Music Reviews

Rezensionen

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Green Day - iDos!

Heavy Metal Reviews

Das Trilogie-Konzept der Punk Rock-Könige von GREEN DAY ist ziemlich ambitioniert, aber das ist man dank den Konzeptalben "American Idiot" und (dem eher langweiligen) "21st Century Breakdown" gewohnt. Nachdem mit "iUno!" der erste Teil bereits erschienen ist, folgt direkt "iDos!", der zweite Part, wie der Titel unfrei sugeriert. Wo der Trilogieeinstieg noch etwas pop-rockiger aus den Boxen schallt, sollte der Nachfolger dreckiger und wilder sein. Die Band nannte sogar die Rockgrößen von AC/DC als Einfluss für diese Tracks. Der Opener 'See You Tonight' kommt eher wie ein Lagerfeuersong daher und lässt wenig dreckigen Rock'n'Roll durchblicken. Auch der erste "richtige" Song 'Fuck Time' wirkt nur mäßig räudig, bietet allerdings solide GREEN DAY-Kost. Eigentlich ist "iDos!" genau wie "iUno!". Man bekommt genau die GREEN DAY, die man zuvor auch schon bekommen hat. Die dreckige Punk-Keule holt die Band höchstens auf 'Makeout Party' raus, welcher auch das Highlight des Albums ist. Auch 'Lady Cobra' bricht etwas aus dem GREEN DAY-Schema-F aus und überzeugt durch punkige Vibes. 'Wow! That's Loud' kann auch noch überzeugen, genau wie der ein oder andere Song. Insgesamt aber zündet das Album nicht wirklich, irgendwie fehlt das gewisse Etwas. Wie so oft bei Doppelalben fragt man sich warum der und der Song nicht auf nur einem Album sind und der und der Song nicht unter den Tisch gekehrt wurde. Zwar kann man bisher bei beiden Teilen keinen wirklichen Ausfall ausmachen, was aber vielleicht auch daran liegt, dass der Großteil des Materials absoluter GREEN DAY-Standard ist, der keinem Fan wehtut und keinen wirklich enttäuschen wird. Schön wäre es allerdings, wenn der abschließende dritte Output etwas mehr Überraschungen bieten würde und GREEN DAY die Komfortzone, welche man die letzten zwei Dekaden über erbaut hat, verlassen würde. Mehr als ganz, ganz knappe sieben Punkte sind so leider nicht drinnen. Ohne 'Makeout Party' wäre es sicherlich einer weniger.

Green Day - iTre!

Butter bei die Fische: "iUno!" war ein nettes Album, welches lockerere GREEN DAY-Kost bot als die beiden Konzeptalben, die das Trio vorher aufgenommen hat. "iDos!" bot wenig Überraschungen und unterschied sich in seiner musikalischen Ausrichtung nur marginal von seinem Vorgänger. Vielleicht kann der abschließende dritte Teil der Albumtrilogie mehr überzeugen als der verhaltene Mittelteil. Etwas epischer sollte "iTre!" ausfallen, sozusagen eher an "American Idiot" erinnern als an "Dookie". An sich ist das schon einmal schade. Und auch hier wird die Ankündigung nicht wirklich vollends erfüllt. Es gibt zum dritten Mal die allseits beliebte GREEN DAY-Ware. Mal poppiger, mal rockiger, ab und an sogar leicht dreckig. Großes Rockkino ist allerdings nicht dabei. Selbst Die-Hard-Fans sollten nach einem Hördurchgang des letzten Drittels der Trilogie erkennen, dass GREEN DAY es geschafft haben auf drei CDs drei Mal das Gleiche abzuliefern. Viel Standard, wenig Aufregendes und noch weniger Neues. Leichte 60er-Sounds gepaart mit netten Backgroundvocals sind 2012 absolut nichts Neues, genauso wenig wie für die Band selber. Es ist mittlerweile ziemlich ermüdend zum dritten Mal in wenigen Monaten ein solches Album zu hören. Zwar hatten GREEN DAY schon immer hier und da nette Nummern, aber bei drei Releases innerhalb von weniger als fünf Monaten, darf einem erlaubt sein, einmal erschöpft auszuatmen. Zwar ist der Mittelteil nicht schlecht, aber mich langweilt die ganze Trilogiekiste dann doch langsam. Die Band hätte ein Album veröffentlichten sollen mit den besten Liedern, die sich hier nun auf drei Silberlingen inmitten von viel daherplätscherndem Material tummeln. Zwei, drei nette Tracks wie etwa 'Dirty Rotten Bastards' oder 'Drama Queen' sind zwar auf "iTre!" vertreten, insgesamt ist es aber zu wenig. Nicht nur auf diesem Werk, sondern auch auf das ganze Konzept der Trilogie bezogen. Schade, aber "Use Your Illusion" von GUNS N' ROSES hat leider auch nicht nur Hits, dafür aber herausstechendere Songs als GREEN DAY.

Black Veil Brides - Wretched And Devine: The Story of the Wild Ones

Viele Bands dümpeln daher und werden als 'ganz nett' beschrieben. Einige Bands sind everybody's darlings und werden nur von einzelnen Leuten nicht abgöttisch gefeiert. Wiederum andere Bands werden entweder geliebt oder gehasst, etwas dazwischen gibt es nicht. Dies gilt heutzutage sicherlich vor allem für die BLACK VEIL BRIDES. Ihre Mischung aus Metal, Glam und leichtem Goth-Charakter hat ihnen zwar viele Fans rund um den Globus beschert, allerdings auch viele, die sich nicht mit dem Stilmix anfreunden können. Mit ihrem dritten Album "The Wretched And Devine: The Story Of The Wild Ones" wird sich das zwar kaum ändern, aber beide Lager sollten sich vergrößern. Das 2011er Album "Set The World On Fire" war eigentlich genau das Album, welches ich mir von AVENGED SEVENFOLD nach "City Of Evil" gewünscht hätte. Knackige Songs irgendwo zwischen Moderne und 80er Metal mit poppigem Charakter. Auf dem Drittling wollen es die Jungs um Sänger Andy Biersack nun wissen. Die 19 Songs (wovon sechs allerdings Instumentals oder kurze Interludien sind, die meist von AIDEN-Sänger Wil Francis gesprochen werden) verfolgen ein Konzept, in dem es darum geht, seine Ängste hinter sich zu lassen und sein Leben so zu leben, wie man es möchte, ohne sich etwas von anderen vorschreiben zu lassen. Ansich ist dies kein weltbewegendes Thema oder gar etwas Neues. Die Musik allerdings zeigt die BLACK VEIL BRIDES von einer anderen Seite. Der Opener 'I Am Bulletproof' klingt erst einmal nicht viel anders als das Vorgängerwerk, überzeugt besonders durch seinen Stadion-tauglichen Refrain und den recht harten Mittelteil. Die folgenden Songs hingegen sind wesentlich abwechslungsreicher. Es wird viel mit Streichern gearbeitet wie etwa bei 'Resurrect The Sun', dessen Strophen durch Geigen und dezente Elektronik getragen werden und in einen großen Rock-Refrain münden, der nicht weniger nach Stadion schreit als die Eröffnungsnummer oder die erste Single, das abschließende 'In The End'. Man merkt jedem der eigentlichen 13 Tracks an, dass diese Band sehr an sich gearbeitet hat seit dem letzten Album. "The Wretchd And Devine: The Story Of The Wild Ones" ist alles andere als eine Platte mit dem Prädikat "Nummer-Sicher", allerdings sollte kein Fan enttäuscht sein. Die Kernessenz ist immer noch die selbe Band wie vorher, nur klingt alles opulenter und größer. Darunter leidet allerdings etwas der Rock'n'Roll-Faktor. Die Platte ist schon ziemlich glatt und bietet wenig Ecken, dafür eine Truppe, die an sich gearbeitet hat. Besonders Sänger Andy Biersack überzeugt durch seine gute Leistung und seine etwas rauere Stimme, die den Songs gut zu Gesicht steht. Zwar war ich nach dem ersten Hördurchgang etwas enttäuscht, da es kein zweites "Set The World On Fire" geworden ist, allerdings bietet dieses Album fast nur Hits. Egal ob die genannten Songs, die beiden Balladen 'Lost It All' und 'Done For You', das rockige 'Days Are Numbered' oder die Hymne 'Nobody's Hero', welche zum lauten Mitgrölen einlädt. Mit "The Wretched And Devine: The Story Of The Wild Ones" ist den BLACK VEIL BRIDES ein wirklich gutes Album gelungen, welches zwar nicht ganz an den Vorgänger heran kommt, dennoch mit Sicherheit am Ende eines der Alben 2013 sein wird.

Black Veil Brides - Rebels EP

Mit "Rebels" überbrückten die BLACK VEIL BRIDES die Zeit zwischen "Set The World On Fire" und ihrem neusten Werk "The Wretched And Devine: The Story of the Wild Ones". Die digital-only EP hat neben dem über zehn Minuten langen Video zur Single 'Rebel Love Song' eine neue Eigenkomposition und zwei Cover zu bieten. 'Coffin', so heißt der neue Song der modernen Metal-Band aus Hollywood. Stilistisch bewegt man sich eigentlich genau auf dem gleichen Metier wie auch "Set The World On Fire". Moderner Metal irgendwo zwischen Glam Metal, Metal und einem Hauch Gothic. Neben einem tollen Chorus gibt es einen Breakdown und ebenso ein ordentliches Solo. Dieser Song sollte nun wirklichen keinen Fan der Gruppe enttäuschen. Gecovert werden der BILLY IDOL-Hit 'Rebel Yell' und von KISS wird kein Hit, den jeder kennt, gecovert, sondern das eher vergessene, aber saucoole 'Unholy', die von Gene Simmons gesungene Eröffnungsnummer von "Revenge". 'Rebel Yell' wird von den BLACK VEIL BRIDES ordentlich aufgemotzt. Etwas mehr Arschtritt und mehr Rock'n'Roll und schon klingt der 80er Hit wie eine Eigenkomposition der amerikanischen Rocker. Besonders gegen Ende nimmt der allseitsbekannte Song an Fahrt auf und zeigt all den Rock/Pop-Coverbands, wie man diesen Song wirklichen interpretieren sollte. 'Unholy' bewegt sich wesentlich näher am Original, klingt in dieser Version allerdings etwas düsterer als das Original. Verändert wird allerdings nur wenig. Und man merkt erneut, dass es eine Schande ist, dass 'Unholy' nicht zu den absoluten KISS-Klassikern zählt. Für Fans ist die "Rebels" EP eine mehr als feine sache, die im iTunes Store nicht einmal vier Euro kostet. Die drei Songs sind durch die Bank weg allesamt richtig coole Nummern und bereiten einem viel Freude. Ein Muss für die BLACK VEIL BRIDES Army (KISS lassen erneut grüßen).

Black Veil Brides - We Stitch These Wounds

Die BLACK VEIL BRIDES höre ich mittlerweile ziemlich gerne. Dies ist verwunderlich, da das 2010er Debüt "We Stitch These Wounds" für mich eher wie ein Rip-Off des BULLET FOR MY VALENTINE-Debütalbums wirkte - nur mindestens drei Jahre zu spät. Die Bandbilder unterstrichen diesen Eindruck, da die Band eher wie eine Vorzeige-Emo-Band von 2006 aussah als eine zeitgemäße Band. Nachdem mir aber das zweite Album "Set The World On Fire" von 2011 mir so gut gefiel, gab ich auch dem Debüt eine weitere Chance. Ich kannte ehrlich gesagt nur einen Song und dieser war nicht ganz so mein Ding. Schade, denn eigentlich bietet auch das Debüt einige gute Nummern. Der Vergleich mit dem Debüt von BULLET FOR MY VALENTINE hingegen ist schon berechtigt. Andy Biersack (damals noch Andy Sixx) und seine Jungs bieten Metal gepaart mit viel Emo und leichten Goth-Klängen. Weniger METALLICA als die Waliser Metalband, dafür mehr HIM. Der Titeltrack, 'Never Give In', 'All Your Hate', 'Perfect Weapon' und ganz besonders 'Knives And Pens' sind allerdings klasse Songs. Zwar fehlt mir persönlich der Glam Metal Einfluss der letzten beiden Werke, begeistern können mich diese Lieder trotzdem. Es ist aber offensichtlich, dass die Band hier noch versucht ihren Sound zu finden. Twinleads, Gebrüll, der ein oder andere Breakdown, rockige Riffs, Balladen. Streicherarrangements. Alles ist auf "We Stitch These Wounds" zu finden und am liebsten alles auf einmal. Von daher haben die Jungs einen riesigen Sprung gemacht was das Songwriting und ihren eigenen Sound angeht wenn man sich den direkten Nachfolger einmal anhört. "We Stitch These Wounds" ist mit Sicherheit nicht so gut wie "Set The World On Fire" und "The Wretched And Devine: The Story of the Wild Ones", zeigt allerdings schon damals, dass in dieser Band einiges an Potenzial steckte. Der einsetzende Erfolg gibt ihnen Recht. Als Fan der BLACK VEIL BRIDES sollte man sich das leicht unausgereifte Debüt auf keinen Fall entgehen lassen.


Text © by Sebastian Berning