Music Reviews

Rezensionen

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Muse - The 2nd Law

Heavy Metal Reviews

Spätestens seit "The Resistance" sind MUSE eine der Rockbands unserer Zeit und spielen locker in ausverkaufen Arenen, heimsen Platinauszeichnungen ein und müssen sich eigentlich nur noch vor COLDPLAY und den FOO FIGHTERS verstecken. Dass die Zeiten vom fetzigen Alternative Rock der ersten drei Alben vorbei sind, ist wohl mittlerweile jedem klar. "Absolution" (für andere "The Origin Of Symmetry") wird auf Ewig das Werk des Trios sein. Was kann man von "The 2nd Law" erwarten? Werden MUSE noch poppiger, legen alle Ambitionen und Prog Rock-Einflüsse ad acta und liefern zarten Gitarren-Pop? Suhlt man sich weiter im Erbe von QUEEN und fährt vom ersten bis zum letzen Takt ein komplettes Orchester samt 75 köpfigen Chor auf? Zugegeben die Olympia-Hymne 'Survival' lies den Eindruck irgendwie entstehen, konnte aber nicht wirklich überzeugen. 'Madness' hingegen war mir nach dem ersten hören direkt einen Einkauf im iTunes-Store wert. Ganz klar zählt dieser Track zu den fünf besten Kompositionen der Truppe. Zwar ist gerade der Song mit am poppigsten auf dem Album und lässt die Gitarren für knackige Beats und Keyboardflächen weit in den Hintergrund rücken, aber die Melodie, welche Matt Bellamy hier singt, ist dermaßen eingängig und doch melodramatisch, dass selbst 'Muscle Museum' in greifbarer Nähe ist. Insgesamt betrachtet sind die Gitarren aber präsenter als ich gedacht habe. MUSE vereinen auf "The 2nd Law" wieder verschiedenste Stile. Egal ob Prog Rock, Electronic, Dubstep, Rock, New Wave oder Pop, MUSE vermisen alles zu einem Sound, der ganz klar nur von dieser britischen Band stammen kann. Keine andere Gruppe klingt so wie das englische Trio. Bellamy ist einfach ein begabter Songwriter. Dies merkt man besonders im direkten Vergleich zu den beiden Kompositionen von Bassist Christopher Wolstenholme. Dieser hat mit 'Save Me' und 'Liquid State' nämlich auch zwei Nummern beigetragen und singt diese auch. 'Save Me' ist leider der Tiefpunkt der Platte, dieser Song kommt so gar nicht aus dem Quark und plätschert (recht kitschig) vor sich hin. 'Liquid State' ist das komplette Gegenteil und die heftigste Nummer von "The 2nd Law", reicht aber dennoch nicht an Material der Klasse 'Madness', 'Survival' (ja, es hat Klick gemacht), 'Follow Me' oder 'Big Freeze' heran. Auch die beiden 'The 2nd Law'-Teile können überzeugen, auch wenn dies eigentlich nur Instrumentals mit ein paar gesprochenen Textfetzen sind. Besonders der erste Part 'Unsustainable' wird einigen vor den Kopf stoßen, praktizieren MUSE hier doch reinen Dubstep. Ob "The 2nd Law" nun besser ist als "The Resistance" kann ich noch nicht sagen. Was allerdings klar ist, ist dass MUSE hier wieder eine sehr gute Platte gemacht haben. Zwar hätte 'Save Me' nicht sein müssen, aber ansonsten haben es MUSE wieder geschafft absolut klasse Songs zu schreiben.

War From A Harlots Mouth - Voyeur

Zugegeben, "MMX" das letzte Album der Berliner WAR FROM A HARLOTS MOUTH hat sich nicht wirklich durchsetzen können. "Transmetropolitan" sowie "In Shoals" sind einfach stärkere Alben gewesen. "MMX" hingegen war wie sein Vorgänger düster und setzte auf brutale Breakdowns und viel Gefrickel, konnte allerdings keine wirklichen Highlights setzen. Es wollte sich einfach nichts festsetzen und der Hörspaß verging auch recht schnell. Hoffentlich ist "Voyeur", das vierte Album, da etwas besser. Nach dem zarten Geigenintro legt die Truppe eigentlich los wie auf "MMX". Den Hörer erwarten im Albumverlauf wie frickelige Parts, Breakdowns, keine Melodie, dafür viele Dissonanzen. "Voyeur" besitzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger aber wieder spritzigere Ideen, wie der fast schon rotzige Anfang von 'Of Fear And Total Control' oder den brutalen Opener 'Vertigo'. Der Breakdown zu Begin von 'Temple' sollte auf den Shows eine Menge Köpfe im Pit rollen lassen. Eingängig ist die ganze Kiste natürlich immernoch nicht und die Scene Kid-Parts von "Transmetropolitan" oder mit Abstrichen auch "In Shoals" fallen unter den Tisch. Dafür wirkt die düstere Atmosphäre der vierten Langspielplatte überzeugender. WAR FROM A HARLOTS MOUTH haben an den Schwächen des 2010er Releases gearbeitet und sind zwei Jahre wieder erstärkt. Vielleicht liegt es daran, dass "Voyeur" nicht mehr ganz so verkopft wirkt. Wer jetzt die Augen erschrocken aufreißt, kann direkt wieder durchatmen. WAR FROM A HARLOTS MOUTH bewegen sich musikalisch immer noch auf einem sehr hohen Niveau, nur wirken die melodielosen und eher tristen Tracks etwas "lockerer" auf eine gewisse Art und Weise. Die ersten beiden Alben wird die Berliner Band nie wieder erreichen, das steht nun fest. Dennoch ist die neuste Aufnahme WAR FROM A HARLOTS MOUTHs eine gelungene Sache, die den schwachen Vorgänger locker übertrumpfen kann. Fans können sich schon jetzt gierig die Hände reiben und sich auf die Veröffentlichung von "Voyeur" freuen.

The Maine - Pioneer & Good Love

"Can't Stop, Won't Stop", das 2008er Album von THE MAINE, ließ noch zarte Mädchen-Bands wie MAYDAY PARADE oder THE ACADEMY IS... wie asoziale Rocker wirken. Umso erstaunlicher war, dass THE MAINE mit dem Nachfolger "Black & White" wesentlich erwachsener klungen und amerikanisch geprägte Rockmusik boten. "Pioneer" erschien letztes Jahr in den USA, mit der B-Seiten EP "The Good Love" erscheint es hier als Doppelpack auf einer CD. Ähnlich wie beim Vorgänger klingt die Truppe erwachsen, scheint sich eher für BRUCE SPRINGSTEEN als für FALL OUT BOY zu interessieren und verabschiedet sich vom Teenieband-Image. Mittlerweile sind THE MAINE eine solide Rockband geworden, die zwar selten richtig los brettert, aber dafür gute Radionummern präsentiert, die nicht einmal halb so cheesy sind wie etwa NICKELBACK. 'Some Days' könnte auch perfekt im Radio zwischen den FOO FIGHTERS, REVOLVERHELD und OASIS laufen. Das soll nicht heißen, dass sich der Song an diesen Bands orientiert, sondern nur, dass THE MAINE Musik für große Massen schreiben wollen. Das können sie sogar ziemlich gut.
"Pioneer" zeigt die Band von ihrer besten Seite. Wieder ernster als noch auf "Black & White" rockt die Band sich gut durch die 51 Minuten lange Platte. Direkt im Anschluss gibt es mit "The Good Love" noch eine EP vom Ausschussmaterial von den "Pioneer"-Sessions. Und dieses muss sich absolut nicht verstecken, aber es ist schon erkennbar, warum diese sechs weiteren Lieder nicht auf dem ursprünglichen Release waren. Das hat nichts mit der Stärke des Materials zu tun sondern eher mit der stilistischen Ausprägung. Die Nummern erinnern etwas mehr ans die poppigere Vergangenheit. Dennoch kann man nur hoffen, dass 'Good Love' oder 'Goodbye' es in die Setlist der Shows von THE MAINE schaffen. "Pioneer & Good Love" kann sich von Anfang bis Ende sehen lassen. Es ist zwar zu empfehlen, die beiden Teile einzeln zu hören, weil 70 Minuten THE MAINE vielleicht etwas zu viel des Guten sind, aber Spaß werden die Fans mit diesem (Re-)Release auf jeden Fall haben.

Obey The Brave - Young Blood

THE GHOST INSIDE sind im Moment eines der heißesten Eisen was Metalcore angeht. Mit einer ordentlichen Portion Hardcore und etwas Melodie reißt die amerikanische Band zur Zeit einiges. Das aktuelle Album "Dark Horse" ist eines der Highlights der Szene 2012. Klar, dass da einige Leute auf den Trendzug aufspringen wollen. OBEY THE GRAVE zum Beispiel. Alex Erian, besser bekannt als einer der beiden Vokalisten der aufgelösten kanadischen Deathcore-Institution DESPISED ICON, bringt mit OBEY THE BRAVE seine neue Band an den Start. Deathcore konnte seine alte Truppe ja schon sehr gut, seine Neue kann in ihrem Bereich leider nicht mit der Spitze mithalten. "Young Blood" bietet nichts, was THE GHOST INSIDE nicht schon Klassen besser geboten hätten. Metalcore mit einer ordentlichen Portion MADBALL, Breakdowns, dem ein oder anderen melodischen Riff und viel Unity-Geprolle.
Wirklich viel passiert auf den elf Song starken Debütalbum nicht. Die Tracks rauschen nahezu am Hörer vorbei, ohne dass auch nur irgendwas groß Aufmerksamkeit erregen könnte. Schlecht gemacht ist die ganze Schose zwar nicht, jeder Musiker versteht sein Handwerk und liefert sicherlich keine schlechtere Leistung ab als die meisten anderen in der Szene, aber irgendwie will der Funke nicht überspringen. Es mag daran liegen, dass einfach keinen zündenen Ideen vorhanden sind oder dass die Songs in sich selber zu gleich klingen. Letztendlich sind OBEY THE BRAVE nicht wirklich herausragend. Einzig und allein der letzte Track 'Burning Bridges' kann durch seinen gesungenen Refrain etwas aus dem üblichen Muster ausbrechen, aber auch da machen es x andere Gruppen einfach besser. Wäre "Young Blood" auch nur halb so spannend wie ähnliche Releases wie etwa "Returners" oder "Dark Horse" von THE GHOST INSIDE oder die aktuelle CONFESSION-CD "Long Way Home", hätten OBEY THE BRAVE einiges reißen können. So hingegen ist "Young Blood" einfach nur eines von vielen Alben, welches die Metalcoreszene jede Woche auf den Markt schmeißt - ohne dass der Hahn danach krähen würde.

Deep Purple - Singles Anthology

DEEP PURPLE waren einst eine großartige Band, die kontinuierlich gute Alben mit Klassiker-Potenzial veröffentlichte. Doch schon seit den Neunzigerjahren schwächelt die Band. Schlecht sind die Werke der britischen Hard-Rock-Legende seit dem bei Weitem nicht, doch an Klassiker wie "In Rock", "Machine Head", "Fireball" oder "Burn" kommt man dennoch nicht mehr heran. Nun bietet man dem Fan einen Überblick über die Singles von 1968 bis 1980. Und obwohl die EMI so ziemlich jedes Album aus dieser Zeit neu aufgelegt und mit massig Bonustracks aufgestockt hat, bietet diese Compilation immernoch etwas neues für viele: Hier findet man nämlich Single A- und B-Seite.
Natürlich bietet man gewohnte Kost wie 'Smoke On The Water' (direkt in Studio- und Live-Version), 'Hush', 'Black Knight' oder 'Demon's Eye. Andere Klassiker aber in alternativen Versionen, wie die Piano-Version von 'Speed King'. Das schöne hier ist: Man hat so ziemlich jeden Song, den man kennen muss, in irgendeiner Form vertreten. Egal ob es sich nur um einen Single-Edit aus Japan wie bei 'Burn' handelt, Live-Versionen wie 'Smoke On The Water' oder Studioversionen wie 'When A Blind Man Cries'. Der aufmerksame Fan aber wird schon beim ersten Absatz gedacht haben, dass die EMI bereits 1993 eine derartige Sammlung unter dem Titel "DEEP PURPLE Singles A's & B's" veröffentlicht hat. Doch die 2010er Varinate "Singles & E.P. Anthology '68-'80" bietet dem Fan einen umfassenderen Überblick über das Schaffen der Band, von Mark I bis Mark IV, den klassischsten Line-Ups der Briten.
"Singles & E.P. Anthology '68-'80" ist also nicht nur für Neueinsteiger was, sondern bietet auch alten Fans etwas. Immerhin wird die "Hush"-Single nicht mehr im besten Zustand sein und auf den iPod lässt sich das Vinyl auch nur durch umständiges Umwandeln überspielen. Zudem wird das Booklet durch Liner-Notes zu jeder Veröffentlichung samt Cover geschmückt. Der Sound der alten Aufnahmen ist natürlich auch aufgemotzt worden.


Text © by Sebastian Berning