Music Reviews

Rezensionen

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For All Those Sleeping - Outspoken

Heavy Metal Reviews

Wir erinnern uns, als diese ganzen Eurodance-Sounds im Metalcore etwas ganz Neues waren. ENTER SHIKARI hatten noch Gitarrenriffs, ATTACK ATTACK! hatten auf ihrem trotzdem (damals) spaßigen Debüt mehr Autotune, als die BLACK EYED PEAS auf all ihren Alben zusammen und das Ganze war noch nicht so ausgelutscht wie heute. Ähnlich wie Deathcore war dies ein kurzer Hype. Zwar gibt es immer noch viel Elektronik im Metalcore (oder auch in der ganzen Szene drum herum), dieser ist aber dezenter und man kann sich die Songs anhören, ohne sich wie auf einer 90's Trashparty zu fühlen.
FOR ALL THOSE SLEEPING sind wieder mal eine Band, wie viele andere. Metalcore trifft auf Trance. Breakdowns treffen auf Elektronik. Autotune und fehlende Songideen treffen auf Elektronik. Und mehr muss man eigentlich schon nicht mehr zu "Outspoken" sagen. Wer es genauer wissen will: Wirklich schlecht ist das zweite Album von FOR ALL THOSE SLEEPING nicht einmal, aber irgendwie auch nur, weil die ganze Kiste so unfassbarer Durchschnitt ist, dass nichts nach oben oder unten schwankt. Man kann der Band keine schlechten Songs attestieren, aber auch keine herausragenden. Da wurde die graue Masse anscheinend perfekt von den Amerikanern vertont. Hinzu kommt noch das extrem krasse Geshoute, was für diese Musik irgendwie zu hart klingt. Der klare Gesang ist zusätzlich kein Paradebeispiel, wie gesagt wird hier viel während der Pop Punk-Refrains mit Autotune gearbeitet. Mit einem zugedrücktem Auge ist 'Tell Me The Truth' trotzdem ein netter Song, der ganz leicht nach oben ausbricht.
FOR ALL THOSE SLEEPING bieten dem Fan ein gut eingespieltes Album, welches 14 jährigen ESKIMO CALLBOY-Fans ein ganz breites Grinsen ins Gesicht zaubern wird. Für etwas anspruchsvollere Metalcore-Fans bietet "Outspoken" nur wenig. Da sind Bands wie z.B. THE WORD ALIVE, ASKING ALEXANDRIA, IN FEAR AND FAITH, A SKYLIT DRIVE wesentlich besser, wenn es um Breakdowns und den Einsatz von (dezenter) Elektronik geht.

Crashdiet - The Savage Playground

Über das CRASHDIET-Debüt "Rest In Sleaze" muss man mit Sicherheit keine Worte mehr verlieren. Was Sleaze/Glam Metal aus Skandinavien angeht, können da nur RECKLESS LOVE mithalen, die allerdings ungleich poppiger sind, da man eher DEF LEPPARD und POISON huldigt, als GUNS N' ROSES, SKID ROW oder den L.A. GUNS. Für mich persönlich können ihnen da nicht einmal die wesentlich bekannteren HARDCORE SUPERSTAR das Wasser reichen.
Nach dem etwas schwächeren "The Unattractive Revolution" mit RECKLESS LOVE-Frontmann Oliver Hermann am Mikro konnte das dritte Album "Generation Wild" seinem Titel alle Ehre machen. Wieder rotziger und auch härter hat das Quartett mitsamt dem neuen Sänger Simon Cruz hier einige Hymnen aufgenommen, wie den Titelsong oder meinen Liebling 'Rebel'. "The Savage Playground" ist nicht schlechter als sein direkter Vorgänger, klingt dafür aber anders. Das gesamte Feeling der Platte ist etwas ernsthafter und die Riffs fallen wieder rockiger aus, was direkt an das übergroße Debütalbum denken lässt. Sonst sind allerdings alle Trademarks der Band um Sänger Simon Cruz vorhanden. Rotz, coole Riffs, knackige Songs mit ordentlichen Refrains und wie stets eine mehr als melodische Nummer. Nach 'Save Me' von "Generation Wild" kann sich die Band in dieser Disziplin sogar noch steigern. 'Drinking Without You' ist mein Highlight des Albums. Sehr melodische Gitarren und ein Chorus, der schon beim ersten Hören ins Ohr geht und zum Mitsingen einlädt.
Knapp eine Stunde Spielzeit misst Album Nummer Vier. Prinzipiell finde ich, dass Alben über 50 Minuten schon ziemlich gut sein müssen, um über eine solche Distanz Spaß zu machen. Bei (knapp/über) 60 Minuten ist es dann schon wirklich schwer, mich zu überzeugen. Das muss dann ein absolutes Knalleralbum sein, welches einen Hit nach dem nächsten raushaut. Dies ist zwar hier nicht unbedingt der Fall, allerdings ist das durchschnittliche Niveau der Tracks recht hoch und einzig der letzte Song, das sieben Minuten lange 'Garden of Babylon', sprengt den Rahmen dann doch etwas.
Welches der beiden Simon Cruz-Alben von CRASHDIET ich jetzt besser finden soll, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Wo der Vorgänger härter war, liefern die Schweden auf "The Savage Playground" einen rockigeren Sound. Wie stets sind gute Songs dabei und jeder Freund der Band wird sich über die 13 Nummern freuen.

Katy Perry - Teenage Dream

Sie hätte genauso gut ein One-Hit-Wonder sein können mit ihrem weltweiten Nummer 1-Hit 'I Kissed A Girl'. Aber sie legte mit 'Hot 'n' Cold' eine weitere Nummer 1-Single nach. Zwei astreine Pop-Nummern, welche allerdings aus dem Debütalbum herrausstachen. Nicht qualitativ sondern stilistisch. KATY PERRY zeigte sich sonst rockiger und gitarrenlastiger. Die EMI schickte sie genau deshalb auch 2008 auf die Vans Warped Tour wo sie sich die Bühne mit Bands wie BRING ME THE HORIZON, THE DEVIL WEARS PRADA, RISE AGAINST, AS I LAY DYING oder ALL TIME LOW teilte. Man wollte zeigen, dass sie eben kein (reines) Pop-Sternchen wie BRITNEY SPEARS oder LADY GAGA ist.
Zwei Jahre später klingt man auf "Teenage Dream" aber deutlich poppiger. Einmal am Booklet gerochen, riecht man wie das neue Album klingt: süß (ja, es riecht wirklich nach Kaugummi oder Zuckerstange). Allein ihre neue Hit-Single 'California Gurls' ist ein Ohrwurm vor dem Herren. Auf eine angenehme Art kitschig und süß, dabei eingängig ohne Ende. So schnell wird einen der Song einfach nicht los. Das ganze Album klingt sehr nach einem Ort mit pinken flockigen Wolken-Straßen mit Zuckerstangen-Laternen und schönen Lebkuchenhäusern.
Gitarren findet man hier keine mehr. Dafür überzeugt PERRY mit verschiedenen Klangfarben. Mal wie bereits beschrieben süß und unschuldig, mal kommen aber auch leicht prollige dreckige Beats zum schuss wie in 'E.T.' oder ernstere Töne bei dem großartigen Mid-Tempo-Pop-Song 'The One That Got Away', welcher zu den Glanzleistungen der Sängerin zählt, oder dem Anti-Kriegssong 'Who Am I Living For'. Mit 'Not Like The Movies' gibt es zum Ende noch eine schicke Klavier-Ballade über die Illusionen von Teenager-Liebe, obwohl die aus dem Alter eigentlich raus ist und bald unter der Haube ist (damn!).
Trotz weniger Rock auf "Teenage Dream" ist KATY PERRY ein ausgesprochen gutes Album gelungen. Kein Ausfall, dafür eine Menge guter und vielseitiger Ideen, bei denen sie immer in den Songwriter-Credits auftaucht. Eine perfekte Sommerplatte für den Beginn des Herbsts, die sich vor "One Of The Boys" nicht verstecken muss, sondern viel eher auf Augenhöhe steht.


Text © by Sebastian Berning