Music Reviews

Rezensionen

e-Trado GmbH

Hurts - Exile

Heavy Metal Reviews

"Happiness", das 2010er Debüt des Briten-Duos HURTS, ist für mich eines der besten Pop-Alben überhaupt. Düster-Elektronisch gepaart mit Musik für die Massen wie DEPECHE MODE zu "Songs For The Masses" oder "Violator", nur eleganter. HURTS waren der perfekte Soundtrack für jede schwarz-weiße Parfüm-Reklame im TV. Elegant, stilsicher, traurig und doch nie depressiv. "Happiness" kann man auch noch zweieinhalb Jahre später super hören. "Exile", das zweite Werk, hat also große Fußstapfen zu füllen. Was einem direkt auffällt ist, dass HURTS in den 50 Minuten Spielzeit etwas abwechslungsreicher klingen und sogar hier und da etwas das Tempo anziehen. Wo "Happiness" konsequent im Mid-Tempo verwurzelt war, brechen die Briten heuer leicht nach oben aus wie bei der poppigen ersten Single 'Miracle'. Auffällig ist ebenso, dass nicht mehr jeder Song im tristen Grau gehalten ist. Keiner der zwölf Songs ist eine gute-Laune-Nummer, dennoch ist nicht mehr jeder Song eine todtraurige Trennungshymne. Das heißt zwar, dass es kein zweites 'Blood, Tears And Gold' oder 'Stay' gibt, dafür viele andere tolle Tracks. HURTS schreiben erneut große Hymnen, die keinen Fan enttäuschen sollten. Egal ob der elegante Opener 'Exile', 'Somebody To Die For' oder das unter die Hautgehende 'Only You', hier scheint es keine Ausfälle zu geben. Viele Acts schieben oft lauwarme zweite Alben nach einem erfolgreichen Debüt nach, HURTS gehören aber auf keinen Fall dazu. Die Jungs haben sich leicht weiter entwickelt und verpacken traurige Lieder so schön wie kaum eine zweite Bands zur Zeit. Da könnten sich selbst Großmeister wie DEPECHE MODE oder NEW ORDER einiges abgucken und sich an ihre alten Klassikeralben zurück erinnern. An "Happiness" kommt "Exile" vielleicht nicht ganz ran. Das kann aber auch daran liegen, dass das HURTS-Debüt eine Überraschung des Jahres 2010 war. Wem DEPECHE MODE zu langweilig geworden ist ('Heaven' ist nun wirklich nicht die stärkste Single von Dave Gahan und Co), der wird mit HURTS neue Lieblinge finden, was Synthie Pop angeht.

Bon Jovi - What About Now

'Because We Can' ist die wohl mit Abstand langweiligste BON JOVI-Single überhaupt. Die Band um Jersey Jon hat selten eine solch belanglose Nummer veröffentlicht. Die Erwartungen an das neue Album "What About Now" waren deswegen meinerseits schon etwas gedrückter. Schade eigentlich, da "The Circle" eine echt ordentliche Platte war. Vielleicht kann der Rest des Albums ja mehr überzeugen. Und direkt wird man wieder mit dem lahmarschigen 'Because We Can' beschallt. Auch ohne dieses total doofe Video kann die Nummer einfach nicht überzeugen. Auch 'I'm With You' plätschert so dahin. Der darauf folgende Titeltrack ist der erste Lichtblick. Auch die restlichen Songs bleiben irgendwie nicht richtig hängen. 'What The Water Made Me' ist vielleicht das Highlight, doch lässt sich das bei solch nichtssagenden Nummern nur schwer feststellen. Eigentlich habe ich nicht mal viel erwartet. Keinen Klassiker wie "Slipperey When Wet" oder "Keep The Faith". Nicht mal ein musikalisch anspruchsvolles Album wie das traurige "These Days". Hauptsache das neueste BON-JOVI-Album ist besser als der Totalausfall "Crush", wo nur 'It's My Life' und das total unterbewertete 'One Wild Night' was reißen können. Nun, nachdem ich "What About Now" gehört habe, hat "Crush" anscheinend Gesellschaft bekommen. Selten waren BON JOVI-Nummern so dahinplätschernd und nichts sagend. Nach dem guten "The Circle" und den vier neuen Kompositionen von "Greatest Hits" ist "What About Now" einfach ein Rohrkrepierer. Insgesamt klingen die zwölf Nummern schon sehr nach "Lost Highway". Wieder weniger rockig, dafür mehr Country. Nur ist "Lost Highway" absolut keine schlechte Platte und hat definitiv seine Highlights, trotz fehlender Ecken und Kanten. Selten war etwas wo BON JOVI draufstand, dermaßen langweilig. Es schien beinahe unmöglich, dass ein Album der ehemaligen Hair-Band keine Ohrwürmer enthält. "What About Now" ist allerdings der Gegenbeweis. Langweilig, keine Ohrwürmer und auch sonst eine Enttäuschung.

Tegan And Sara - Heartthrob

Die letzten Jahre waren die kanadischen Zwillingsschwestern TEGAN AND SARA immer ein ernst zu nehmender Act, doch gelang ihnen nie der große Durchbruch. Fans konnte man um sich scharen, die großen Massen blieben aus - bisher. Mit "Heartthrob" wollen es die beiden Schwestern wissen. Sieben Alben hat das Indie-Pop-Duo gebraucht, bevor sie im Pop angekommen ist. "Heartthrob" zeigt die beiden von ihrer bisher poppigsten Seite. Schon der Opener 'Closer' ist eine absolute Up-Tempo-Pop-Granate. Der Refrain brennt sich einem sofort ins Gehirn ein und verlässt dieses erst einmal nicht. 'Goodbye, Goodbye' ist sogar noch stärker durch seine bittersüße Melodie. Mit der extrem poppigen Ausrichtung wird sicherlich nicht jeder Fan klarkommen. Zwar merkt man zu jeder Sekunde, dass man es immer noch mit TEGAN & SARA zu tun hat, doch kann man "Heartthrob" kaum mit "The Con" oder noch früheren Alben vergleichen. Wo früher leicht abgedrehte Ideen waren, stehen nun aalglatte Songs mit ordentlichem Dance-Sound. Und ganz ehrlich: Die Schwestern haben selten besser geklungen. So ziemlich jeder der zehn Tracks geht gut ins Ohr und lässt das Bein mitwippen. Dass das Duo auf ihrem siebten Album mal etwas Neues probieren wollte, kann man ihnen nicht verübeln. TEGAN AND SARA sind ein Risiko eingegangen mit ihrem neuen Sound, doch kann man trotz allem Popappeal "Heartthrob" nicht widerstehen. Zehn klasse Songs tummeln sich auf dem Silberling, die den einen oder anderen Fan verschrecken werden. Anderen Fans wird der Soundwandel sicherlich gut gefallen, wieder andere werden die Band jetzt erst für sich entdecken.

Foals - Holy Fire

zweiten Alben "Total Life Forever", welches zwischenzeitlich ruhiger und insgesamt erwachsener klang, war schon recht gewaltig. Mit "Holy Fire", dem dritten Werk der Briten, scheint man aber nun seinen Sound gefunden zu haben. "Total Life Forever" habe ich ziemlich oft gehört. FOALS nahmen ihren etwas anspruchsvolleren, aber stets tanzbaren Indie-Sound und hievten ihn auf ein neues Level. Mal flotter, mal langsamer, dafür stets erwachsener und mutiger. Indie-Hymnen wie 'Cassius' oder 'Baloons' fand man nicht mehr so wirklich. Viel eher konnte man sich mit schönen Soundlandschaften und tollen Nummern auseinandersetzen, die auch nach dem 30. Hördurchgang nicht langweilig wurden und immer noch neue Details offenbarten. "Holy Fire" steht "Total Life Forever" in nichts nach. Stilistisch bewegen sich die beiden Werke auf ähnlichem Terrain. Trotzdem schaffen die FOALS es den Hörer zu überraschen. Allein das vier Minuten lange instrumentale Intro 'Prelude' hätten sich nur wenige Bands getraut. Über vier Minuten wird der Hörer durch den steigenden Aufbau immer weiter in das Album eingeführt. 'Inhaler', der eigentliche Opener, ist dann eine recht flotte Nummer, die keinen Fan der Engländer enttäuschen sollte. Insgesamt ist die erste Hälfte von "Holy Fire" etwas tanzbarer als die Zweite. Auch die erste Single 'My Number' oder 'Bad Habit' sind allesamt sehr gute Songs. Albumhälfte Nummer zwei hingegen setzt etwas mehr auf Atmosphäre, was schließlich im grandiosen Abschluss 'Moon' gipfelt. Die Abschlusstracks der ersten beiden Alben waren stets ein Highlight, aber mit 'Moon' treiben FOALS es auf die Spitze. So traurig/emotional klang die Band selten. Diese Nummer kann man ohne schlechtes Gewissen, als eine der besten FOALS-Kompositionen bezeichnen. "Holy Fire" ist vielleicht keine so große stilistische Veränderung wie "Total Life Forever" damals, doch hat man es mit einem starken Album zu tun. Kein Fan sollte enttäuscht sein.


Text © by Sebastian Berning