Music Reviews

Rezensionen

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The Quireboys - Black Eyed Son

The Quireboys

"Black Eyed Sons" ist für den Fan ein Rundumschlag. Zwei CDs und eine DVD. Die erste CD bietet das gleichnamige neue Studioalbum der britischen Rocker. Der zweite Silberling präsentiert den Akustikgig vom Sweden Rock 2013 und obendrauf gibt es noch eine vollwertige Live-DVD mit einem kompletten Konzert aus London. Was will der Fan mehr? Das neue Album der QUIREBOYS ist mehr als solide. Die Band erfindet sich nicht neu, sondern bleibt ihrem altbekannten Stil zu 100 Prozent treu. Irgendwo zwischen Rock'n'Roll, Sleaze, Pub Musik und den ROLLING STONES kann man die zehn Nummern einordnen. Besonders der flotte Rocker 'Troublemaker', der das Album eröffnet, und das etwas ruhigere aber sehr coole 'Stubborn Kinda Heart' können punkten. Dennoch ist der zweite Teil dieses Dreierpacks etwas interessanter. Die Band bietet ein ordentliches Set und präsentiert dabei altbekannte Songs im reduzierten Akustik-Gewand. Gegen diesen spielerisch wie soundtechnisch gelungenen Mitschnitt kann die DVD leider nicht ganz anstinken. Dies liegt besonders an den bescheidenen Lichtverhältnissen auf der Bühne, die in einem recht dunklen Bild beim Endprodukt resultieren. Die Fans sind ebenso erstaunlich zaghaft und sind während der Songs kaum auszumachen. Dabei liefert THE QUIREBOYS eine grundsolide Rock'n'Roll-Show mit einem Set voller Hits. Der geneigte Fan wird wohl sowieso zuschlagen, um das neueste Studioalbum zu hören. Die beiden Bonus-CDs sind für eingefleischte Fans nette Boni, stellen allerdings auch kein unverzichtbares Material dar, welches man gehört und gesehen haben muss.


Brigades - Crocodile Tears

Pure Noise Records lieferte in den letzten Jahren einige respektable Releases im Pop Punk-Sektor. STATE CHAMPS, FOREVER CAME CALLING oder die genialen THE STORY SO FAR sind Hochkaräter im Labelrooster. BRIGADES könnte sich ebenfalls zu einer der heißesten Bands der Plattenfirma entwickeln. Warum? Weil die US-Truppe klingt wie eine Mischung aus dem THE AUDITION-Debüt "Controversy Loves Company" und den poppigeren Momenten von UNDEROATH's Meilstenstein "They're Only Chasing Safety". Bei BRIGADES äußert sich der Mix insofern, dass die Musik zwar klar Pop Punk ist und man viele der Melodien auf besagtem THE AUDITION-Album hätte treffen können, allerdings verleiht der Post-Hardcore-Einfluss und sparsam eingesetztes Gebrüll der Gruppe einige Ecken und Kanten. Besonders durch das gute Drumming gewinnen die Songs an Pepp. Der flotte Opener 'Whippstaff Manor' knallt aus den Boxen und sollte keinen Fan der härteren Pop Punk-Szene kalt lassen. Highlight der sechs Song starken EP ist aber 'Small Time Crooks', welches mit seinem rockigen Refrain extrem punktet. Besonders hier muss man an THE AUDITION oder Bands wie (alte) THE ALL-AMERICAN REJECTS denken. Sollte das hoffentlicht in baldiger Zukunft erscheinende Debütalbum von BRIGADES den Standard der "Crocodile Tears" EP halten können, so wird die Band schnell zur Spitze von Pure Noise gehören. Man kann 22 Minuten sicherlich schlechter verbringen, als mit dieser Veröffentlichung.


Dead By April - Let The World Know

Ist das noch Metalcore? Oder überhaupt noch (moderner) Metal? DEAD BY APRIL gehört zu den Bands, die vom Zahnarzt verboten werden. Der glattgebügelte Metal der Schweden sollte selbst Teenie-Mädchen abschrecken. "Let The World Know" ist eigentlich kaum der Rede wert. Geboten wird Metal der aller poppigsten Marke. Ob die Band überhaupt Metal spielen möchte, hätte man vielleicht vor Aufnahme des dritten Albums im Proberaum klären sollen. Keine der dreizehn Nummern kann begeistern. Die Refrains dieses Albums sind dermaßen schmalzig, dass das Hören absolut keinen Spaß macht. Öfters kam mir die Frage auf, warum DEAD BY APRIL überhaupt noch härtere Passagen in die Songs einflechten. Scheinbar mag man alte Fans nicht verschrecken. Allerdings verschreckt man mit dieser vorhersehbaren Pop-Platte jeden Fan. Ehrlich gesagt sind sogar diese paar Zeilen zu viel Aufmerksamkeit für eine der schwächsten Platten, die ich in langer Zeit gehört habe. Die zwei Punkte gibt es nur, weil die Schweden hier und da recht kompetent an ihren Instrumenten agieren.


Real Friends - Maybe This Place Is The Same And We're Just Changing

Die erst 2013 erschienene EP "Put Yourself Back Together" verschaffte REAL FRIENDS einen Vertrag mit dem Pop Punk/Metalcore/Post-Hardcore-Giganten Fearless Records. Mit "Maybe This Place Is The Same And We're Just Changing" liefert man nicht nur einen unfassbar langen Albumtitel, sondern auch das erste komplette Album. REAL FRIENDS hatte schon immer einen großen 90er Jahre Emo-Einfluss im Bandsound. Die Vorliebe für Bands wie JIMMY EAT WORLD, SUNNY DAY REAL ESTATE oder TEXAS IS THE REASON konnte man den bisherigen Kompositionen anhören. Dieser Einfluss erhält beim Debüt einen noch prominenteren Platz im Songwriting. So sind viele der Songs etwas ruhiger als das bekannte Material der Pop Punker. Selbst der Opener 'I Don't Love You Anymore' eröffnet nach dem Intro das Album recht verhalten. Allerdings bin ich mir echt unschlüssig, ob mich diese etwas ruhigere Ausrichtung reizt oder doch enttäuscht. Jedenfalls braucht "Maybe This Place Is The Same And We're Just Changing" ein paar Durchgänge, bevor es zündet. Dann aber freundet man sich mit der kleinen Kurskorrektur an und freut sich über tolle Songs, wie 'Cover You Up', 'Loose Ends', oder das ruhige 'Sixteen'. Auch erkennt man, dass REAL FRIENDS den Sound nicht großartig verändert, sondern nur etwas Tempo rausgenommen und die bereits vorhandenen Emo-Einflüsse ausgebaut hat. Dennoch: "Put Yourself Together" erschien mir etwas kantiger und flotter. Insgesamt ist das REAL FRIENDS-Debüt ein gelungenes Album. Zwar kann man nicht ganz mit stilistisch verwandten Bands wie THE WONDER YEARS oder MAN OVERBOARD mithalten, dennoch macht "Maybe This Place Is The Same And We're Just Changing" Spaß und sollte von jedem Pop Punk- und Emo-Fan zumindest Probe gehört werden.

Text © by Sebastian Berning


Heat - Labyrinth

Im Gegensatz zu ihren schwedischen Kollegen mit den Punkten im Bandnamen sind diese Berliner eine der zurzeit so angesagten Retro-Rock-Bands. Dabei machen sie in den allermeisten Punkten Vieles richtig. Der Sound ist angenehm trocken und transparent, so dass die ansprechenden Twin-Leads der beiden Gitarristen das Fundament des Sounds bilden können. Heat erinnern dabei manchmal an Thin Lizzy, manchmal an Black Sabbaths mittlere Ozzy-Phase, klingen aber nie nach einem Plagiat.
In einigen Songs, etwa dem achtminütigen "The Golden Age" kommt ein progressiver Ansatz hinzu, der die Songs ungeheuer aufwertet. Die Band hält mal inne, setzt akustische Gitarren oder Tribaldrums wie Deep Purple in ihrer Frühphase ein, bläht einzelne Parts aber nie zu lange auf. Der Gesang wirkt ambitioniert, an manchen Stellen möglicherweise ein bisschen zu sehr. Auch der deutsche Akzent ist recht deutlich wahrzunehmen. Das macht aber nichts, da der Sound zu jedem Zeitpunkt authentisch wirkt. Die zahlreichen Gitarrenmelodien und -soli dürften dem Fan von 70er besonders gut gefallen.
Woran die Band noch arbeiten kann und sicher wird, ist das Gefühl für richtig griffiges Songmaterial, dass man jedoch nicht von einem Debüt erwarten sollte. Ein paar strukturierte Songs mit eingängigen Melodien oder Ähnliches fehlen dem insgesamt ziemlich sludgigen Album nämlich noch. Potenzial ist bei den Hauptstädtern jedoch vorhanden, so dass sich Heat womöglich tatsächlich als zweite wichtige Berliner Retro-Band neben Kadavar etablieren können.
6/10 Punkten

Text © by Heiko Eschenbach