Music Reviews

Rezensionen

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Suicide Silence - You Can't Stop Me

Suicide Silence

Der Tod von Mitch Lucker war ein Schock für die härtere Musikwelt im Jahre 2012. Der Rest der Deathcore-Truppe SUICIDE SILENCE entschied sich jedoch dazu als Band weiterzumachen. Ans Mikro holte man sich ALL SHALL PERISH-Brüllwürfel Hernan "Eddie" Hermina. Mit "You Can't Stop Me" will die Band es noch einmal allen beweisen. Zumindest Hermina hat große Fußstapfen auszufüllen, da Luckers Organ schon recht einzigartig war. Was schon nach den ersten Songs von "You Can't Stop Me" auffällt ist, dass SUICIDE SILENCE nicht mehr ganz so hart daher kommt wie auf den drei ersten Werken. Mit Deathcore haben die neuen Songs (glücklicherweise?) nicht mehr wirklich viel zu tun. Poppig ist die Band allerdings auch nicht geworden. Obwohl 'Sacred Words' schon einen der eingängisten und besten Refrains der Bandgeschichte zu bieten hat. Ähnliches kann man ebenso über den catchy Titelsong sagen. SUICIDE SILENCE knüpft in etwa da an wo "The Black Crown" 2011 aufhörte und nimmt etwas die Härte zurück, was dem neuen Material übrigens extrem gut tut. Die Songs haben also allesamt einen eher düsteren Unterton und wenn CANNIBAL CORPSE-Sänger George "Corpsegrinder" Fisher beim ohnehin schon heftigen 'Control' loslegt wird sich daran sicherlich nichts ändern. Einen weiteren coolen Gastbeitrag gibt es von THE DILLINGER ESCAPE PLAN-Frontmann Greg Puciato zu hören. Dieser veredelt mit seiner rotzigen Stimme 'Monster Within' und kann in dem Song ein Highlight setzen. Natürlich muss jede Kritik zu "You Can't Stop Me" auch auf die Frage eingehen, ob Hermina eine gute Figur macht oder SUICIDE SILENCE es besser hätte sein lassen. Hermina ist nun einmal nicht der verstorbene Lucker, keine Frage. Dennoch keift sich der neue Sänger ordentlich einen ab und malträtiert in jeder Nummer seine Stimmbänder durch den markanten Wechsel von infernalischem Gekreische (wenn auch etwas dünner als bei Lucker) und tiefen Growls. Insgesamt macht Hermina eine gute Figur und sollte auch Die-Hard-Fans der Gruppe beglücken können. "You Can't Stop Me" ist ein ordentliches Album geworden. Mir persönlich gefällt es zwar nicht so gut, wie die ersten beiden Werke von SUICIDE SILENCE, dafür toppt es "The Black Crown" aber allemal. Scheinbar ist die Gruppe echt nicht aufzuhalten.


Miss May I - Rise of The Lion

"Rise Of The Lion" ist bereits das vierte Album der US-Metalcore-Band MISS MAY I. Bisher konnte die Band sich in der aktuellen Metalcore-Szene durchsetzen, indem man wirklich noch Metal mit Breakdowns und poppigen Refrains mischte. Mal sehen, was die Jungs auf ihrem neusten Werk zu bieten haben. Die bisherigen Standarts der Band bleiben auch auf "Rise Of The Lion" erhalten, allerdings gehen die Amerikaner dieses Mal etwas softer an die Songs. Besonders ein Song wie 'Gone' sticht aus dem bisherigen Bandkontext heraus, da die Nummer extrem melodisch ist und auch gesungene Strophen beinhaltet. Das weichgespülte 'Echoes' hingegen plätschert belanglos vor sich hin. So ganz werde ich das Gefühl aber nicht los, dass ich hier eigentlich neuere TRIVIUM oder KILLSWITCH ENGAGE mit dem Zusatz von Breakdowns höre. Nur ist "Rise Of The Lion" leider etwas vorhersehbar. Aufregend ist hier nichts, trotz der gekonnten Umsetzung und dem etwas poppigeren Grundton des Albums. Was MISS MAY I auf "Rise Of The Lion" liefert, ist ein solides Album zwischen Modern Metal und Metalcore, zwischen einer harten Version von DISTURBED und KILLSWITCH ENGAGE oder AS I LAY DYING. Die fette Produktion verstärkt den Eindruck noch. Kurz: "Rise Of The Lion" bietet Metalcore, der wirklich keinem wehtut und ohne wirklich herausstechende Momente.


Confession - Life And Death

Ich denke mal dass bei einem CONFESSION-Album niemand musikalisch hochwertige Kost erwartet. Die drei Releases der Australier um ex-I KILLED THE PROM QUEEN-Frontmann Michael Crafter standen bisher für Mosh-lastigen Metalcore der Marke "Stumpf ist definitiv Trumph!". Nachdem Crafter die komplette Bandbesetzung austauschen musste, zeigt sich CONFESSION auf "Life and Death" allerdings stärker denn je. Doch was hat sich durch den spektakulären Besetzungswechsel, bei welchem die Ex-Mitglieder erst Crafter aus seiner eigenen Band rausschmeißen wollten, geändert? CONFESSION wird das Breakdown-Feuerwerk auch im Jahr 2014 nicht leid. Dafür setzt man auf eine durchweg düstere Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch das Intro und die anschließenden zehn Songs zieht. Selbst Geigen kommen dabei zum Einsatz und untermalen die ein oder andere Stelle von "Life and Death" eindrucksvoll. Gleichzeitig wird auch an der Gitarren-Front etwas mehr geboten als bisher, und so sind sogar ordentliche Melodien wie etwa bei 'The Forgotten' oder dem äußerst starken 'Fuck Cancer' vernehmbar. Der klare Gesang, der auf "The Long Way Home" noch recht präsent war, fällt nun fast komplett unter den Tisch. Damit kann man aber gut leben, da die Songs auch so spannend genug sind. Durch die sportliche Spieldauer von etwa 33 Minuten hat CONFESSION wieder genau die richtige Länge gefunden, dass die Songs Spaß machen, aber sich das Material nicht in die Länge zieht. Verglichen mit "Beloved", dem aktuellen Werk von Crafters Ex-Band I KILLED THE PROM QUEEN, oder anderen aktuellen Metalcore-Alben wie jenen von ARCHITECTS oder EVERY TIME I DIE, kann "Life and Death" kompositorisch sicherlich nicht mit halten. Dennoch macht das vierte CONFESSION-Album enorm viel Spaß und übertrifft die soliden Vorgänger deutlich.


Morrissey - World Peace Is None Of Your Business

Endlich! Nach fünf Jahren gibt es ein neues MORRISSEY-Album! "World Peace Is None Of Your Business" ist das bereits zehnte Studioalbum des THE SMITHS-Sängers. Nach seinem großartigen Comeback vor zehn Jahren mit "You Are The Quarry" folgten noch zwei weitere sehr gute Alben, die den alternden Dandy von seiner rockigeren Seite zeigten. Besonders das 2009er "Years Of Refusal" gefiel mir durch den rockigen Sound sehr gut. So rockig fällt "World Peace Is None Of Your Business" allerdings nicht aus. Ganz im Gegenteil! Das Werk könnte sogar das seichteste seiner Karriere sein. Zwar kann man ähnliches ebenso über "Vauxhal & I" sagen, welches für viele Fans als sein bestes gilt, jedoch ist "World Peace Is None Of Your Business" noch sanfter, glatter und poppiger. 'Istanbul' bietet orientalische Klänge, 'Earth Is The Loneliest Planet' lädt zu einem heißen Flamenco ein und das Akkordeon versprüht einen Hauch von Frankreich in 'The Bullfighter Dies' - all das bietet MORRISSEY dieses Mal. Hinzu kommen noch ordentliche Gitarren-Pop-Nummern wie das sehr eingängige 'Kiss Me A Lot' oder 'Staircase At The University'. So will man MORRISSEY hören. Durch die stilistische Bandbreite benötigt der Großteil von "World Peace Is None Of Your Business" etwas mehr Zeit und Zuwendung als gewöhnlich. Besonders das erste Drittel erweist sich als zäh. Der Opener/Titelsong ist ein netter Track, aber 'Neal Cassedy Drops Dead' und die Tierschutz-Hymne 'I'm Not A Man' erweisen sich auch nach mehreren Hördurchgängen als etwas ereignislos. Zudem ist letztgenannte Komposition mit knapp acht Minuten Spielzeit (zwei davon sind nur leises Soundgepklänkel, welches den Song eher runterzieht) überaus lang geraten. Aber immerhin beweist MORRISSEY besonders hier seinen altbekannten lyrischen Biss (ob man mit den Aussagen konform geht, ist eine andere Sache). Anders als Saubermänner wie Bono oder Chris Martin geht MORRISSEY seine Mission der Weltverbesserung provokanter an und reißt die Klappe in mehreren Songs auf - so wie es seine Fans von ihm wollen. "World Peace Is None Of Your Business" ist ein grundsolides Album von MORRISSEY und seiner Band. Es wird sich auf Dauer wohl irgendwo im Mittelfeld der Diskographie des Sängers einnisten. Allerdings gehört besagtes 'Kiss Me A Lot' locker zu den besten Liedern, die der Brite in seinem Solo-Programm zu bieten hat. Kein Fan sollte von diesem Output enttäuscht sein.


Klaxons - Love Frequency

"Myths of The Near Future", das 2007er Debüt von KLAXONS, war einer der Überraschungserfolge der Indie-Szene. Doch schon der Nachfolger "Surfing The Void" konnte dem vorrangegangen Hype nicht mehr ganz gerecht werden. Album Nummer Drei erfindet die Band neu. Mit Indie hat "Love Frequency" nicht mehr wirklich viel zu tun. Electro, Eurodance und tanzbare Rhythmen bestimmen nun den Klangkosmos der Band. Alles wird in eine etwas träumerische Atmospähre gesteckt. Eigentlich genau das, was im Moment viele Indie/Pop/Electro-Künstler machen. Genau dadurch erscheint das neue KLAXONS-Album allerdings auch konserativer als die beiden abgedrehten Vorgänger. So Electro-Indie-Pop-Nummern kann man zur Zeit nämlich von vielen Bands bekommen. Ob man KLAXONS da gebraucht hätte, bleibt fraglich. Zudem ihr abgespacter Indie-Stil vorher etwas Eigenes war. "Love Frequency" hat definitiv seine Momente, wie etwa der Titelsong, 'Show Me A Miracle' oder 'Children of The Sun', doch sticht der Großteil des Albums nicht wirklich aus dem aktuellen Musikjungle heraus. Da war man von "Myths of The Near Future" und "Surfing The Void" mehr gewohnt. Die abgedrehten Momente, die die Band auszeichneten, treten mehr als nur in den Hintergrund. Dennoch kann der ein oder andere Song überzeugen. Selbst für eingefleischte Fans ist es dennoch ratsam, das Album erst einmal Probe zu hören.



Text © by Sebastian Berning