Music Reviews

Rezensionen

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Great White - Saturday Night Special

Dynazty - Renatus

GREAT WHITE hat Spaß zu covern. Von der Band gibt es unzählige Cover auf Samplern und eigenen Alben. Sogar ein ganzes LED ZEPPELIN-Tributealbum hat die Blues-Rock-/Glam-Metal-Band veröffentlicht. "Saturday Night Special" sammelt nun einige dieser Aufnahmen. Es finden sich Coverstücke von Bands wie MÖTLEY CRÜE, ELVIS, AEROSMITH, JOURNEY, SURVIVOR oder VAN HALEN auf dieser Veröffentlichung. Doch davor gibt es altbekanntes Material: Das IAN HUNTER-Cover 'Once Bitten, Twice Shy', 'Rock Me' und 'Save Your Love'. Dann erst folgen die zwölf Cover für die der Fan in die Tasche greifen würde. Warum 'Rock Me' und 'Save Your Love' auf dieser Compilation zu finden sind, ergibt für mich keinen Sinn. Klar, es handelt sich um zwei der besten GREAT WHITE-Songs, doch haben sie nichts mit den Huldigungen an andere Bands zu tun, weil es Eigenkompositionen sind.
Bei den drei allseits bekannten GREAT WHITE-Nummern handelt es sich übrigens nicht, um die Studioversionen, sondern wohl eher um Demos. 'Rock Me' ist über eine Minute länger als das Original, 'Save Your Love' hingegen über Eine kürzer. Auch klingen die Gitarren nicht ganz so lässig, wie auf "Once Bitten...". Der Sound der Cover hingegen ist cool, vielleicht auch, weil der durchschnittliche Fan diese noch nicht gehört hat. Besonders MÖTLEY CRÜEs 'Kickstart My Heart' und JOURNEYs Gassenhauer 'Any Way You Want It' machen Freude. Man muss allerdings auch sagen, dass sich die Band sehr nah an den Vorbildern hält.
"Saturday Night Special" ist bei Weitem kein Pflichtkauf. Wer GREAT WHITE mag, der wird auch mit den regulären Studioalben glücklich werden. Hartgesottene Fans hingegen sollten definitiv ein Ohr riskieren.


Goodtime Boys - Rain

Düsterer und melodischer Hardcore aus England ist auch 2014 noch wichtig. Nach beliebten Bands wie den DEAD SWANS, THE LEGACY, MORE THAN LIFE oder in jüngerer Zeit UP RIVER und DEPARTURES, sollten nun auch die GOODTIME BOYS mehr Beachtung bekommen. Dabei helfen könnte das Debütalbum "Rain".
Was GOODTIME BOYS den meisten anderen Bands der Szene voraus hat, ist der Einsatz von vereinzelten, klar gesungenen Passagen, wie beim Opener 'Washout'. Sonst bedient man sich der gleichen Stilmitteln wie MORE THAN LIFE und DEPARTURES. Das heißt, dass der Hörer hier düster-melodischen Hardcore geboten bekommt, der natürlich nicht ohne die nötigen JOY DIVISION- und THE SMITHS-Einflüsse in der Gitarrenarbeit auskommt. 'Life Moves' ist dafür ein erstklassiges Beispiel. Flotte Hardcore-Parts wechseln sich mit kleinen Einsprengseln aus dem Indie-Sektor ab.
Auch wenn man sich bei derselben Palette wie die genannten Bands bedient, muss man fairerweise sagen, dass GOODTIME BOYS noch nicht ganz an die Klasse eben jener Formationen herankommt. Die Engländer befinden sich auf einem guten Weg, doch fehlt es mir etwas an der Intensität. Daher will noch keine Gänsehaut aufkommen, wie es bei der gesamten "Teenage Haze" von DEPARTURES etwa der Fall ist. Fans der genannten Bands sollten sich allerdings "Rain" von den GOODTIME BOYS anhören.


Coldplay - Ghost Stories

Dafür, dass COLDPLAY eine der größten Bands der Gegenwart ist, ist die Diskographie der vier Briten ziemlich durchwachsen. Zumindest in meinen Augen. Mit dem Debüt "Parachutes" kann ich wirklich gar nichts anfangen, der direkte Nachfolger "A Rush of Blood To The Head" ist dafür ein gigantisches Pop/Rock-Album. "X&Y" war wieder etwas schwächer, hatte aber vereinzelte Hits wie etwa 'Fix You' zu verbuchen. "Viva La Vida" hatte zwar kaum noch etwas mit Rockmusik zu tun, bestach allerdings mit super Tracks. Dessen Nachfolger wiederum, "Mylo Xyloto", stellte eine ziemliche Enttäuschung dar. "Ghost Stories" sollte diesem Zyklus aus einem stetigen Auf und Ab nach wieder ein gutes Album werden.
Und so ist es auch! Mit Rock hat Album Nummer sechs zwar noch weniger zu tun, als die letzten beiden Outputs der Gruppe, dennoch können die neun Kompositionen überzeugen. Der Sound ist meist elektronisch, gleichzeitig atmosphärisch. Bis auf das Highlight 'A Sky Full of Stars', bewegen sich die meisten Songs im Mid-Tempo-Bereich. Was auch auffällt ist, dass "Ghost Stories" ein paar Umdrehungen mehr als sonst benötigt, um sich zu entfalten. Man hat es nicht mit einem direkten Hitalbum wie "A Rush of Blood To The Head" oder "Viva La Vida" zu tun, bei welchen man schon nach zwei Hördurchgängen mitsummen konnte. Dafür ist das "Ghost Stories"-Material zu zurückhaltend. Schon die erste Singleauskopplung 'Magic' war erstaunlich ruhig und sperrig für COLDPLAY-Verhältnisse. Dabei hat man es nicht mit einem musikalisch ausgefallenen oder technisch anspruchsvollem Album zu tun. Die Songs sind meist sehr geradlinig aufgebaut, dennoch muss man sich erst in die Lieder hereinhören. Aber auch mehrmaliges Hören kann aus der absolut belanglosen Nummer 'Oceans' nichts heraus holen.
Wer sich eine Rückkehr zu den Brit Pop-Wurzeln der Band erhofft hat, der wird von "Ghost Stories" enttäuscht sein. COLDPLAY geht den auf "Mylo Xyloto" eingeschlagenen Weg konsequent weiter, dennoch gelingt es Sänger Chris Martin und seinen Kollegen, diesen Sound diesmal besser umzusetzen.


The Word Alive - Real.

THE WORD ALIVE konnte mit dem letzten Album "Life Cycles" viele neue Fans gewinnen. Man zelebrierte Metalcore mit etwas Elektronik und technischem Anspruch. Das bereits dritte Album "Real." geht musikalisch neue Wege und entdeckt die Melodie für sich.
Es ist schon mutig, wenn eine Band wie THE WORD ALIVE ein Album mit einer melodischen Nummer wie 'Play The Victim' beginnt. Im Vordergrund steht nämlich nicht der Breakdown, sondern der klare Gesang. Erst in der Songmitte geht es rauer zur Sache. Andere Nummern wie 'Lighthouse' kommen sogar komplett ohne Gebrüll aus. Damit liefert THE WORD ALIVE eine nette Abwechslungs zum sonst recht einheitlich klingenden Rest der Metalcore-Szene. Das Rad erfindet die Band zwar nicht neu, dennoch setzt man Akzente und kann mit Vielfalt punkten.
Auf "Real." schafft es THE WORD ALIVE eine sehr gute Balance zwischen Härte und Melodie zu finden. Manche Passagen klingen härter als je zuvor, dafür ist der melodische Teil der Band präsenter denn je. Dadurch wirkt das Werk länger frisch und bleibt auch nach mehrmaligen Hören noch aufregend. Auch als Ganzes kann "Real." mich noch etwas mehr ansprechen, als die beiden Vorgänger, die ebenfalls gute Alben darstellten.
THE WORD ALIVE sollte mit einem dermaßen starken Album wie "Real." mindestens so bekannt werden wie etwa die Kollegen von WE CAME AS ROMANS. Ein netter Nebeneffekt von einem Album wie "Real." ist übrigens, dass jeder Kritiker einen Beweis geliefert bekommt, dass Metalcore noch lange nicht tot ist. Dank Bands wie THE WORD ALIVE.


Dynazty - Renatus

Drei Alben lang zelebriete DYNAZTY, wie so viele schwedische Landsleute, Glam bzw. Sleaze. "Renatus", das neuste Album der Schweden, klingt nicht mehr nach fetzigem 80er Rock. Viel eher muss man an moderne Metal-Acts wie FIVE FINGER DEATH PUNCH oder DISTURBED denken.
Der Stilbruch (oder: die stilistische Neuorientierung) gelingt der Band nicht allzu gut. Wo der Vorgänger "Sultans of Sin" ein ordentliches und hoch melodisches Hard Rock-Album war, ist "Renatus" recht langweilig. Hier und da kommt zwar der einstige Sound durch, doch insgesamt können die Songs nicht wirklich begeistern. Es bleibt wenig hängen und irgendwie geht Nils Molins Stimme unter. Nur Molin ist es zu verdanken, dass wenigstens ein paar Refrains hängen bleiben, wie der vom Opener 'Cross The Line'. Den Strophen hingegen kann auch der Sänger nicht mehr helfen, da diese komplett belanglos aus den Boxen schallen.
Man kann nur hoffen, dass DYNAZTY beim nächsten Album wieder zum herkömmlichen Klang zurück findet. Mit dem Modern Metal-Verschnitt, den die Band auf "Renatus" liefert, kann man keinen Blumentopf gewinnen. Mehr als schade!



Text © by Sebastian Berning