Music Reviews

Rezensionen

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The Joy Formidable – Wolf’s Law

Heavy Metal Reviews

2013 könnte ein super Jahr werden was alternative Rockmusik angeht. Das neue Album von BIFFY CLYRO ist ein großer Erfolg geworden, NEW ORDER haben neue Songs veröffentlicht, FOALS, TEGAN & SARA, THE KOOKS, MY BLOODY VALENTINE, TAKING BACK SUNDAY, PARAMORE und vielleicht auch Großtmeister MORRISSEY werden mit neuen Alben folgen. Das Britische Trio THE JOY FORMIDABLE will sich in diese Reihe einordnen mit ihrem zweiten Album "Wolf's Law".
"Wolf's Law" ist mit Sicherheit eines dieser Alben über das man irgendwo stolpert und reinhört, weil das Cover so schön ist. Selten findet man dadurch wirklich positive Überraschungen in die man sich Hals über Kopf verliebt. Und so ist es auch bei THE JOY FORMIDABLE. Lärmender Gitarren-Pop, so könnte man die Band am besten umschreiben. Leider fehlt dabei die Eingängigkeit oder die packende Hookline. In diesen Punkten konnte das Debüt, "The Big Roar" von 2011, eher überzeugen. Die zehn neuen Kompositionen wirken sperriger und kopflastiger. Man sollte nun keine Prog Rock-Granaten erwarten. Was den Songs fehlt sind einfach das gewisse Feeling und die bereits erwähnte Eingängigkeit.
Es braucht mehrere Durchläufe bis "Wolf's Law" sich langsam steigern kann. Dann erkennt man auch, dass THE JOY FORMIDABLE oft gute Ansätze hatten beim Songwriting, leider werden diese nicht konsequent genug umgesetzt. Auf der anderen Seite erkennt man allerdings den doch recht poppigen Charme von 'Bats' und des Openers 'This Ladder Is Ours'.
Insgesamt bietet man auf "Wolf's Law" zu wenig um dieses Jahr wirklich mithalten zu können mit den noch kommenden Releases aus dem Sekter Indie und Alternative. Fans des ersten Albums sollten auf jeden Fall reinhören, die Frage ist nur ob es einem genauso gut oder besser gefällt als das Debüt.

Fleetwood Mac – Rumours (35th Anniversary Edition)


Vor etwas mehr als 35 Jahren erschien "Rumours", der Megaseller von FLEETWOOD MAC. Feinster Rock/Pop der späten 70er Jahre findet man beim Hören dieser elf zeitlosen Klassiker. Angereichert wird der Klassiker im Jahr 2013 mit einer Live-CD der 1977er Tour sowie einer dritten CD mit Raritäten wie Demos, Outtakes und alternativen Versionen.
Die erste der drei CDs ist der Meilenstein von FLEETWOOD MAC, "Rumours". Die meisten der elf Nummern wird man sicherlich eh kennen. Sei es 'Songbird', 'Dreams', 'Don't Stop' oder mein persönlicher Liebling 'Go Your Own Way'. Knackigen 70er Rock wie AEROSMITH, DEEP PURPLE, BLACK SABBATH oder LED ZEPPELIN darf man hier natürlich nicht erwarten. Dafür war das englisch-amerikanische Gespann viel zu poppig und hatte zu viele Folk-Anleihen in ihrem Sound. Man nehme nur den Opener 'Second Hand News' der eher an BOB DYLAN erinnert als "Toys In The Attic" oder "Machine Head". "Rumours" wurde für seinen Geburtstag nicht nur soundtechnisch auf Vordermann gebracht, sondern enthält auch die B-Seite 'Silver Springs', die alles andere als das doofe "B-Seite"-Prädikat verdient hat.
Auf dem nächsten Silberling geht es weiter mit einem Konzertmitschnitt der 1977er "Rumours"-Tour. Aufgenommen wurden die Songs in Oklahoma, Tulsa, Nashville und Columbia. Soundtechnisch wurden die Lieder ebenfalls restauriert. Songtechnisch hingegen ist nur wenig anders im Vergleich zu den Studioversionen. Trotzdem ist die Liveversion von 'Go Your Own Way' ein Hinhören wert, was sich auch auf die restlichen Stücke übertragen lässt.
Der dritte Datenträger ist dann eher etwas für richtige Fans. Studioouttakes, Demos und vieles mehr tummelt sich unter den 16 Tracks. Ob man davon wirklich alles gehört haben muss, sollte jeder für sich alleine entscheiden. Interessant sind allerdings die beiden Version von 'Keep Me There', einmal als Instrumental und dann noch mit Gesang. Natürlich kann die Vocal-Version mehr überzeugen. Als weiteres Schätzchen findet man ein Demo von 'Planets of the Universe', welches es Jahre später auf ein Soloalbum von STEVIE NICKS schaffen wird.
Wer ganz tief in die Tasche greifen will kann sich die riesige Deluxe Variante von "Rumours" zulegen. Dort findet man eine weitere CD mit Outtakes, die allerdings schon im Zuge des 2004er Re-Releases als Bonus-CD veröffentlicht wurde und eine DVD mit Aufnahmen aus der Zeit. Diese Version liegt mir allerdings nicht vor.
Die hier besprochene "Expanded Version" des FLEETWOOD MAC-Klassikers ist aber definitiv einen Kauf wert. Egal ob man das mehr als 40 Millionen mal verkaufte Album schon besitzt oder erst mit dem Gedanken spielt es sich anzuschaffen. Auf drei vollgepackten Silberlingen findet man das volle Rundumpacket von Stevie Nicks und Co aus der "Rumours"-Ära.

New Order – Lost Sirens

Trotz der Reunion-Tour letzten Sommer handelt es sich bei "Lost Sirens" keinesfalls um ein neues Werk der New Wave-Legende und JOY DIVISION-Nachfolgeband NEW ORDER. Wie der Titel schon vermuten lässt, haben die neuen Songs irgendwas mit dem letzten Album "Waiting For The Sirens' Call" zu tun, das 2005 erschien. Es handelt sich um sechs unveröffentlichte Songs, die ungekürzte Version von 'Hellbent' sowie einen neuen Mix von 'I Told You So'.
"Waiting For The Sirens' Call' ist von so gut wie keinem NEW ORDER-Fan das Lieblingsalbum. In der Diskographie nimmt es also einen ähnlichen Platz ein wie "Virtual XI" von IRON MAIDEN oder "St. Anger" von METALLICA. Umso erstaunlicher ist, dass der Opener 'I'll Stay With You' ein sehr starker Track ist, der das gesamte letzte Werk in den Schatten stellt. NEW ORDER erinnern an die Gitarren-lastige A-Seite von ihrem dritten Output "Brotherhood". Zwar sind die folgenden Nummern nicht ganz so überzeugend, halten sich im Großen und Ganzen aber leicht über dem Durchschnitt des bereits veröffentlichten Materials aus diesen Sessions. 'Californian Grass' sei hier ebenso als astreine NEW ORDER-Nummer hervorgehoben, die einigen Fans ein Lächeln auf die Lippen zaubern wird.
Ob die ungekürzte Version von 'Hellbent' nun wirklich sein musste bleibt jedem selber überlassen. Die Dramatik des Songs ändert sich kaum. Ähnlich wie beim 'Crazy World Mix' von 'I Told You So'. Genauso gut hätte man die beiden Lieder weg lassen könenn und "Lost Sirens" zum Preis einer EP anbieten können anstatt den vollen Albumpreis zu berechnen. Dies ist nämlich der größte Kritikpunkt. 16, 17 Euro für sechs Songs zu verlangen, die früher ausrangiert wurden und zwei eher belanglose alternative Versionen auf CD zu pressen und es als Album zu verkaufen ist nicht wirklich fanfreundlich. Die-Hards werden mit Sicherheit zu schlagen, der durchschnittliche Fan sollte vielleicht lieber warten bis "Lost Sirens" im Angebot erhältlich ist. Nicht falsch verstehen: Die sechs unveröffentlichten Tracks sind gut und es befinden sich sogar Highlight unter ihnen, nur der Preis ist nicht ganz gerechtfertigt.

Funeral For A Friend - Conduit

Nach den beiden eher rockigen Alben "Tales Don't Tell Themselves" und "Memory And Humanity" hat die "Young And Defenceless" EP sowie das darauf folgende Album "Welcome Home Armageddon" durch Härte überraschen können. So hart wie auf den beiden Veröffentlichungen klangen die Waliser FUNERAL FOR A FRIEND das letzte Mal 2003 auf der "Seven Ways To Scream Your Name" EP. Mit "Conduit" ändert man die musikalische Ausrichtung wieder einmal.
Poppiger wird allerdings nichts dadurch. Die elf Nummern bewegen sich bis auf 'High Castles' allesamt unter drei Minuten. Man erkennt auf "Conduit" deutlich die Liebe zum Hardcore und Bands wie MODERN LIFE IS WAR oder SINKING SHIPS. Sänger Matthew Davies-Kreye übernimmt durch Abgang von Drummer Ryan Richards die Vocals im Alleingang. Wo der ex-Drummer früher für das Gebrülle zuständig war muss nun Davies-Kreye ran. Dieser brüllt zwar nicht so aggressiv wie Richards früher, sondern shoutet eher in bester Hardcore-Manier. Den vakanten Platz am Drumkit übernahm übrigens vor den Aufnahmen Pat Lundy, der vormals bei RISE TO REMAINS, der eher unwichtigen Metalcore-Band um Bruce Dickinson-Sohn Austin, trommelte.
Trotz der neuen Härte hat das einstige Emo-Flaggschiff Europas nichts verlernt was gute Melodien angeht. 'The Distance' besticht durch seinen klasse Refrain. 'Best Friends And Hospital Beds' ist ein nicht weniger großes Highlight. Durch sein deftiges Metal-Riffing kann auch 'High Castles' überzeugen. Solch eine Strophe hätte ich auch gar nicht mehr von den Jungs erwartet. Die anderen Songs brauchen allerdings etwas länger um sich zu entfalten. Auch wenn Melodien und Hooklines da sind: Früher waren diese ein wesentlich größerer Bestandteil eines FUNERAL FOR A FRIEND-Tracks. Wer sich auch schicke IRON MAIDEN-Leadgitarren wie auf den ersten beiden Werken gefreut hat, wird sicherlich etwas enttäuscht hat. Man sollte 'Old Hymnes' vom letzten Album "Welcome Home Armageddon" als Beispiel für "Conduit" sehen. 'Old Hymnes' elf Mal hintereinander in etwa.
Auch wenn ich den Vorgänger etwas stärker finde, "Conduit" ist ein sehr gutes Album geworden. Es ist schön, dass die Band sich auch auf dem sechsten Album noch etwas traut und Mut zur Veränderung hat. Viele alte Fans sollten sich der Gruppe wieder annehmen.


Text © by Sebastian Berning