Music Reviews

Rezensionen

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Green Day - iUno!

Heavy Metal Reviews

Einfacher wollten es GREEN DAY haben. Nach "American Idiot" und "21st Century Breakdown" sollte keine große Rockoper mehr folgen. Man wollte wieder (Punk) Rock Songs schreiben ohne viel Geschnörkel. Auch am Meilenstein "Dookie" wollte man sich wieder mehr orientieren. Auf drei Alben werden sich GREEN DAY nun austoben. Das erste der Trilogie ist "iUno!". Die erste Single 'Oh Love' konnte sich nach ein paar Durchgängen im Gehör festsetzen. Der Sound ist wesentlich mehr stripped-down als noch zu vor. Auch dies ist beabsichtigt. GREEN DAY orientierten sich unter anderem auch an Bands wie AC/DC beim Songwriting. Man wollte einfach klare Rocknummern schreiben und simpler als AC/DC geht ja nun auch schlecht. Der Rest des Albums aber plätschert erst einmal so vor sich hin ohne groß überzeugen zu können. Mit der Zeit aber wachsen die Songs langsam. Da werden dann aus den anfänglich gar nicht so spannenden 'Stay The Night' oder 'Kill The DJ' echt ziemlich gute Nummern. Auch der Rest der 40 Minuten langen Platte ist nicht wirklich schlecht. Aber irgendwie will man den Mitt-40ern die Songs über Parties und Mädchen nicht mehr so ganz abnehmen. Hier und da schimmern halt noch die ernsteren Seiten der letzten beiden Alben durch. Die Leichtigkeit von "Dookie" fehlt einfach. Großer Hit der Platte bleibt 'Oh Love', dies ist wirklich der einzige Song der wirklich herraus ragt und das von Anfang an. "iUno!" zeigt GREEN DAY trotz aller Kritik aber auf dem richtigen Weg. Man kann also Hoffnung haben das "iDos!" und "iTres" vielversprechende Alben sind. Immerhin konnte man sich von dem Totalausfall "21st Century Breakwon" wieder ansatzweise erholen und eine ganz nette Platte aus dem Ärmel schütteln, die zwar nicht zu den drei besten GREEN DAY-Werken zählt, allerdings wesentlich griffiger ist als der Vorgänger.

Title Fight - Floral Green

"Shed" hat vor knapp zwei Jahren einiges an Staub aufgewirbelt in der Hardcore- und Punk Rock-Szene. Irgendwo zwischen 90er Emo, Punk Rock und rauer Hardcoreenergie konnte man das damalige Album der vier Kerle von TITLE FIGHT ansiedeln. Nach unzähligen Touren und einem kleinen Hype erscheint nun mit "Floral Green" endlich das zweite vollwertige Album der Truppe aus Kingston. Schon nach dem ersten Hördurchgang von "Floral Green" lässt sich sagen, dass sich einiges getan hat in Camp TITLE FIGHT, aber irgendwie auch nicht. Man kann sich "Shed" als Grundlage vorstellen. Manche Songs wie das obergeniale 'Secret Society' sind etwas melodischer als früheres Material, andere Songs hingegen haben einen sehr deutlichen Grunge-Einschlag wie etwa das zurückhalentende 'Head In The Ceiling Fan' oder 'Lefty', das zweite Highlight neben besagtem 'Secret Society'. Andere Tracks wie der Opener 'Numb But I Still Feel It' oder 'Make You Cry' hätten so auch auf "Shed" Platz gefunden. Das soll aber nicht heißen, dass TITLE FIGHT nur in den Details was verändert haben. Man merkt die Veränderungen, auch wenn es sich nur kleine handelt, schon im Kontext des Albums. "Floral Green" ist vielseitiger als sein viel umjubelter Vorgänger "Shed". Und gerade da liegt die stärke des aktuellen Releases. Zwar ist "Shed" vielleicht einen Ticken intensiver als Gesamtwerk, die besseren Songs hingegen hat "Floral Green", so dass sich beide Werke in etwa auf Augenhöhe begegnen. TITLE FIGHT sind mit absoluter Sicherheit eine der Bands des 90's Emo/Pop Punk/Punk Rock-Revivals der letzten zwei, drei Jahre. Kaum eine Band macht ihnen etwas vor, höchstens MAN OVERBOARD. All die anderen Truppen, egal wie gut sie sind, können einpacken. Das macht "Floral Green" erneut deutlich. Fans der Vorgängerveröffentlichungen werden mit dem neusten Output des Quartetts aus Kingston absolut zufrieden sein.

At The Skylines - The Secrets To Life

Metalcore ist auch 2012 nicht tot zu kriegen. Ganz im Gegenteil Metalcore samt Umfeld scheint die letzten ein, zwei Jahre so vital wie lange nicht zu sein und viele gute Bands erscheinen an der Oberfläche. Egal ob Größen wie BRING ME THE HORIZON, ARCHITECTS oder PARKWAY DRIVE oder kleinere Truppen wie WE CAME AS ROMANS, BLESSTHEFALL, CONFIDE, CONFESSION oder THE WORD ALIVE, im Moment ist die Anzahl guter Releases sehr hoch. Mit AT THE SKYLINES haben Roadrunner Records einen heißen Newcomer am Start. Doch kann man wirklich mit der Konkurrenz mithalten? WE CAME AS ROMANS und THE WORD ALIVE lassen grüßen. Der Sound von AT THE SKYLINES ist ihnen sehr ähnlich. Breakdowns, etwas Elektronik und ein Wechselspiel aus Gesang und Gebrüll. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands gibt es hier sogar noch das ein oder andere Metal-Zitat auf die Ohren. Ganz ehrlich: Was großartig Neues oder Innovatives macht die Truppe nun wirklich nicht. "The Secrets To Life" kann man gut und gerne als ein herkömmliches Metalcore-Album abstempeln. Nur haben die Jungs den ein oder anderen mehr als ordentlichen Song auf ihren zehn Song starken Debüt vorzuweisen. 'Shady Dreamin'' oder '143 Princess' sind zwei absolut starke Songs, die sich auch dadurch ausweisen können, dass man nicht komplett dem typischen Metalcore-Schema F verfällt. AT THE SKYLINES sind um Abwechslungs bemüht und das gelingt ihnen auch ganz gut. Der klare Gesang taucht nicht immer nur im Refrain auf, was schon eine enorme Steigerung zu vielen anderen Bands darstellt. Mit 'Turbulence' kann man sogar einen kleinen Hit vorweisen, der bei YouTube ordentlich Beachtung bekam für eine solch junge Band wie AT THE SKYLINES. Als Metalcore-Fan sollte man sich AT THE SKYLINES auf jeden Fall einmal anhören. Dass das Rad nicht neu erfunden wird ist sicherlich eh jedem klar. "The Secrets To Life" kann aber durch manch gute Komposition überzeugen. Alle andere sollten vielleicht eher zu den bereits etablierten Bands greifen, wo man weiß, was man bekommt.

The Amity Affliction - Chasing Ghosts

Australien's Hardcore- und Metalcore-Szene hat mittlerweile mehr zu bieten als nur PARKWAY DRIVE und die wiedervereinigten I KILLED THE PROM QUEEN. Die letzten Jahre sind mit CARPATHIAN, 50 LIONS, CONFESSION, HOPELESS oder DREAM ON, DREAMER einige heiße Eisen aus dem Boden geschossen. THE AMITY AFFLICTION sind aber sicherlich das Heißeste von ihnen. Auf "Chasing Ghosts" liefert die Aussie-Truppe absolut nichts Neues was Metalcore angeht. Da gibt es die üblichen Breakdowns, das übliche groovige Riffing und das noch üblichere Gesang/Gebrüll-Wechselspiel. Aber dennoch schafft es die Band hier und da kleine Hits vom Stapel zu lassen. Man höre nur das sehr gute 'Open Letter', welches besonders durch den (natürlich) melodischen Refrain an Fahrt gewinnt. Leicht nervig ist nur das (bedauernswerterweise auch üblich gewordene) Autotuning des klaren Gesangs. Zwar ist es noch nicht so krass wie auf dem Debüt von ATTACK ATTACK!, aber man hört die technische Bearbeitung schon noch herraus. Zwar hat die Band die nichts aussagendsten Songtitel seit Langem, aber was sich hinter dummen Titeln wie 'Geof Sux 666' oder 'I Heart H.C.' verbirgt kann sich sehen lassen. THE AMITY AFFLICTION präsentieren auf ihren bereits dritten Album hochwertigen Metalcore, der jeden Szenefreund ansprechen sollte. Die 40 Minuten Spielzeit von "Chasing Ghosts" jedenfalls sind eine sehr kurzweilige Angelegenheit, die zwar jedes Genreklischee bedient, aber die Zutaten immerhin zu einem ganz netten Cocktail zusammen braut. Man darf gespannt sein in welche Richtung sich die Band auf ihrem nächsten Album entwickelt, denn der Erfolg sollte sich nach diesem Output nun wirklich so langsam einstellen.

Kiss - Ace Fehley

“Ace Fehley“ ist eines der vier Soloalben die KISS allesamt im September 1978 veröffentlichten. Zeitgleich ist ausgerechnet die Platte von Ace die kommerziell erfolgreichste der vier Veröffentlichung. Dabei stand der Gitarrist doch sonst immer im übergroßen Schatten von Paul Stanley und Gene Simmons, die das Gesicht der Band nach außen hin formten. Die Platte von Fehley ist die vielleicht erdigste und bodenständigste der vier Soloalben. Wo Paul schon stilistisch in die Richtung der 80er-KISS tendierte und dafür den Weg ebnete, hat Gene hingegen ein überladenes Rockwerk veröffentlicht wo er selbst Popdiva CHER mit trällern lässt. Vom soften Werk von Drummer Peter Criss spricht man besser erst gar nicht. Ace hingegen bietet dreckige Rocknummern, also in etwa ‘Save Your Love‘ vom Nachfolger “Dynasty“ auf Albumlänge. Meiner Meinung nach kommt Aces Soloplatte nicht an die von Paul heran, dafür ist Stanley einfach ein zu guter Songwriter. Rocken tut Fehley allerdings trotzdem auf acht von den neun Nummern. Das abschließende Instrumental ‘Fractured Mirror‘ hätte man sich allerdings schenken können. Die fünf Minuten Spielzeit gehören nun wirklich nicht zum Besten was der Spaceman komponiert hat. ‘In Need Of Your Love‘ oder ‘Speeding Back To My Baby‘ hingegen sind erstklassige Rock‘n‘Roll-Nummern, die jedem Fan des Gitarristen gefallen werden. “Ace Fehley“ ist nicht das beste der vier Solo-KISS-Alben, aber sicherlich das zweitbeste, an Paul Stanley führt nun einmal kein Weg dran vorbei. Allerdings sollte jeder selber entscheiden ob er denn wirklich alle vier Solowerke braucht, da der gewohnte KISS-Standard natürlich auf keiner (höchstens noch bei Paul) erreicht wird.

Isles & Glaciers - The Hearts Of Lonley People

Lange Zeit geisterte die Meldung durch die Medien, dass Mitglieder von CHIODOS, EMAROSA, PIERCE THE VEIL, CINEMATIC SUNRISE und THE RECEIVING END OF SIRENS zusammen eine EP unter dem Banner ISLES & GLACIERS aufnehmen wollen. Irgendwann tauchten drei Demo-Songs in schlechter Qualität im Netz auf, die schon großes erahnen ließen. Auch der bisher einzige Auftritt bei AP Showcase vom SXSW 2009 machte neugierig. Doch dann wurde es still um die Gruppe. Per Twitter gab man dann aber endlich ein Datum für die Veröffentlichung bekannt. Nun liegt die EP auf meinem Tisch, doch was erwartet mich also bei den sieben Songs, auf die ich schon so lange warte? 'Kings And Chandliers' ist ein spannungsaufbauendes Intro, nur getragen von Synthesizern bis die Drums einsetzen. Ein gelunder Übergang leitet in den Opener 'Hills Like White Elephants', welcher mit dem markanten Gesang von Craig Owens (DESTROY REBUILD UNTIL GOD SHOWS, mittlerweile wieder bei CHIODOS) beginnt. Übermäßig hart ist der Einstieg nicht ausgefallen. Viel mehr besticht er durch die drei Sänger Johnny Craig (EMAROSA), Vic Fuentes (PIERCE THE VEIL) und eben Craig Owens. Dem Hörer wird hier eine gute Mischung aus Post-Hardcore, Rock/Pop der Marke PRINCE und elektonischen Spielerein geboten. Die beiden nächsten Songs 'Clush' und 'Empty Sighs And Wine' stellen die Höhepunkte der EP da. Die Wechsel der Sänger und das Zusammenspiel der Musiker ist nahezu perfekt. Man präsentiert sich eingängig, dennoch anspruchsvoll und baut in den Songs eine gute Dynamik auf. Flottere Parts, ruhige Momente für die Mädchen oder gelegentlich auch harte Passagen mit Gebrüll von Craig Owens. 'Oceans For Backyards' ist dann wieder ein ruhiges Instrumental bevor man zu 'Viola Lion' übergeht. Ein eher ruhiger Song mit einem erneut großen und eingängigen Refrain. Aber vor allem der Mittelteil weiß zu gefallen. Erst ruhig und gesungen von Fuentes, bevor der flottere Teil, gesungen von Craig Owens, anfängt und in ein sanftes Piano-Thema mündet bevor der Refrain wieder erklingt. Der letzte Song, das siebenminütige 'Cemetary Weather' ist ebenfalls ruhiger ausgefallen, bietet aber einen hervorragenden Abschluß. Die gesamte erste Strophe basiert nur auf Keyboards und dem Gesang von Owens und Craig, bevor leise Gitarren und Fuentes im Refrain zu hören sind. Erst danach setzen auch Drums und Gitarren in der Strophe ein, was es noch spannender macht. Und so baut sich der Song langsam auf, um nach seinem Höhepunkt die EP in einem drei minütigen instrumentalen Part enden zu lassen. "The Hearts Of Lonely People" war/ist eins der Releases 2010. Die EP kann einfach nicht totgehört werden und muss in regelmäßigen Abständen immer wieder aufgelegt werden. Der Begriff "Supergroup" spiegelt sich nicht nur durch die Namen der Musiker wieder, sondern auch in der Musik, welche fast schon perfekt umgesetzt wurde. Erhältlich ist die CD nur über http://www.merchnow.com und MP3-Anbietern wie iTunes oder Amazon.


Text © by Sebastian Berning