Music Reviews

Rezensionen

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The Story So Far - What You Don‘t See

Heavy Metal Reviews

Auch wenn es sich hier um eine Pop-Punk-Platte handelt, sollte niemand davon ausgehen, dass man es bei THE STORY SO FAR mit einem neuen Klon von ALL TIME LOW oder FALL OUT BOY zu tun hat. Viel eher wird hier den alten Favoriten gehuldigt: Alten BLINK-182, NEW FOUND GLORY, oder auch BAD RELIGION und 90er Jahre Emo. Da stehen THE STORY SO FAR allerdings nicht alleine da. Bands wie MAN OVERBOARD, THE WONDER YEARS oder TRANSIT fahren einen ähnlichen Sound.
Mit ihrem zweiten Album "What You Don't See" zeigen sich THE STORY SO FAR allerdings ziemlich erwachsen. Die Mitt-Zwanziger klingen wesentlich reifer, als zuvor. Trotz der kurzen und knackigen Spielzeit von 29 Minuten lässt es das Quintett irgendwie ruhiger angehen. Natürlich gibt es hier immer noch genug Nummern mit ordentlich Pfeffer im Hintern, doch schwingt ein nachdenklicher Unterton bei jeder Note mit. Zwar sind auch andere Truppen der Szene bodenständiger und singen nicht nur über Herzschmerz, doch "What You Don't See" könnte vielleicht das ernsthafte Album der neuesten Pop-Punk-Generation sein.
Musikalisch hat man sich allerdings nicht allzu weit vom Debüt entfernt. Kein Fan sollte enttäuscht sein. Nummern wie 'Things I Can't Change', 'Small Talk', oder 'Bad Luck' machen Spaß und bleiben recht schnell in den Gehörgängen sitzen. Was ich allerdings ein bisschen vermisse, ist die Leichtigkeit und der Tiefgang, wie ihn MAN OVERBOARD oder THE WONDER YEARS haben.
Dafür ist "What You Don't See" am Ende vielleicht einen Ticken zu ernst ausgefallen. Live sollte man mit den elf neuen Songs dennoch jeden Pit und Sing-along vor der Bühne mächtig anfachen können. Fans dieses neueren, ehrlicheren Pop Punks sollten sich das neue Werk von THE STORY SO FAR jedenfalls nicht entgehen lassen.

Terror - Live By The Code

Sicherlich freut es nicht mehr jeden kaufwütigen Freund des Mailorders, aber TERROR können mehr als stumpfen Hardcore. Diese Entwicklung deutete sich schon auf "Always The Hard Way" an, ist aber spätestens seit dem letzten Album "Keepers Of The Faith" Realität. Die Jungs um Scott Vogel nähern sich immer weiter dem (Thrash) Metal an. Und dies steht keiner Band so gut wie ihnen, egal ob die gnadenlos unterbewerteten THIS IS HELL oder die gnadenlos überbewerteten HATEBREED.
"Live By The Code" ist schon jetzt eines der Hardcore-Alben des Jahres. In sportlichen 26 Minuten hetzt das Quintett aus Los Angeles ins Ziel. Dabei lassen sie die Konkurrenz ziemlich kalt aussehen. Auch wenn ich meinen Hardcore persönlich lieber etwas düsterer habe, TERROR machen einfach Spaß. Alleine 'Hard Lessions' ist der beste Mix aus Hardcore und SLAYER seit SLAYER in den Mittneunzigern selber. Mit Tough-Guy-Kram wie MADBALL, ON BROKEN WINGS oder FIRST BLOOD hat "Live By The Code" glücklicherweise wenig zu tun.
Die goldene Regel im Hardcore ist eigentlich, dass die Bands nach der ersten Demo rapide schlechter und langweiliger werden. Bei TERROR ist dies genau umgekehrt, von Release zu Release kann sich die Band steigern. Vergleicht man "Lowest Of The Low" mal mit "Live By The Code" wird jeder mit Leichtigkeit feststellen, dass hier Welten zwischen liegen. Diese 26 minütige Abrissbirne wird die Band nur schwer übertreffen können. Konstante in der Diskographie TERRORs aber sind die recht plakativen Texte von wegen Unity und niemals unterkriegen lassen. Nimmt man mit, muss man sich aber nicht direkt auf den Körper tättowieren.
Ich wüsste kein Album unter dem großen Banner "Hardcore", welches 2013 noch besser sein sollte. Maximal MORE THAN LIFE, was musikalisch aber auf der anderen Seite des Spektrums verankert ist. "Live By The Code" knallt mit solchem Spielspaß durch die Boxen, dass man es kaum fassen kann. Hier sollten auch viele Metalheads mal ein Ohr riskieren, falsch machen kann man einfach nichts.

Your Demise - Cold Chillin'

Vielen war das letztjährige YOUR-DEMISE-Album "The Golden Age" sicherlich nicht mehr hart genug. Vom brutalen Proll-Sound der ersten Releases entfernte man sich samt neuen Sänger schon auf "The Kids We Used To Be...". Das letzte Werk der UK-Band zeigte dann aber Pop-Punk-Refrains und ein vielseitiges Bild. Die neue EP "Cold Chillin'" sollte viele Fans beruhigen, die den gute-Laune-Nummern von "The Golden Age" nicht hart genug waren.
Vier Songs in nicht einmal zwölf Minuten ballern hier durch die Boxen. Der Opener 'Karma' hätte sicherlich auch auf "Ignorance Never Dies" gepasst. Irgendwie erinnert mich der Track an einen Versuch ein neues 'Burnt Tongues' zu schreiben, damit man bloß nichts mehr von den Releases ohne Ed McRae am Mikrofon spielen muss. Etwas flotter geht es da beim nachfolgenden Lied weiter. 'A Song To No-One' beginnt so, als ob gleich wieder ein ordentlicher Knaller an Pop Punk kommen wird, doch klaren Gesang wird man hier ebenso wenig finden wie bei 'Karma' oder den beiden nächsten Songs. Irgendwie wollen die vier Songs nicht wirklich überzeugen. Schlecht sind sie nicht wirklich, aber die prägnanten Parts die "The Kids We Used To Be..." und "The Golden Age" so auszeichneten. Dass dafür keine poppigen Refrains brauchen haben sie oft genug bewiesen. "Cold Chillin'" wirkt leider unnötig auf hart getrimmt. Zündende Ideen fehlen. Sicherlich ist 'Karma' ein ordentlicher Kracher, nur habe ich wesentlich mehr erwartet.
Es braucht mehrere Durchgänge, bis die Songs entfalten und hängen bleiben. Der Ohrwurmfaktor ist leider genauso hoch wie beim eher sperrigen "Ignorance Never Dies". Die vier Kompositionen wirken nicht wirklich frisch, sondern eher erzwungen um ja keine Fans zu vergraulen. Man kann nur hoffen, dass es mit den Briten nicht bergab geht. Wer YOUR DEMISE in letzter Zeit mal live erlebt hat, der wird sicher gemerkt haben, dass die Shows bei Weitem nicht mehr so knackig rüberkommen wie vor zwei, drei Jahren. Ganz, ganz knappe sieben Punkte gibt es trotzdem noch.


Bring Me The Horizon - Sempiternal

Zweieinhalb Jahre haben sich die Briten von BRING ME THE HORIZON für den "There Is A Hell, Believe Me I've Seen It. There Is A Heaven, Let's Keep It A Secret."-Nachfolger gelassen. Man warf vorher mit Begriffen wie Post Rock, MOGWAI, THRICE und dergleichen rum. Für viele der jungen Fans der Metalcore-Truppe sollte dies eher ein Schock sein. Könnte es nun keine Breakdowns mehr geben? Dann verlässt Gitarrist Jona Weinhofen noch die Band vor den Aufnahmen und wird ersetzt von einem Keyboarder: WORSHIP-Mastermind Jordan Fish. Schon der Opener 'Can You Feel My Heart' zeigt von einer ganz neuen Seite. Die Keyboards sind ziemlich dominant und die Gitarren spielen eher eine untergewordnete und atmosphärische Rolle. Da hatten die bisherigen Opener von Oliver Sykes und Co mit Sicherheit mehr Pfeffer im Arsch. Dieser Eindruck bleibt auch bestehen. 'Empire (Let Em Sing)', 'Shadow Moses', 'Crooked Young' und 'Antivist' haben zwar ordentlich Pfiff und gehören zu den schnelleren und härteren Songs von "Sempiternal", die restlichen Nummern aber bewegen sich im Midtempo.
Dafür entdeckt man ganz neue Seiten an der Band. 'Sleepwalking' ist eine der besten Kompositionen der Band aus Sheffield. Hier perfektioniert das Quintett ihr neues Konzept. Keyboards und Atmosphäre, ein super Refrain und doch der ein oder andere härtere Moment. Auch in Songs wie 'And The Snakes Start To Sing' oder 'Seen It All Before' nehmen BRING ME THE HORIZON die Härte fast komplett heraus und konzentrieren sich nur noch darauf gute Songs zu schreiben. Dies gelingt ihnen erstaunlicherweise, nur braucht man einfach mehr Zeit mit dem neuen Sound warm zu werden. Passend zu diesem neuen Sound hat besonders Sänger Oliver Sykes an sich gearbeitet. Schon auf den beiden letzten Alben konnte seine Vokalarbeit überzeugen. Aber so abwechslungsreich wie auf "Sempiternal" klang der Mittzwanziger noch nie. Selbst vor klarem Gesang scheut er nicht zurück. Hier sollte niemand große Arien erwarten, da Sykes dies meist nur in den ruhigen Passagen macht. Allerdings ist seine Stimme auch während er brüllt irgendwie etwas klarer und melodischer. Wirklich oft kreischt und growlt er leider nicht mehr.
"Sempiternal" ist mit Abstand eines der mutigsten Alben der Szene. Ich kann mich nicht erinnern, dass andere Metalcore-Flagschiffe wie KILLSWITCH ENGAGE, PARKWAY DRIVE, AS I LAY DYING, UNEARTH oder dergleichen solch gewagte Experimente getätigt hätten. Alleine dafür verdienen BRING ME THE HORIZON extrem viel Respekt. Sicherlich wird das nicht mehr jeden Fan gefallen. Bei den Jüngern bleibt es offen, ob sie die Band wegen dem süßen Oli am Mikro weiter hören oder der neue Stil zu musikalisch ist. Insgesamt ist "Sempiternal" aber eine klasse Platte.


Text © by Sebastian Berning