allerdings auch nicht den Pop Punk von "Riot!". PARAMORE gehen einen neuen Weg. Optimistischer als jemals zu vor. Aber auch experimenteller als man es von der Truppe gewohnt ist. Zeitweise erinnert mich "Paramore" an das letzte (eher bescheidene) Werk von JIMMY EAT WORLD. Nur, dass hier die meisten Songs wirklich gut sind. 'Fast In My Car' ist nett, die erste Single 'Now' hingegen eher nervig. Aber aber dem dritten Lied, 'Grow Up', kommt "Paramore" richtig in schwung. 'Daydreaming' übrzeugt mit New-Wave-Keyboards. 'Part II' scheint eine Fortsetzung von 'Decode' zu sein, zumindest lyrisch taucht das ein oder andere Zitat des "Twilight"-Songs auf. Man überrascht hier sogar mit einem Post-Rock-mäßigen Instrumentalpart am Ende. Der Gospelchor in 'Ain't It Fun' kommt mehr als unerwartet, wertet den ohnehin schon guten Song aber nochmals auf. Bei 'Still Into You' darf man sogar entfernt an die gute Zeit von "Riot!" denken. Auch die etwas flottere Ballade "Hate To See Your Heart Break" kann überzeugen. Bei weitem ist diese Nummer kein Rohrkrepierer wie die beiden "Brand New Eyes"-Balladen 'Only Exception' und 'Misguided Ghosts'.
Allerdings kann bei 17 Songs einfach nicht alles gut sein. Die mit Ukulele und 60er-Charme ausgestatteten Interludes hätten nicht unbedingt sein müssen. Auch '(One Of These) Crazy Girls' hätte man vielleicht eher als B-Seite für irgendeine Single verwenden können. Beim abschließenden Quasi-Instrumental 'Future' werden sich die Geister scheiden. Hier können sich die Musiker mal in den Vordergrund stellen. Sicherlich eine nette Sache, da sonst eigentlich alle Welt nur auf Sängerin Hayley Williams schaut. Aber ob der durchschnittliche PARAMORE-Fan sieben Minuten lang Post-Rock/Shoegaze braucht, ist fraglich.
Trotz dieser Kritikpunkte schafft es die Band so gerade noch die Acht-Punkte-Hürde zu nehmen. PARAMORE sind hier alles andere als auf Nummer sicher gegangen und haben sich neuerfunden, ohne eine komplett andere Band zu werden.


Fall Out Boy - Save Rock And Roll

Wie aus dem Nichts tauchten FALL OUT BOY wieder auf. 2009 entschied man sich für eine Pause. Jahrelang war es zwar irgendwie klar, dass die Pop Punker wieder Musik machen werden. In der letzten Zeit bestritt man aber jegliche Gerüchte über eine Reunion. Und dann auf einmal gibt es News zur Reunion und direkt einen neuen Song samt Musikvideo zu 'My Songs Know What You Did In The Dark (Light Em Up)'. Viele haben sicherlich eine Rückkehr zum Pop Punk von "From Under The Cork Tree" oder dem musikalisch reiferen "Infinity On High" erwartet. Dieses erste Lebenszeichen war nichts dergleichen. Nicht einmal mehr mit dem erwachsenen "Folie À Deux" hatte es was zu tun. FALL OUT BOYs Lebenszeichen war eine astreine R'n'B-Nummer, in der die Gitarren ganz weit in den Hintergrund rückten. 'The Phoenix', der Opener von "Save Rock And Roll", klingt auch eher nach R'n'B und Pop. Aber Sänger Patrick Stump hat selten so gut gesungen wie in diesem Song. Trotz des komplett neuen Sounds erkennt man FALL OUT BOY zu jeder Sekunde wieder. Diese Nummer kann man ohne schlechtes Gewissen zu den fünf besten Kompositionen der Truppe zählen. Das gesamte Album hat nichts mit Pop Punk zu tun, selbst Rock als Sammelbegriff trifft nicht wirklich zu. Musikalisch erinnert man eher an Mainstream-Rocker wie (neue) COLDPLAY oder ONE REPUBLIC. Nur mit dem Unterschied, dass man mit Patrick Stump einen erstklassigen Sänger an Bord hat. Gerade seine Stimme ist es, die jeden der elf Songs als FALL-OUT-BOY-Material auszeichnen. Hinzu kommen die genialen Lyrics von Bassist Pete Wentz. Genau solche Lyrics will der Fan hören. 'Where Did The Party Go' oder 'Alone Together' könnten auch in der Disco zwischen aktuellen Chartnummern laufen. 'Miss Missing You' genauso, nur sollte man diesen Song noch einmal als Highlight von "Save Rock And Roll" extra erwähnen. Wieder einmal gelingt es der Band ein tolles Lied zu schreiben. Gleiches gilt für das etwas zurückhaltendere 'Just One Yesterday' (zusammen mit der britischen Sängerin FOXES). Rapper Big Sean steuert dafür einen Beitrag zu 'The Mighty Fall' bei. Genau dieser Rap-Part ist leider auch der schwächste Moment des sechsten Werks (man sollte aufhören "Evening Out With Your Girlfriend" unter den Teppeich zu kehren) der Chicago-Jungs. Überraschender sind sicherlich die Gastauftritte von COURTNEY LOVE ('Rat A Rat') und Sir ELTON JOHN ('Save Rock And Roll'). Besonders der Titelsong ist eine Granate. Mit wildem Rock'n'Roll hat die Nummer nichts zu tun, aber alleine für das Sample des "Take This To Your Grave"-Songs 'Chicago Is So Two Years Ago' ist die Nummer erwähnenswert. Der ruhigste Beitrag des Albums überzeugt vom ersten Piano-Takt an. Mit der Textzeile "Oh no, we won't go/'Cause we don't know when to quit, no" gibt man den Kritikern noch einmal saures. Auch ELTON JOHNs Beitrag wertet das Lied auf. Ein klasse Abschluss für ein überraschendes, aber dennoch spitzenmäßiges Album. Retten FALL OUT BOY mit diesem Album denn wirklich den Rock'n'Roll? Für packende Gitarrenmusik steht "Save Rock And Roll" sicherlich nicht. Aber für das Rebellentum. Wo jeder eine Pop-Punk-Granate erwartet hat, erfindet sich die Band von grundauf neu und stößt sicherlich einiges vor den Kopf. Wer aber Musik gut findet und nicht nur Gitarrenriffs, der wird mit "Save Rock And Roll" seine Freude haben. Schon jetzt ist "Save Rock And Roll" und die dazugehörige Reunion von FALL OUT BOY eines der absoluten Highlights des Musikjahres 2013.


HIM - Tears On Tape

Man kann HIM endlich wieder mit Gothic Rock in Verbindung bringen. Nachdem das letzte Werk "Screamworks: Love In Theory And Practice" schon ziemlich glatt und poppig war, kehrt man wieder zu düsteren Sounds zurück. Doch das ist keine ganz große Überraschung. HIM-Alben waren schon immer im Wechsel härter und poppiger - einzige Ausnahme ist vielleicht das melancholische "Deep Shadows And Brilliant Highlights" nach dem rockigen "Razorblade Romance".
"Tears On Tape" kann man sehr gut als Mischung aus der Melancholie von "Deep Shadows And Brilliant Highlights" mit der Rock-Note von "Love Metal" beschreiben. Hier und da schwingt unterschwellig bei manchen Songs auch etwas vom Debüt "The Greatest Lovesongs Vol. 666" mit. Die Beschreibung liest sich sicherlich wie ein hervorragendes HIM-Album. Nach dem ersten Durchlauf bin ich allerdings etwas enttäuscht, da sich kein Song wirklich festsetzen will, geschweige denn als Highlight zu vermerken ist. Auch die erste Single, der Titelsong 'Tears On Tape', kann nicht mit anderen HIM-Singles mithalten. Man soll dem achten Studioalbum der Finnen aber Zeit geben, mit jedem weiteren Durchlauf wächst es. Einen ähnlich schleichenden Prozess hatte ich nur bei "Venus Doom". Aber auf einmal fallen einem Highlights wie 'Hearts At War', 'All Lips Go Blue', 'Love Without Tears' oder 'No Love' auf. Düster-romantisch rockt sich das Quintett durch diese Songs. Ville Valos Gesang zeichnet die Nummern natürlich aus. Ohne den charismatischen Sänger wäre die Band sicherlich nur halb so interessant. Auf "Tears On Tape" wird dies wieder einmal deutlich. Selbst eher unscheinbaren Tracks wie 'Into The Night' kann Valo noch etwas Positives herauskitzeln.
Nach dem großartigen "Screamworks: Love In Theory And Practice" hätte ich vielleicht etwas mehr von den Finnen erwartet, aber "Tears On Tape" ist dennoch ein gutes HIM-Album geworden. Sicherlich nicht ihr Bestes, aber man kann es ohne Zweifel auf eine Stufe mit dem 2007er "Venus Doom" stellen. In beiden Fällen gibt es mehr Licht als Schatten. Und selbst die Schatten sind nicht einmal so düster wie Ville Valo es gerne hätte.


Text © by Sebastian Berning