Music Reviews

Rezensionen

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Morrissey – Swords – Bon Jovi – Bounce

Heavy Metal Reviews

„Swords“ vereint die B-Seiten der letzten drei MORRISSEY-Studioalben, „You Are The Quarry“, „Ringleader of the Tormentors“ und „Years of Refusal“. Auf diesen Alben hat der SMITHS-Sänger seine Liebe zu großem Pop und Gitarrenmusik wiederentdeckt und welche seiner erfolgreichsten Alben veröffentlicht. THE SMITHS und der „frühe“ MORRISSEY haben stets großartige B-Seiten vorgelegt. Ob „Swords“ da mithalten kann? Nur bedingt, um die Antwort vorweg zu nehmen. Zu Beginn dümpeln die Songs im gehobenen Mittelmaß rum. Sweet Pie ist dann der absolute Abschuss. Nur verzerrter Gesang und Rückkopplungsgeräusche. Da kann man schon mehr von der britischen Musiklegende erwarten. Und genau jetzt kommen endlich gute Songs. Christian Dior, I Knew I Was Next, Munich Air Disaster 1958, Shame Is The Name oder It’s Hard To Walk When You’re Small sind allesamt fabelhafte Stücke. Zwar kann man nicht ganz mit den drei Alben mithalten, dafür war der Qualitätslevel zu hoch, doch gut sind die Nummern auf jeden Fall. Knackpunkt der Compilation ist auf jeden Fall die Länge. 18 Songs in fast 67 Minuten sind schon hart an der Grenze, zumal es sich nur um „Ausschussware“ handelt, die nicht gut genug für die regulären Platten waren. Da hätte man ruhig vier, fünf Liedchen streichen können – nur wäre die Sammlung dann eben nicht komplett.

2002 melden sich BON JOVI mit ihrem neuen Album „Bounce“ zurück. „Crush“ lieferte zwei Jahre zuvor mit It’s My Life zwar einen der erfolgreichsten Songs der Bandgeschichte, doch konnte das Album an sich nur wenig überzeugen. Mit „Bounce“ wollte man wieder härter klingen. Da hofften einige natürlich auf eine Rückbesinnung auf die alten Glam Metal-Zeiten, doch werden diese enttäuscht. Doch ist „Bounce“ um einiges besser als sein Vorgänger. Hier und da rockt das Quintett aus New Jersey wirklich wieder um einiges härter. Man höre nur die Single Everyday. Mit Missunderstood ist ebenfalls einer der besten Songs der „neuen“ BON JOVI zu hören. Ein netter Radiorocksong. Großer Refrain, gehobenes Midtempo und wenig Ecken und Kanten. Dafür steht die Truppe nun mal seit spätestens „Crush“, wenn nicht sogar schon seit dem großartigen „Keep The Faith“ von 1992. Balladen gibt es natürlich auch wieder en masse wie etwa All About Loving You, Love Me Back, You Had Me At Hello sowie Open All Night. Bei zwölf Songs sind das sicherlich etwas viele Balladen, allerdings sind BON JOVI auch eine Gruppe, welche stets äußerst gelungene Balladen schreibt, wenn man mal vom absolut langweiligen Thank You For Loving Me („Crush“) absieht. „Bounce“ zeigt BON JOVI wieder etwas rockiger, doch wird man wohl nie wieder an die glorreichen Achtziger heran reichen. Die Glam-Tage sind gegessen und BON JOVI bedienen nun den Mainstream mit Radiorock und Balladen, die jede Hausfrau beim bügeln erfreuen. Das „dumme“ ist nur, dass sie das so gut machen, dass es auch anderen Leuten Spaß machen kann.

Your Demise – The Golden Age

2010 konnten YOUR DEMISE mit “The Kids We Used To Be…” ordentlich Staub aufwirbeln. Mit ihrem neuen Sänger Ed McRae konnte man wesentlich andere Songs schreiben als bisher. Weg war der düstere und aggressive Sound der ersten Releases mit George Noble am Mikrofon. YOUR DEMISE 2010 waren melodischer, frischer und setzten hier und da auch klaren Gesang ein. Doch „The Golden Age“ stellt selbst das noch in den Schatten. YOUR DEMISE können 2012 einfach alles. Hardcore, Breakdowns, Pop Punk. Alles ist kein Problem für die Band. Mit These Lights, Paper Trails oder A Decade Drifting bietet man lupenreinen Pop Punk der Marke THE WONDER YEARS oder MAN OVERBOARD. Auf der anderen Seite stehen brutale Songs wie Born A Snake. Doch am besten sind die Briten wenn sie melodisch sind. These Lights ist ein absolutes Highlight des vierten Studioalbums. Ähnlich wie Forget About Me oder Worthless, welche die harte und die melodische Seite der Band absolut genial mit einander verbinden. Auf vier Songs tummeln sich übrigens ganze sieben Gastsänger. Unter anderem die Sänger von YOU ME AT SIX, DOWN TO NOTHING, EVAROSE oder BRUTALITY WILL PREVAIL. Vielleicht sind sieben Gäste auf einem Album etwas viel des Guten, doch besonders YOU ME AT SIX-Sänger Josh Franceschi macht auf A Decade Drifting einen absolut großartigen Job. „The Golden Age“ zeigt YOUR DEMISE so frisch und offen wie nie zuvor. Das Album ist locker das Hardcore-Sommeralbum 2012, welches von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht. Viel zu meckern gibt es nicht an diesem Hitfeuerwerk. YOUR DEMISE liefern viel Melodie und somit auch noch viel mehr Hits als auf den Vorgängerwerken. Zwar hat man sich definitiv vom Hardcore gelöst, doch ist das egal bei einem Ergebnis wie „The Golden Age“.


Strength Approach – With Or Without You

With Or Without You, I Can't Live With Or Without You'. Da muss ich mich wohl doch als U2-Gutfinder outen. "The Joshua Tree" steht in meinem Schrank und wird auch ab und an mal gehört. Bono und Co haben eh viele wirklich gute Songs - auch neuere, wie etwa 'Sometimes You Can't Make It On Your Own', oder 'Vertigo'. Doch ich schweife ab... STRENGTH APPROACH und U2 haben so viel miteinander gemeinsam wie Bono und Kim Jong Il. Erstgenannte zelebrieren Tough Guy-Hardcore der übelsten Sorte. Die Referenzen sind klar: MADBALL, TERROR, alte HATEBREED, H2O, BIOHAZARD. Und nun kann eigentlich einer der beiden Tough Guy-HxC-Reviews folgen: Der gute oder der schlechte. Man darf hier getrost zu zweiterem greifen. Tough Guy, Unity-Gedanke, Mosh, MADBALL. So hat man mal eben schnell alle wichtigen Begriffe abgedeckt, die in diesem Review stehen müssen. Genauso scheinen auch STRENGTH APPROACH eine Liste abzuarbeiten. Hier fehlt wirklich keine einzige Standardzutat für diese Art Musik und genauso wenig wird man auch mehr finden, als es das Playbook of Hardcore for Tough Guys erlaubt. Ähnlich wie beim Pop Punk gibt es eben nur gute und mittelmäßige Bands. Wirklich schlecht ist selten etwas, nur differenziert sich die Mittelmäßigkeit durch langweilig, langweiliger, noch langweiliger, am langweiligsten, STRENGTH APPROACH. Positiv anmerken darf man, dass alle Musiker ihre Instrument halbwegs bedienen können, nur reicht das eben nicht für eine gute Platte. "With Or Without You" ist ein absolutes Standardwerk, welches selbst absolute Die Hards eher vorsichtig genießen sollten. Doch wer schon SETTLE THE SCORE abfeiert, dem ist eh kaum noch zu helfen...

Text © by Sebastian Berning


ICED EARTH - Plagues Of Babylon

Die Kollegen anderer Online-Magazine haben sicherlich zahlreiche Argumente vorgebracht, warum das neue ICED EARTH-Album wahlweise keineswegs oder auf jeden Fall eine lohnenswerte Investition ist. Ohne viel Firlefanz schließe ich mich eher der zweitgenannten Gruppe an, weil ich kein neues "The Dark Saga" erwartet habe und die Frühphase der Band mich ohnehin nicht so begeistert. Seit Stu Block den heiß begehrten Sängerposten übernommen hat, zeigt die Formkurve der Band wieder nach oben, und das ohnehin schon gute "Dystopia" ist noch einmal ein klein wenig übertroffen worden. Sehen wir mal von der überflüssigen Ballade "If I Could See You" ab, bei der Jon Schaffer lediglich irgendeine alte Komposition noch einmal neu hat einspielen lassen, ist der Rest des Songmaterials guter, hymnenhafter Metal, dem es im Vergleich zu einem Überwerk wie "Something Wicked This Way Comes" vielleicht ein wenig in Düsternis und Atmosphäre mangelt, dessen Umsetzung aber mitreißend und überzeugend ausfällt. Die Produktion ist gelungen, an den dominanten Drumsound muss man sich womöglich etwas gewöhnen. Dass Songs wie die jeweils mit grandiosen Refrains ausgestatteten "The Culling" "Among The Living Dead" oder "Resistance" gute, eingängige Metal-Songs sind, ist aber ohnehin nicht zu verleugnen. Mit "The End" und "Cthulhu" gibt es direkt zwei ebenfalls sehr gelungene Epen, die in bester Iron Maiden-Manier ruhig beginnen und sich dann zu Hymnen für die Massen steigern, die nicht nur vor der heimischen Anlage, sondern sicherlich auch live eine melodische Brillanz ausstrahlen, die an große Momente des Stadion-Rocks erinnern, wenn auch weniger kommerziell. Stu Block ist als Sänger noch ein ganzes Stück gereift und klingt nun wesentlich öfter nach sich selbst als nach seinem Vorgänger, und zahlreiche Details im Gitarrenbereich (Leadbreaks, Riffs, Soli) machen "Plagues Of Babylon" auch für diejenigen interessant, die gerne etwas genauer hinhören.

THROWDOWN - Intolerance

THROWDOWN aus Orange County bleiben ihrer Linie weitestehend treu und bewegen sich auf ihrem neuen Album "Intolerance" sogar wieder ein Stück weiter Richtung Wurzeln. Die PANTERA-Einflüsse wurden wieder etwas heruntergeschraubt, so dass "Intolerance" wieder ein metallastiger Hardcore-Wutklumpen ist, der 100% die TERROR- und HATBEBREED-Zielgruppe anspricht. Das gilt auch für die immer wieder in den Texten demonstrativ zur Schau gestellte Attitüde, in der Straight Edge und ein bisschen Genre-typischer Prollerei geradezu plakativ präsentiert werden. Die wütende halbe Stunde ist weder besonders innovativ, noch musikalich herausragend, dürfte die Zielgruppe aber gerade deshalb voll und ganz ansprechen. Die Produktion ist druckvoll und metallisch, die Songs kommen schnörkellos auf den Punkt, und deshalb kann auch ein relativ kurzes Review der Sache vollauf gerechtwerden: Jeder, der sich genannten Bands angesprochen fühlt und/oder mit THROWDOWN bisher etwas anfangen könnte, wird mit "Intolerance" bestens klar kommen.

Text © by Heiko Eschenbach