Music Reviews

Rezensionen

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4LYN – Quasar

Heavy Metal Reviews

Wer hat 2001 nicht 'Whooo' und 'Bahama Mama' vom selbstbetitelten Debütalbum der Hamburger 4LYN abgefeiert? (Ich! - PK) Was Nu Metal anging war die Band damals so ziemlich das Beste, was Deutschland zu bieten hatte. Mit "Neon" konnte man 2003 sogar noch einen drauflegen. Doch dann wurde Nu Metal unbeliebt und 4LYN genau wie die EMIL BULLS vom Musikfernsehen ignoriert. Dabei versuchten die Hamburger immer wieder sich neu zu erfinden. Man ließ das Gerappe weg, man wurde melodischer und mit dem letzten Werk "Hello" konnte man sich als lupenreine moderne Rockband präsentieren. "Quasar" geht diesen Weg weiter. Viele neuen Ideen hat das Quartett zu bieten. Seien es Cheerlederchöre, Keyboards oder New-Wave-artige Einflüsse. 4LYN wollen merklich weg von ihrem einstigen Nu-Metal-Image, welches sicherlich noch immer viele potenzielle Hörer abschreckt. Dabei herrscht bei der Truppe niemals musikalische Eintönigkeit wie zuletzt bei den Kollegen von den EMIL BULLS, die nun wirklich jedem Trend hinterher rennen, egal ob Nu Metal, moderner Rock, Metalcore oder Dance-Keyboards. Besonders 'Club Exploitation' sei hier positiv zu erwähnen, denn die Nummer erinnert stark an New Wave und daher auch an den LOSTPROPHETS-Hit 'Last Summer'. Einzig bei 'Frost' und 'Hollow Man' geht der Bande gegen Ende hin etwas die Puste aus und die Songs plätschern eher belanglos daher, ohne sich wirklich festbeißen zu können. Doch trotzdem überragen bei "Quasar" eher die positiven Momente. Insgesamt ist 4LYN mit "Quasar" ein ordentliches Album gelungen, welches so gar nichts mit den ersten beiden Alben zu tun hat. Eigentlich sollte es der Band gelingen sich viele neue Fans zu erspielen, die sich früher gesträubt haben sich mit 4LYN zu beschäftigen. Letztendlich ist "Quasar" ein modernes Rockwerk, nicht mehr und nicht weniger.

Motionless In White – Creatures (Deluxe Edition)

"Creatures" ist das 2010 erschienene Debütalbum der Metalcore-Band MOTIONLESS IN WHITE. Schon auf ihrem ersten Werk versuchte die Band, ihren eigenen Sound zu finden. Irgendwo zwischen Metalcore, Industrial, Gothic-Flair und 2006er AIDEN kann man MOTIONLESS IN WHITE sicherlich ohne große Gewissensbisse ansiedeln. Hinzu kommt noch eine optische Mischung aus Gothic, BLACK VEIL BRIDES und alten AIDEN hinzu. Um es schon einmal zu sagen: "Creatures" kam damals schon nicht an die erste EP "When Love Met Destruction" heran und auch diese zählte sicherlich nicht zum Besten was Metalcore zu bieten hat. Auch der Re-Release kann da nicht viel dran ändern. Die beiden Remixe sind sicherlich nett, aber nicht wirklich essenziell. Das Cover des ROB ZOMBIE-Songs 'Dragula' ist da schon wesentlich cooler. In seinen besten Momenten erinnert "Creatures" an "The Truth" von BLEEDING THROUGH. Goth-Atmosphäre trifft auf knallharten Metalcore. Man sollte auch dazu sagen, dass man bei MOTIONLESS IN WHITE sogar wirklich noch stellenweise auf Metal antreffen kann, was bei so vielen anderen Truppen zurzeit ja nicht wirklich der Fall ist. Dabei entstehen dann sogar ziemlich coole Songs wie 'Creatures' oder 'Abigail', das den besten Refrain der Platte besitzt. Was der Platte fehlt, ist aber ein roter Faden, manche Parts wirken zu gewollt und meist sind diese die Industrial/Electro-Parts, die gar nicht so auflockernd und frisch klingen wie MOTIONLESS IN WHITE vielleicht beim Songwriting gedacht haben. Das haben andere Bands schon besser gemacht. Dennoch ist "Creatures" ein nettes Album. Man kann es hören, ohne sich schlecht unterhalten zu fühlen, oder dass es einen übermäßig nervt - vorausgesetzt man steht auf diesen Sound. Das nächste Album, welches noch dieses Jahr erscheinen soll, könnte MOTIONLESS IN WHITE schon wesentlich besser zeigen. Potenzial genug haben sie dafür.


MxPx – „Plans Within Plans“

Ja, die 90er. Gegen Ende des Jahrzehnts waren nicht nur New Metal und Brit-Pop beliebt, sondern - besonders in den USA - auch Pop Punk. Bands wie BLINK-182, NEW FOUND GLORY, NO USE FOR A NAME oder NO FUN AT ALL, konnten weltweit kleinere bis größere Erfolge verbuchen. MXPX gehören ebenfalls dazu. Besonders deren 1998er Werk "Slowly Going The Way Of The Buffalo" brachte der Truppe viel Aufmerksamkeit ein, auch wenn es BLINK-182 waren, die einige Monate später ganz groß abräumen durften. Mit "Plans Within Plans" veröffentlichen MXPX ihr bereits neuntes Album (übrigens immer noch in Originalbesetzung). Was kann man von einer Band, die acht Alben veröffentlicht hat, erwarten? Wird man sich dem Pop Punk abwenden und lieber Polit-Punk oder doch lieber 70er Prog Rock-Größen wie RUSH und ELP nacheifern? Nein, MXPX eifern zwar der Vergangenheit nach, aber ihrer eigenen. "Plans Within Plans" orentiert sich an den Frühwerken der eigenen Diskographie. Dies hört man unter anderem besonders bei 'Best Of Me', welches zwar fetzig ist, aber immer noch ziemlich eingängig und poppig. Doch wer würde schon etwas anderes bei MXPX erwarten? Vielleicht ist aber auch gerade das der Grund, warum eher BLINK-182 und NEW FOUND GLORY abräumen konnten und nicht MXPX. Diese beiden Truppen haben ihren Sound nicht nur verfeinert, sondern von Zeit zu Zeit auch verändert. "Plans Within Plans" ist eine nette Pop Punk-Platte geworden. Sicherlich wird das nicht die ALL TIME LOW- und MAYDAY PARADE-Fangirls im ganz großen Stil überzeugen können, doch etwas ältere Fans sollten definitiv ein Ohr riskieren.

Text © by Sebastian Berning