Music Reviews

Rezensionen

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Deftons - Koi No Yokan

Heavy Metal Reviews

Die DEFTONES können sich mittlerweile eigentlich alles erlauben. Jedes ihrer Alben wurde von Fans und Kritikern abgefeiert. Besonders seit man sich atmosphärischer und zurückhaltender gibt, also seit "Deftones" (2003), aber spätestens mit "Saturday Night Wrist" (2005), verdient man das Prädikat "everybody's darling". Nun erscheint mit "Koi No Yokan" das siebte Album der einstigen New Metal-Vorreiter. Mich persönlich haben "White Pony", "Deftones" und "Saturday Night Wrist" sehr begeistern können. Die ersten beiden Werke "Adrenaline" und "Around The Fur" sind ebenfalls alles andere als schlecht. Das letzte Werk "Diamond Eyes" von 2010 hingegen war sicherlich nicht schlecht, allerdings auch nicht wirklich gut und wird bei mir wohl immer als schlechteste DEFTONES-Platte gelten. Alleine das knackige 'Poltergeist' toppt nahezu den gesamten Vorgänger. Aber auch die atmosphärischen Nummern wie 'Romantic Dreams' oder 'Gauze' können mich überzeugen. Im Grunde hat man nur wenig verändert, wenn man mal "Diamond Eyes" und "Koi No Yokan" miteinander vergleicht. Beide Alben besitzen eher heftige Opener und wechseln dann zwischen wenig flotteren Songs und viel atmosphärischen - böse Zungen mögen hier auch 'geschrammelten' benutzen - Songs. Aber wo auf dem 2010er Release besonders die kantigeren Songs eher rüberkamen als ob die Jungs unbedingt mal wieder härter klingen wollten, klingen genau diese Tracks auf dem neusten Album wesentlich besser. 'Goon Squad' erinnert sogar wieder an die alten Tage von "White Pony" oder eher "Deftones" ('Hexagram' sei als Vergleich genannt). Ich bin positiv überrascht. Nach der Enttäuschung von vor zwei Jahren hätte ich den DEFTONES kein so starkes Album zu getraut. "Koi No Yokan" wird bei jedem Fan mehr als gut ankommen.

Motionless In White - Infamous

Zu Zeiten der Debüt-EP "When Love Met Destruction" hätte ich MOTIONLESS IN WHITE nun wirklich nicht zugetraut mal einer der Hypes der Szene zu werden. Gut, in der ersten Liga spielt man zwar noch immer nicht mit, aber mit "Infamous" sollte man auf jeden Fall mehr als ordentlich in der zweiten Liga mitspielen. Wie auch das erste richtige Album "Creatures" von 2010 mischt "Infamous" ordentlich Metalcore mit Industrial und leichten New Metal-Zitaten. Dieses Mal geht die Band um Sänger Criss Motionless aber noch einen Schritt weiter und fröhnt noch mehr den alten Alben von ROB ZOMBIE und MARILYN MANSON. Man nehme nur 'A-M-E-R-I-C-A', der Song ist nun wirklich nicht gerade meilenweit entfernt von "Antichrist Superstar". Aber natürlich wird der durchschnittliche Metalcore-Fan nicht überfordert. Mit Nummern wie 'Devil's Night', 'If It's Dead, We'll Kill It' (zusammen mit BLEEDING THROUGH-Frontman Brandon Shipetti) oder 'Hatefuck' gibt es genug Abrissbirnen für die Liveshows. Wenn man ehrlich ist sind einzig und allein die Industrial-Keyboards die Band interessant, denn sonst würde man sich wenig bis gar nicht von anderen Bands unterscheiden, die mit einem "normalen" Metalcore-Sound mehr überzeugen können. Dennoch ist "Infamous" eine ordentlich Platte. Einzig 'The Devine Infection', mit SOILWORK-Sänger Björn "Speed" Strid, kann man nicht wirklich überzeugen. Der frühere Bassist und jetztige Gitarrist Ricky Olson übernimmt nun den klaren Gesang und steht seinem Vorgänger in nichts nach, ist aber leider auch nicht viel besser als guter Durchschnitt. Dies klingt vielleicht nach etwas viel gemotze, aber "Infamous" macht schon ordentlich Spaß zu hören. Sicherlich kein Album des Jahres, aber eine gut gemachte und leicht andere Metalcore-Scheibe haben MOTIONLESS IN WHITE da schon vorgelegt. Für Fans des Genres sicherlich eine Empfehlung, den Industrial Metal-Fan wird man allerdings nicht gewinnen können.

All Time Low - Don‘t Panic

"Don't Panic" war sicherlich das Motto der vier Pop-Punker von ALL TIME LOW. Nachdem der kurze Besuch beim Majorlabel nach nur einem Album beendet war, nahm die Band den "Dirty Work"-Nachfolger in Eigenverantwortung auf. Kein Label, welches in den Kreativprozess eingreifen konnte; keine Co-Songwriter bei jedem Song und auch keine x Produzenten. Dieses Mal ging es wieder um ALL TIME LOW als Band und nicht wie bei "Dirty Work" um eine Platte, die es auf Airplay anlegte und den Erwartungen des Majors gerecht werden sollte. Vielen Fans war das letztjährige Album zu poppig und nicht rockig genug. Ich persönlich konnte etwas mit "Dirty Work" anfangen, auch wenn man nicht mehr an die Hitdichte der beiden Vorgänger "So Wrong It's Right" und "Nothing Personal" heranreichen konnte. Trotzdem waren viele gute Songs vertreten und ich würde immer noch 8 Punkte geben, auch wenn unter meinem Review 8,5 Punkte standen durch die erste Euphorie einer neuen ALL TIME LOW-CD. "Don't Panic" wird all die Fans versöhnen, denen das dritte Werk der Jungs aus Baltimore zu wenig Rock war. Das vierte Album vereint das Beste der drei Vorgänger. Der Opener 'The Reckless And The Brave' ist wieder wesentlich mehr Pop Punk und hätte so auch auf "Nothing Personal" ein Highlight dargestellt. ALL TIME LOW beweisen hier feinste Songwritingkünste. Der Song verfolgt mich schon seit dem Sommer, wo ihn die Band veröffentlichte; und noch immer begeistert er mich. Ähnlich wie das vorab veröffentlichte 'For Baltimore', welches zwar ziemlich cheesy beginnt, aber einen der besten Refrains der Bandgeschichte besitzt. Es finden sich aber noch weitere Highlights auf "Don't Panic". So zum Bleistift das ebenfalls großartige 'Somewhere In Neverland' (ebenfalls kurz vor Albumrelease veröffentlicht), welches wie die beiden anderen Vorabtracks zu den absoluten Highlights des ALL TIME LOW-Backkatalogs gehört. Aber auch die anderen Albumnummern wie 'Outlines', das schnelle 'So Long, Soldier', 'Paint You Wings' oder 'If These Sheets Were States' sind tolle Pop Punk-Tracks, die jeden Fan der Band glücklich machen werden. ALL TIME LOW haben in der Tat die besten Zutaten der ersten drei Alben zu "Don't Panic" vermischt. Dabei ist mal wieder rockiger als auf "Dirty Work", hat aber dessen Pop-Appeal behalten und so zwölf Ohrwürmer geschrieben. "So Wrong It's Right" bleibt zwar unerreicht, aber Album Nummer vier hat auf jeden Fall die Qualität von "Nothing Personal", wenn nicht sogar etwas mehr durch die drei besonders gelobten Nummern 'The Reckless And The Brave', 'For Baltimore' und 'Somewhere In Neverland'.

Thrice - Anthology

Das war es also für das Erste mit THRICE. Die Truppe, die als Emo/Post-Hardcore-Vorreiter anfingen und von Album zu Album anspruchsvoller und verspielter wurde, bis man schließlich als anspruchsvolle Alternative Rock-Band durchgehen konnte mit den letzten beiden Werken "Beggars" und "Major/Minor", nimmt sich eine unbestimmt lange Auszeit. Mit "Anthology" bieten THRICE zum Abschied ein neues Livealbum. "Anthology" bietet keine ganze Show des Quartetts, sondern wurde in verschiedenen Städten aufgenommen, damit man die besten Perfomances präsentieren kann, denn THRICE verzichten darauf, die Songs im Studio nachzubearbeiten (wie es viele andere Gruppen machen). Man will den Fans ein möglichst echtes Ergebnis präsentieren, dazu gehört auch mal der ein oder andere Fehler, der bei ganz genauem hin hören auffällt. Genau dies macht "Anthology" aber auch aus, denn die 24 Songs klingen wirklich echt, live und alles andere als glatt gebügelt. Dem Fan wird eine super Set- bzw. Tracklist geboten. Altes Material ist ungefähr zu gleicher Zahl vertreten wie die anspruchsvolleren Songs, die man seit "Vheissu" abliefert. Natürlich ist der Energiepegel bei Gassenhauern wie 'The Artist In The Ambulance', 'Deadbolt', 'Stare At The Sun' oder 'T&C' höher als bei den progressiveren Nummern, die man auf den letzten Werken von THRICE findet. "Anthology" lebt aber gerade von diesen Gegensätzen und diese machen es auch spannend, der Band 103 Minuten lang zu zuhören.
Nun ist die Frage ob man wirklich noch ein Livealbum von THRICE braucht. Mit den Mini-Alben "If Only We Could See Us Now" und "Red Sky", der 2009er Live-Platte "Live At The House Of Blues", der "At The Guitar Center"-7" und der Download-EP "MySpace Transmissions" gibt es von den vier Herren ja eigentlich schon genug Livematerial. "Anthology" ist ein hervorragendes Livealbum und man kann es getrost den bisherigen Releases vorziehen. In der Tat ist es ein würdiger Abschied. Man kann nur hoffen, dass THRICE möglichst bald wieder kommen und ihre Fans nicht zu lange warten lassen.

Upon This Dawning - To Keep Us Safe

"UPON THIS DAWNING. Das wird wieder mal eine der vielen neuen US-Metalcore-Bands sein. Viele Breakdowns, Elektronik und auto-getunter Gesang." Das kann man zumindest denken, wenn man die Jungs sieht und weiß, dass das Debütalbum "To Keep Us Safe" auf Fearless Records erscheint. Außerdem gibt es noch einen Song feat. Chris Motionless von MOTIONLESS IN WHITE auf der CD. Aufmerksam geworden bin ich auf die Band durch ihr geniales Cover von 'Call Me Maybe', welches auf dem bald erscheinenden, fünften Teil der "Punk Goes Pop"-Reihe zu finden sein wird. Auch die ersten beiden eigenen Songs bei YouTube klangen vielversprechend. Nun ist endlich das Debütwerk "To Keep Us Safe" erschienen. Schon der Opener 'A New Beginning' verbindet Breakdowns mit Elektronik und gesungenen Refrains - allerdings ohne übermäßiges Autotuning. Besonders der gesungene Refrain bleibt einem erst einmal in den Gehörgängen stecken. Auch die darauf folgenden Tracks sind allesamt ziemlich gut. Des öfteren wird man an die aktuelle THE WORD ALIVE-Scheibe "Life Cycles" erinnert, da auch UPON THIS DAWNING dieselben Bausteine benutzen. Hier brutale Breakdowns, Electronic/Dubstep-Elemente und catchy Refrains, die auch die U-18-Mädels gut finden können, während der Freund im Moshpit rotiert. Ehrlich gesagt, hätte ich gar kein so starkes Debüt von den Jungs erwartet. Ich habe zwar damit gerechnet, dass "To Keep Us Safe" ein ganz nettes Album wird, aber durch diverse Glanztaten werden meine Erwartungen dann doch übertroffen. Der Metalcore-Gemeinde sollten UPON THIS DAWNING auch gefallen. Es würde mich überraschen, wenn man nicht mindestens den Status von neueren Bands, wie z.B. WE CAME AS ROMANS, erreichen würde. "To Keep Us Safe" jedenfalls ist ein zu starkes Album, um unbeachtet zu bleiben.

Trash Talk - 119

Ein fast 22 Minuten langes TRASH TALK-Album. Für die eigenen Verhältnisse könnte "119" ein wahres Progressive Rock-Feuerwerk werden. Mittlerweile ist man auf dem Plattenlabel der Hip Hop Crew ODD FUTURE angekommen und ist dort der einzige Künstler, der nicht zu der Wolf Gang gehört. Aber auch das färbt nicht auf die Band ab, wie "119" eindrucksvoll belegt. Die "Awake" 7"-Single ließ es schon erahnen: TRASH TALK sind durch mit den auch gerne einmal unter einer Minute langer Wutausbrüchen, wie auf ihren ersten Releases. Man schreibt mittlerweile fast schon klassische Hardcore-Songs, die sich vor BLACK FLAG und CRO-MAGS verneigen. Die Nummern sind etwas länger, als gewohnt und dadurch auch etwas eingängiger, einfach weil man mehr Zeit hat, sich auf das Lied einzulassen. TRASH TALK sind dennoch immer noch so wütend, wie auf "Eyes & Nines". Die Wut und Intensität von "Walking Desease" erreicht man allerdings nicht und wird dies auch nicht mehr erreichen. "119" bietet trotzdem 14 erstklassige TRASH TALK-Kracher. 'Exile On Broadway' ist ein räudiger Hit, wie gemacht für hitzige Pits und viel Action im Publikum und auf der Bühne. 'Blossom & Burn' kann mit TYLER THE CREATOR und HODGY BEATS von ODD FUTURE aufwarten und ist eins der Highlights des vierten Albums. Von Durchgang zu Durchgang wird deutlicher, dass TRASH TALK als Band gereift sind. Man prügelt sich hier nicht mehr in elf Minuten durch zehn Tracks, wie noch zu "Walking Desease"-Zeiten, sondern gibt einigen Songs sogar ein klein wenig Raum, sich zu entfalten - und das steht dem Quartett gut. Besagtes "Walking Desease" wird wohl auf ewig meine Lieblings-TRASH TALK-Platte sein, aber "119" hat beste Chancen auf Platz zwei zu rücken. Hardcore und Punk as fuck, das macht zur Zeit kaum jemand den vier Kiffern vor. Wenn selbst der britische NME acht von zehn Punkten gibt, dann haben es TRASH TALK langsam aber sicher geschafft und könnten einen ähnlichen Crossover-Status erzielen wie einst die GALLOWS. Zu wünschen wäre es TRASH TALK.

The Devil Wears Prada - Dead & Alive

Sie sind mit Sicherheit eine der erfolgreichsten Metalcore-Bands dieser Tage. Nach vier Alben und einer EP veröffentlichen die christlichen Metalcore-Recken von THE DEVIL WEARS PRADA mit "Dead & Alive" ihr erstes Livealbum. 16 Songs und eine gute Stunde Spielzeit haben die Jungs auf CD und DVD gebannt. Die Setlist ist gut, leider kommen die ersten beiden Alben "Dear Love: A Beautiful Discord" und "Plaques" mit jeweils einem Song viel zu kurz. Hauptaugenmerk liegt eher auf "With Roots Above And Branches Below", sowie ganz klar "Dead Throne", dem letztjährigen Werk der Truppe. Man hätte das Instrumental 'Kansas' sicherlich gegen einen frühen Hit wie 'Number Three, Never Forget', 'Rosemary Had An Accident', 'HTML Rulez D00d', oder 'You Can't Spell 'Crap' Without 'C'' ersetzen können, aber nun gut. Die DVD bietet eine komplette Show von THE DEVIL WEARS PRADA und zeigt die Band in Topform. Die gesamte Band ist ständig in Bewegung und rennt über die Bühne. Was dies angeht, sind sie wesentlich aktiver, als andere Szenehelden. Allerdings muss ich sagen, dass das Gebrüll von Mike Hrancia stellenweise etwas dünn wirkt. Das habe ich von den beiden Malen, an denen ich die Truppe live erlebt habe, anders in Erinnerung. Da musste sich der Gute keine Pausen durch seine normale Stimme verschaffen, bevor wieder ordentlich geröhrt wurde. Dadurch merkt man aber auch, dass die Aufnahme nicht übermäßig nachbearbeitet wurde. So ist auch die eine oder andere schiefe Note im klaren Gesang zu hören. Die 'Behind The Scenes'-Aufnahmen sind nur ein kleiner Bonus. Innerhalb von 12 Minuten hat jedes Bandmitglied kurz etwas zum aktuellen Album und der dazu gehörigen Tour gesagt. Die CD überzeugt mit dem gleichen Inhalt und mit gleich gutem Sound, wie die DVD. "Dead & Alive" ist für Fans sicherlich eine lohnende Angelgenheit, denn so oft sind THE DEVIL WEARS PRADA hier auch nicht zu Gast. Man hat es hier zwar mit keinem Liveklassiker zu tun, aber den durchschnittlichen Hörer wird man zufrieden stellen können.


Text © by Sebastian Berning