Music Reviews

Rezensionen

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Soundgarden - Superunknown (Deluxe Edition)

Feed The Rhino - The Sorrow and The Sound

"Superunknown" ist das erfolgreichste Band von SOUNDGARDEN und machte die Grunge-Ikone zu weltweiten Rockstars. Dies lag besonders an der Hitsingle 'Black Hole Sun', welche man noch heute in diversen Castingshows geboten bekommt und des öfteren im Radio hören kann. Doch auch eine Nummer wie 'The Day I Tried To Live' schrieb Rockgeschichte. Zum 20. Geburtstag gibt es einen Re-Release, der Fanherzen höher schlagen lässt.
Über das Album selber muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Die Mischung aus Alternative Rock, Grunge und etwas Metal machte die Gruppe um Sänger Chris Cornell zu Rockstars. "Superunknown" ist das beste Werk dieser 90er-Ikonen. 2014 kann man die Nummern im aufpolierten Sound noch einmal neu erleben. Mit 'She Likes Surprises' gibt es sogar noch einen Bonustrack, der nicht auf allen Versionen von "Superunknown" erschienen ist.
Wirklich interessant wird es für den Fan aber erst mit der zweiten CD des Re-Releases. Hier tummeln sich B-Seiten, Demos, Akustik-Versionen, alternative Mixe und Proberaumaufnahmen, die bisher noch nicht veröffentlicht worden sind. Alle Aufnahmen ertönen in einem guten Sound, machen aber schon eher beinharten Fans Freude als dem durchschnittlichen Hörer, der ab und an mal 'Black Hole Sun' hören möchte. Wirklich stark unterscheiden sich die Demoversionen nämlich nicht von denen, die man auf CD1 gehört hat. Trotzdem: Dem echten Fan werden diese alternativen Varianten sicherlich viel Spaß bereiten. Für alle anderen reicht aber die normale Version von "Superunknown".


Expire - Low Life

"Pendulum Swings" war 2012 eine der Hardcore-Abrissbirnen. Mit "Pretty Low", dem zweiten EXPIRE-Album, geht man noch ein bisschen harscher zu Werke als zuvor. In 25 Minuten ballern die Amerikaner elf Songs durch die Boxen. Ohne Rast.
'Pretty Low' eröffnet das gleichnamige Album. Schon jetzt wird die Marschrichtung der folgenden Nummern festgesetzt: Wütender Hardcore, der keine Gefangenen nimmt. Auffallend ist allerdings, dass das neue Material von EXPIRE etwas langsamer ausfällt, als das vom Debüt, dadurch aber an Aggressivität gewinnen kann. Wo mir "Pendulum Swings" teilweise etwas zu flott daher kam, kann diese leichte Kurskorrektur voll und ganz bei mir punkten. Durch das etwas zurück genommene Tempo wirken die Nummern eingängiger als zuvor. Das hat auch schon bei den letzten beiden Alben von TRASH TALK gut geklappt und bei EXPIRE tut es das ebenso.
"Pretty Low" liefert dem Hörer elf Songs, die für einiges an Mosh-Action sorgen werden. Niemand sollte erstklassiges Songwriting erwarten, dafür aber ein feines Hardcore-Inferno, das hält was es verspricht, nämlich wütenden Hardcore zu präsentieren.


Led Zeppelin - I (Deluxe Edition)

Viele Worte muss man über LED ZEPPELIN wohl nicht mehr verlieren. Diese Band war in den 70 Jahren wegweisend und ist bis eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Alles fing mit dem kraftvollen selbstbetitelten Debüt (auch oft "I" genannt) an, welches am 12. Januar 1969 erschien. Auch 45 Jahre später verkauft sich das Werk noch wie geschnitten Brot. Der letzte Re-Release liegt schon einige Jahre zurück. 2014 gibt es eine Neuauflage mit massig Bonus-Material.
"I" werden die meisten Leser sicherlich schon längst kennen. Songs wie 'Communication Breakdown', 'I'm Gonna Leave You' oder 'Good Times Bad Times' sind zeitlose Klassiker der Rockgeschichte. Das Debüt von Jimmy Page und seiner damals neu gegründeten Band LED ZEPPELIN kann neun Songs vorweisen, die in irgendeiner Form in jede Rocksammlung gehören. Spannend wird es jedoch vor allem mit der zweiten CD, da diese ein bisher unveröffentliches Konzert aus Paris von 1969 beinhaltet. Hier wird der Re-Release auch für alteingesessene Fans interessant, denn die 2014er Version ist klanglich nicht viel besser als der vorherige Re-Release von Atlantic Records. Geboten werden acht Songs in Überlänge. 72 Minuten misst der Mitschnitt, welche aus Material des ersten Albums besteht, aber auch schon 'Moby Dick' und 'Heartbreaker' vom Nachfolger "II" vorstellt. Bei der Fülle von LED ZEPPELIN-Livealben ist diese Bonus-CD sicherlich kein Muss, aber ein nettes Extra. Die 2014er Version von "I" ist meiner Meinung nach kein Pflichtkauf für jeden Fan der Band. Wer das Album noch nicht hat, der sollte jetzt endlich zu schlagen. Wer es schon hat, muss selber entscheiden, ob das Livekonzert auf CD2 den Kaufpreis wert ist. Rein vom Klang her reicht auch die vorherige Version.


Linkin Park - The Hunting Party

Hand auf's Herz: Die letzten beiden LINKIN PARK-Alben "A Thousand Suns" und "Living Things" waren nix! Mit etwas Glück und einer riesigen Lupe konnte man vielleicht zwei Songs pro Album finden, die gut waren. Mit den beiden Nu-Metal-Klassikern "Hybrid Theory" und "Meteora" hatte das nichts zu tun. Auch nicht mit dem schon etwas durchwachsenen "Minutes To Midnight", welches LINKIN PARK wohl als Rock-Band etablieren sollte. "The Hunting Party" war also nichts, worauf ich besonders heiß gewesen bin. Die 46 Minuten des bereits sechsten Studioalbums der Rocker kann man aber gut überstehen, da die Band die Gitarre wieder entdeckt hat. Zwar sind die Riffs äußerst belanglos und austauchbar, dennoch macht der Großteil des Materials Spaß. Besonders die erste Single 'Guilty All The Same', für mich der beste LINKIN PARK-Song seit "Meteora".
Doch auch wenn die Gitarre wieder präsent ist, muss man sagen, dass LINKIN PARK im Moment noch zu sehr zwischen den Stühlen steht. Einerseits will die Band rocken, wie beim Opener 'Keys To The Kingdom', 'Guilty All The Same' oder 'Rebellion', doch steht dem stellenweise der Electro-/Synthie-Pop der beiden Vorgängeralben gegenüber. So ganz will dieser Stilmix nicht immer aufgehen. Das ist aber irgendwie egal, weil man sich freut, dass LINKIN PARK wieder rockt, wieder schreit und besseres Material liefert. "The Hunting Party" ist ein ziemlich solides Album, welches Fans der ersten zwei, drei Alben wieder versöhnen könnte. Von Gassenhauern wie 'Crawling', 'Numb', 'One Step Closer' oder 'In The End' ist man zwar noch weit entfernt, aber wenigstens geht es wieder in die richtige Richtung.


The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me

"Let The Ocean Take Me", das bereits vierte Album der australischen Metalcore-Truppe THE AMITY AFFLICTION, konnte auf Platz 1 der heimischen Albumcharts einsteigen. Das haben sie sogar den Kollegen PARKWAY DRIVE voraus. Allerdings lässt sich der Erfolg leicht erklären: THE AMITY AFFLICTION war noch nie so poppig wie auf eben diesem Werk. Schon der Opener 'Pittsburgh' kann einen extrem eingängigen Refrain vorweisen. Böse Zungen würden vielleicht sogar das Prädikart "klebrig" als Beschreibung benutzen. Wirklich Unrecht hätte man damit nicht, da die Melodie des Refrains, natürlich stilecht mit Autotune aufgemotzt, sich schon beim ersten Hören festsetzt und mit sofortiger Wirkung zum Mitsummen/Mitsingen einlädt. Der Kinderchor gegen Ende des Songs ist aber etwas zu viel des Guten. Eingängigkeit kann man übrigens auch vielen weiteren Songs von "Let The Ocean Take Me" attestieren. Da nutzen auch die vielen Breakdowns nichts mehr. THE AMITY AFFLICTION gehört zu den musikalisch süßesten Truppen der Sparte. Auch die oberfette Produktion ändert nur wenig an diesem Eindruck, weil durch den fast schon überproduzierten Sound jegliche Ecken und Kanten verloren gehen. Eindeutig hat man hier den Fokus auf ein möglichst imposantes Gesamtbild gelegt. Auch wenn man mit der Produktion und dem Songmaterial keinen Blumenpott für Kreativität oder Eigenständigkeit gewinnen wird, kann sich der Genre-Fan das Album gut anhören. Mit einiges Ecken und Kanten könnten die Australier allerdings mehr punkten. Irgendwie ist "Let The Ocean Take Me" ein viel zu glattes Album, mit dem man niemanden groß erschrecken kann.


Every Time I Die - From Parts Unknown

Schon mit dem letzten Album "Ex Lives" besann sich EVERY TIME I DIE zurück auf den Sound der Anfangstage. "From Parts Unknown", das bereits siebte Album der Metalcore-Institution, könnte man sogar als legitimen Nachfolger vom Zweitwerk "Hot Damn!" ansehen, da man noch ruppiger als zuvor klingt.
Bereits der Opener 'The Great Secret' ist eine Dampfwalze sondergleichen! In hohem Tempo prügeln sich die Musiker durch die Nummer und lassen dabei so manch chaotischen Part einfließen. Genauso kennt der Fan es noch vom 2002er "Hot Damn!". Das heißt allerdings auch, dass die rockige Note der Band etwas in den Hintergrund tritt. Wenn es rockiger zugeht, dafür dann mit ordentlch Spaß in den Backen. So ist 'Decayin' With The Boys' ein erstklassiger Songs, der sich auch nicht vor dem "Gutter Phenomenon"-Hit 'The New Black' verstecken muss. Ebenso kann 'Old Light' überzeugen. Dies liegt unter anderem daran, dass THE GASLIGHT ANTHEM-Sänger Brian Fallon im Chorus zu hören ist. Das Ergebnis klingt besonders in der zweiten Refrain-Hälfte wie eine kantige Version von THE GASLIGHT ANTHEM.
EVERY TIME I DIE probiert allerdings auch Neues aus. 'Moor' ist wohl der außergewöhnlichste Song der gesamten Diskographie! Durch das zwischen banal und genial pendelnde Klaviermotiv bekommt der Song sogar eine beinahepsychedelische Note, bevor die zweite Songhälfte hart und drückend aus den Boxen schallt. Gerade diese Nummer entfaltet sich von Hördurchgang zu Hördurchgang mehr. Auch 'El Dorado' sticht etwas aus dem Kontext hervor, da die hintere Hälfte rein instrumental Vollgas gegeben wird. Hier darf man sogar dezent an alte MASTODON denken.
Dazwischen und den genannten rockigen Tracks, bietet EVERY TIME I DIE hingegen das volle Brett. Auch wenn "Ex Lives" schon wütend war, so steht "From Parts Unknown" diesem in absolut nichts nach. 'The Great Secret', 'Overstayer' oder 'Thirst' gehören mit zum heftigsten, was diese Band zu bieten hat. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die raue Produktion, die allerdings bei den ersten ein, zwei Durchgängen etwas ungewohnt wirkt.
Jeder Fan von EVERY TIME I DIE sollte nach den 32 Minuten von "From Parts Unknown" absolut glücklich sein. Chaotische Riffs, etwas Rock'n'Roll, die ein oder andere eingänge Hookline und geniales Drumming vereinen sich bereits zum siebten Mal auf Albumlänge unter dem Banner der Truppe. EVERY TIME I DIE kann wohl einfach nicht enttäuschen.


Vanna - Void

Da habe ich wohl geschlafen! "Void" ist nämlich schon das fünfte Studioalbum von VANNA. Vor Jahren hatte ich bereits mal ein Album der Metalcore-/Post-Hardcore-Gruppe gehört. Damals konnte sich nur wenig bei mir festsetzen und zum öfteren Hören verführen. Doch vielleicht können mich die Jungs 2014 mit "Void" mehr überzeugen. Allerdings merke ich gleich zu Anfang, dass es damit wohl nichts mehr wird. Das Gebrüll von Joel Pastuszak entspricht leider nicht dem, was ich mir gerne anhöre. Hinzu kommt, dass auch das Drumherum nicht wirklich aufregend aus den Boxen schallt. Handwerklich ist das Ganze sicherlich gut gemacht, aber es will nicht wirklich viel hängen bleiben. Zwar ist der Opener 'Void' ein flotter Track, stellt allerdings nur eines der seltenen Highlights des gleichnamigen Albums dar. Hinzu kommt noch, dass der klare Gesang bei VANNA nicht unbedingt songdienlich ist. Dieser ist zwar weder schief noch durch Autotune nachgebessert, doch wirklich gut sind die gesungenen Passagen von Pastuszak leider auch nicht. "Void" bleibt somit ein eher durchschnittliches Album, welches auch von vielen anderen Post-Hardcore-Bands stammen könnte. Die Truppe ist etwas härter unterwegs als Konsorten wie A SKYLIT DRIVE oder PIERCE THE VEIL, doch können diese Bands im Gegensatz zu VANNA mit guten Songs und massiven Hooklines aufwarten.


Feed The Rhino - The Sorrow and The Sound

Das wirkt doch wie eine komische Paarung: FEED THE RHINO vereint die Punk-Faust der GALLOWS mit den Stadionrefrains von BIFFY CLYRO. Hier und da scheinen auch Bands wie DEFTONES oder THRICE im Songwriting durch. Klingt komisch, ist aber so.
"The Sorrow And The Sound", das bereits dritte Werk von FEED THE RHINO, ist das bisher ambitionierteste Album der Bandgeschichte. Dies liegt besonders an den großen Refrains von Songs wie 'Give Up' oder 'Revelation Not Revolution', die auch in großen Hallen von 10.000 Menschen mitgesungen werden können. Für eine Band, die sonst eher an neuere GALLOWS erinnert, ist das sicherlich eine ziemliche Leistung. Das schöne daran ist: Auch wenn sich dies auf dem Papier (oder Bildschirm) komisch liest, hört sich das Ergebnis goldrichtig an!
Keine der zwölf Nummern sackt von der Klasse her nach unten ab. So sind die 42 Minuten Spielzeit sehr gut investierte Zeit. Wie bereits erwähnt liegt dies zum einen an den Stadion-Refrains, die schon beim ersten Hören zum Mitsingen einladen. Zum anderen macht der Mut der UK-Truppe Spaß, denn ich traue nicht vielen Genre-Kollegen ein solch vielschichtiges Album zu. Für Punk Rock- oder Hardcore-Verhältnisse kann man vielleicht sogar schon das Attribut "episch" verwenden, um "The Sorrow And The Sound" zu beschreiben. Neben Stadion-Punk gibt es allerdings auch ruhigere Momente wie 'Black Horse' etwa, welches dezent an die DEFTONES denken lässt.
FEED THE RHINO ist ein abwechslungsreichen Album gelungen. "The Sorrow And The Sound" verbindet Härte mit ruhigeren sowie großen Momenten. Durch dieses enorme Spektrum an Stilmitteln sollte es den Briten gelingen ein recht großes Publikum ansprechen zu können. Fans der genannten Bands sollten dieser Platte auf jeden Fall eine Chance geben.



Text © by Sebastian Berning