Music Reviews

Rezensionen

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HIM - XX - Two Decades Of Love Metal

Heavy Metal Reviews

HIM ist eine der erfolgreichsten europäischen Rockbands seit den 90ern. Was mit "The Greatest Lovesongs Vol. 666" ziemlich Gothic Metal-like begann, wurde von Album zu Album rockiger. Aber es wechseln sich bei der Band immer harte mit poppigeren Alben ab (außer "Razorblade Romance" auf die das ruhige "Deep Shadows And Brilliant Highlights" folgte bevor es mit "Love Metal" wieder mehr zur Sache ging). Nachdem mit "And Love Said No" 2004 ein erstes Best-Of erschien, gibt es mit "XX - Two Decades Of Love Metal" eine weitere Zusammenstellung der HIM-Hits.
"XX - Two Decades Of Love Metal" vereint die alten GUN Records-Songs und die neuen, die die Band auf Sire Records veröffentlichte. Der Durchbruchssong 'Join Me (In Death)' fehlt also genauso wenig wie die Hitsingle 'Heartbreaker' vom immer noch aktuellen Werk "Screamworks: Love In Theory And Practice". Der Rest des Album ist eigentlich jedem bekannt. Es reihen sich alle Singles aneinander, außer die Clubsingle 'It's All Tears (Drown In This Love)'. Auch fehlt die großartige Ballade 'Close To The Flame' sowie die beiden neuen Songs von "And Love Said No", das NEIL DIAMOND-Cover 'Solitary Man' und 'And Love Said No'.
Für den Fan bietet das ganze Packe leider nur wenig Neues. Zwar ist mit 'Strange World' neues Material zu hören, allerdings handelt es sich nur um ein Cover von KÉ. Dieses ist aber ganz gut. Des Weiteren gibt es verschiedene Radio Edits zu hören, die sich nur wenig von den Originalen unterscheiden. Hier und da ist das Lied kürzer und/oder ganz leicht anders gemixt. Essentiell ist diese Geschichte für Fans, die alle Alben im Schrank haben allerdings nicht.
Das zweite HIM-Best Of "XX - Two Decades of Love Metal" ist nicht unbedingt etwas für Fans, sondern viel eher für Neueinsteiger. Auf der prall gefüllten CD befindet sich nahezu jede Hitsingle der Finnen um den charismatischen Sänger Ville Vallo. Interessierte und Gelegenheitshörer sollten sich diese Compilation auf jeden Fall in den Schrank stellen.


Parkway Drive - Atlas

"Killing With A Smile" ist bis heute eines der besten Metalcore-Alben überhaupt. PARKWAY DRIVE erspielten sich mit diesem Album langsam einen Platz in der ersten Reihe an Metalcore-Bands und konnten diesen mit dem 2008er "Horizons" festigen. 'Boneyards' besitzt noch immer einen der heftigsten Breakdowns, die ich kenne. Das 2010er Album "Deep Blue" hat mich allerdings etwas enttäuscht, komischerweise fand es bei den Impericon- und EMP-Kids großen Anklang. Meine Hoffnung in das neue Album der Australier, "Atlas", ist also, dass man wieder knackigere Songs präsentiert.
Schon das Intro 'Sparks' baut ordentlich Spannung auf. Akustikgitarren, Streicher und gesprochene Passagen lassen erst einmal aufhorchen. Langsam nimmt die Nummer an Fahrt auf und am Höhepunkt mündet sie in 'Old Ghosts - New Regrets'. Auch dieser Track kann überzeugen. PARKWAY DRIVE klingen nicht mehr so düster und uninspiriert wie auf "Deep Blue". Die Gitarren wirken auf mich wieder etwas melodischer und erinnern mehr an "Killing With A Smile". Die Breakdowns der Jungs um Sänger Winston McCall gehören natürlich immer noch zum Besten, was die Szene zu bieten hat. Klares Highlight für mich ist die erste Single 'Dark Days'. So viel Freude hatte ich mit der Band zuletzt zu "Horizons"-Zeiten.
Schön zu hören ist, dass man auch neue Nuancen entdecken kann. So zum Beispiel die Akustikgitarren, die auch in 'The River' wieder auftauchen und von weiblichem Gesang unterstützt werden. Oder hier und da tauchen Chöre auf. Dennoch vergessen PARKWAY DRIVE nie, worauf es ihnen und ihren Fans ankommt.
Die große Masse wird "Atlas" eh wieder abfeiern. Aber all diejenigen, die vom Vorgänger vielleicht auch etwas enttäuscht waren, können sich über das vierte Studioalbum der Surfer Boys freuen. "Atlas" ist abwechslungsreicher als je eine PARKWAY DRIVE-Platte zuvor und erinnert trotzdem wieder mehr an alte Glanztaten wie das gefeierte Debüt. Ich bin mehr als positiv überrascht von dieser CD.

Ellie Goulding - Halcyon

'Starry Eyed' war eine der Indie-Pop Hymnen 2010. Um den Ohrwurm kam man eigentlich gar nicht herum. ELLIE GOULDING war sozusagen die neue KATE NASH. Auch das Debütalbum "Lights" konnte mit vielen weiteren Hits überzeugen. Nun, zwei Jahre später meldet sich die Britin mit ihrem zweiten Album "Halcyon" zurück.
Schon die erste Singles 'Anything Could Happen' ließ es vermuten: ELLIE GOULDING klingt 2012 wesentlich elektronischer als zuvor. Das liegt nicht mal an ihrer Beziehung zu ex-FROM FIRST TO LAST-Sänger Sonny Moore aka SKRILLEX, wie der ein oder andere vielleicht vermuten kann. Dieser Name taucht in den Credits nirgendwo auf, dafür ihr eigener als Co-Writer in jedem der Songs auf.
Wie gesagt klingt "Halcyon" wesentlich elektronischer, gleichzeitig aber auch düsterer. GOULDING singt mal wieder über Herzschmerz, verpackt es aber nicht in leicht verträumte Nummern wie auf dem Debüt, sondern untermalt ihre neuen Tracks mit eher düsteren Electro-Sounds. In 'Figure 8' kriegt man etwas Dubstep um die Ohren, währen 'Joy' ruhig aus den Boxen schallt. Der Großteil des restlichen Albums besteht aus einer Mischung aus Elektronik, Pop und Indie. Dabei liefert die junge Engländerin einen Haufen Hits ab, wie etwa 'Anything Could Happen', der sich langsam steigernde Opener 'Don't Say A Word', 'Explosions' mit seinem etwas verhaltenem Refrain oder das balladeske 'I Know You Care'. Einen Schwachpunkt kann man dieser Platte nicht attestieren. Der ein oder andere hätte sich vielleicht etwas mehr stilistische Ähnlichkeit zum Debüt gewünscht, wird aber auch mit den neuen Tracks bestens leben können.
"Halcyon" ist nicht ganz so ausgefallen wie ich mir den "Lights"-Nachfolger vorgestellt habe, dennoch hat ELLIE GOULDING ein sehr gutes Album abgeliefert, welches durch viele gute Songs besticht.

Billy Talent - Dead Silence

Das Debüt und besonders die zweite Platte von BILLY TALENT konnten ordentlich Staub aufwirbeln irgendwo zwischen Alternative Rock, Punk Rock und leichten Emo-Nuancen. Das dritte Werk hingegen plätscherte nur nett vor sich hin. Von daher habe ich keine allzu großen Erwartungen an das vierte Album "Dead Silence".
Allerdings steht nach dem ersten Durchlauf schon fest, dass die Kanadier wieder etwas mehr Pepp vorweisen können als noch auf "III". Allerdings ist es auch offensichtlich, dass man nicht viel am "Erfolgsrezept" (Anführungszeichen, denn wirklich kommerziell was reißen, kann man nur in Deutschland, Kanada sowie kleinen Märkten wie Schweden) geändert hat. 'Running Across The Tracks' oder 'Viking Death March' sind allerdings gute Songs, die ich der Truppe gar nicht mehr zugetraut hätte. Überraschen kann auch 'Love Was Still Around', das mit unerwarteten Classic-Rock-Zitaten aufwarten kann.
Was mich aber stört ist, dass sich seit dem Debütalbum nicht wirklich viel getan hat bei den Mitt-30ern. BILLY TALENT sind die AC/DC des Punk Rocks. Man kann dies Stiltreue nennen und es wird sicherlich einige freuen, dass man auch bei dem Quartett weiß, was man bekommt und nicht auf einmal auf Dubstep-Elemente trifft wie bei MUSE etwa. Aber einen kleinen Schritt aus der Komfortzone hätte man schon machen können. Auch zwei, drei Songs weniger hätten nicht geschadet. Ein über 50 Minuten langes Album, ohne allzu viel Abwechslung, ist dann doch zu viel des Guten.
Nette Songs kann die Band noch immer bzw. wieder schreiben. Nach dem schwachen "III" klingt man 2012 wieder etwas stärker. Mich hätte die CD vor fünf Jahren sicherlich auch ziemlich begeistern können, heute reicht es nicht für mehr als "nett" oder "ganz gut". Wahre Fans von BILLY TALENT werden "Dead Silence" allerdings feiern.

Converge - All We Love We Leave Behind

Hype, hype, hype! CONVERGE sind eine dieser Bands, die einfach machen können was sie wollen und die Fans feiern es tierisch ab. Gut, CONVERGE verändern nie wirklich viel an ihrem Sound. Hier und da gibt es neue Elemente oder eine kleine Überraschung. Es ist aber nicht so, dass man auf dem einen Album eine Mischung aus Hardcore, Metal und Gefrickel bekommt und auf dem Nachfolger Standard-Metalcore mit Pop-Refrains. "All We Love We Leave Behind" ist erneut ein Album welches dieser Tradition treu bleibt.
CONVERGE schauen auf "All We Love We Leave Behind" zurück auf die eigene Vergangenheit, blicken dafür allerdings auch in die Zukunft und reproduzieren nicht nur. Klar, Grundstein ist wie immer die Mischung aus Metal, Hardcore, Mathcore, Punk, da wird sich so schnell auch nichts mehr ändern. Die ersten Nummern erinnern aber durch ihren rohen und ungestümen Charakter an die frühen Tage der Bostoner Band. Allerdings sind diese Ausflüge in ein zeitgemäßes Gewand gehüllt.
Gerade, dass CONVERGE sich nicht nur am Genreprimus "Jane Doe" bedienen, sondern auch ihren älteren Werken macht "All We Love We Leave Behind" für mich aus. Diese ziemlich raue Note ist die große Stärke des neuen Albums. Die chaotischen Gitarren schinden auch dieses Mal viel Eindruck und verdienen Applaus, ähnlich wie der höchst intensive Gesang. Allerdings machen es diese Trademarks auch immer etwas anstrengend sich mit einem CONVERGE-Album vertraut zu machen, zumindest für jemanden, der diese Band nicht in höchsten Tönen lobt und CONVERGE als die Retter des Hardcores darstellt. Fakt ist aber, dass "All We Love We Leave Behind" ein gutes Album geworden ist, welches die Fans entzücken wird, aber groß neue Fans wird man wohl nicht dazu gewinnen. Wer vorher nichts mit den Lieblings-Chaoten der Szene anfangen konnte, der wird auch dieses Mal kapitulieren.


Text © by Sebastian Berning