Music Reviews

Rezensionen

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La Dispute - Rooms of the House

La Dispute - Rooms of the House

Und ich versuche es noch einmal mit LA DISPUTE. Mit der Band konnte ich nie so wirklich warm werden. Dies lag stets an der nervtötenden Stimme von Sänger Jordan Dreyer. Weinerlicher geht es kaum. Liam Gallagher von OASIS erscheint im Gegensatz dazu wie die Rettung des Singens. Nachdem mich auch das letzte Album "Wild Life" nicht überzeugen konnte, unternehme ich mit dem Hören von "Rooms of The House" einen allerletzten Selbstversuch mit dieser Band. Es wird wohl nichts mehr. Dreyers Organ ist einzigartig und noch nerviger. Jede Sekunde, in der der Mann singt, gleicht einer Mutprobe. Wie lange kann ich das noch aushalten? Müsste ich "Rooms of The House" nicht rezensieren, hätte ich sicherlich nicht einmal den ersten Track zu Ende gehört.
Dieser fast schon hysterische Sprechakt hat mit Vocals leider wenig zu tun. Durchhalten. Durchhalten. Durchhalten... Dabei macht die Band musikalisch eine gute Figur. Man scheint sich mittlerweile eher auf Post- und Prog-Rock zu konzentrieren, als auf Post-Hardcore. Rein musikalisch sind die sperrigen Nummern, allen voran '35', doch recht interessant. Und dann setzt Dreyer ein. Es ist ein Trauerspiel, wie dieser Typ alles versaut. Bei AT THE DRIVE-IN war diese Art Gesang wenigstens noch cool und vor allem war es zu ertragen. Dreyer schafft es einfach, jeden Song mit seiner Stimme zu ruinieren. Schweigen wäre in diesem Fall Gold. Maximal in den flotteren Passagen, wenn er etwas rauer tönt, kommt ein Anflug von Besserung auf. Doch reicht das nicht aus, um meine Meinung über diese Truppe zu ändern. Mit einem anderen Sänger würde ich anders urteilen, aber so werde ich dieser Band keine Sekunde meines Lebens mehr schenken.

Throwdown - Interolerance
"Vendetta" war vor neun Jahren sicherlich ein sehr heißes Album innerhalb der Schnittmenge von Hardcore, Metal und Vollproll. Was danach kam, hatte mit PANTERA mehr zu tun als mit Hardcore. THROWDOWN hat sich von Release zu Release mehr dem groovigen Metal verschrieben.
Was auffällt ist, dass der Sound dieses Mal etwas weniger Metal-lastig ausfällt. Vielleicht möchte man so alte Fans wieder aufs sinkende Schiff zurück holen. Allerdings wird das nicht so recht klappen, weil die neuen Tracks dafür schlicht zu langweilig ausfallen. Eine gute halbe Stunde prügeln sich die Amerikaner durch "Intolerance" ohne dabei wirkliche Hits zu liefern. Wenn man es genau nimmt, hat man sich also nicht wirklich verschlechtert, weil auch schon die letzten zwei Platten absolut langweilig waren.
Positiv zu verbuchen ist allerdings, dass wenigstens ansatzweise nette Songs, wie das Eröffnungsdoppel, mit an Bord sind. Aber warum sollte man zu THRODOWN greifen, wenn HATEBREED und besonders die letzten beiden TERROR-Alben in diesem Bereich wesentlich bessere Alternativen sind? Auch deshalb, weil diese beiden Vorzeigebands schon seit Jahren nicht mehr auf "Stumpf ist Trumph" setzen, sondern durch den stets erhöhten Thrash-Einfluss auch musikalisch etwas bieten können. THROWDOWN hat dies seit Jahren versucht, aber kann mit "Intolerance" nicht wirklich punkten.

Taking Back Sunday - Happiness Is
Drei Jahre hat TAKING BACK SUNDAY auf ein neues Album warten lassen. "Happiness Is" ist der Titel des zweiten Albums nach der Reunion des "Tell All Your Friends"-Lineups. Nach dem mehr als gelungenen "Taking Back Sunday" von 2011 darf man also gespannt sein was Adam Lazzara und seine Jungs heuer zu bieten haben. Nach dem Geigen-Intro 'Preface' startet man etwas verhalten mit 'Flicker, Fade'. "Verhalten" soll nichts über die Klasse des Songs aussagen - denn der ist super! Der Refrain nimmt den Hörer sofort ein. Allerdings haben die einstigen Emo-Könige ihre Alben sonst immer etwas flotter begonnen. Das nachfolgende und flottere 'Stood A Chance' wäre vielleicht ein typischerer Opener gewesen. Doch muss man nach Genuss des gesamten Albums sagen, dass die Wahl von 'Flicker, Fade' als Opener doch Sinn macht. Ironischerweise ist "Happiness Is" nämlich das bisher traurigste Album der Band. TAKING BACK SUNDAY klingt 2014 traurig, gleichzeitig hält sich die Band größtenteils zurück und gibt ruhigere Songs wie 'All The Way', 'It Takes More', 'Nothing At All' oder 'We Were Younger Then' zum Besten. Wirklich flott ausgefallen ist nur 'Stood A Chance'. Das großartige 'They Don't Have Any Friends', ein Song über Internet-Lästermäuler, ist dafür die härteste Nummer des sechsten Werks der New-Jersey-Emo-Rocker. Doch kann "Happiness Is" gerade durch seinen sentimentalen Charakter bestechen. 'Better Houses And Garden' gehört mit zum Besten der letzten vier Studioalben von TAKING BACK SUNDAY. Bis auf das abschließende und sehr ruhige 'Nothing At All' kann jeder der elf Tracks überzeugen - dennoch lässt sich "Happiness Is" nicht so leicht in den Gesamtkontext der Band einordnen. Es handelt sich um ein super Album, doch könnte ich noch nicht abschließend beurteilen, welches der letzten vier Releases besser oder schlechter ist. An die beiden ersten Werke kommt man ohnehin nie wieder ran, dafür ist deren Klassikerstatus einfach zu hoch "Happiness Is" macht in der Tat glücklich! Zwar ist das Album an sich ziemlich traurig, doch besitzt kaum eine aktuelle Rockband so viel Tiefgang und Dramaturgie wie TAKING BACK SUNDAY. Fans werden absolut nicht enttäuscht sein.

Chiodos - Devil
CHIODOS ohne Sänger Craig Owens geht nicht. Dies ist der Truppe nach dem kommerziell eher gefloppten "Illuminaudio" scheinbar auch aufgefallen. Doch nicht nur Owens ist wieder mit an Bord des gesunkenen Emo-Flaggschiffs, sondern auch Drummer Derikk Frost. Bis auf Gitarren-Neuzugang Thomas Erak (ex-THE FALL OF TROY) spielt CHIODOS somit wieder in Urbesetzung. Dies sollten beste Voraussetzungen für das vierte Album "Devil" sein. Auf ein Intro und zwölf Songs darf der Fan sich freuen. Die Nummern klingen wie ein Querschnitt aus den ersten beiden Alben "All's Well That Ends Well" und "Bone Palace Ballet". Emo, Metal, Pop Punk, Pathos und Orchester aus der Tischhupe, über all diese Bestandteile kann sich der Hörer freuen. Die Härte des Debüts paart sich mit dem vielseitigen Sound des Nachfolgers. Zwar hat man ähnliches bereits auf "Illuminaudio" versucht, doch hat Owens Stimme einfach gefehlt, um den Songs den letzten Kick zu versetzen.
Bereits der knackige Opener 'We're Talking About Practice' hätte ein Highlight auf "Bone Palace Ballet" darstellen können. All die Trademarks des ganz eigenen Bandsounds sind vertreten. Dies kann man ohnehin fast jedem Song auf "Devil" attestieren. '3 a.m.' hingegen hätte durch seinen poppigen Charakter gut auf Owens' DESTROY REBUILD UNTIL GOD SHOWS-Album gepasst. Genauso hätte auch 'Duct Tape' eine der atmosphärischen Nummern eben jener Gruppe sein können. In der zweiten Hälfte tummeln sich mit 'Behvis Bullock' und 'Expensive Conversations In Cheap' endlich zwei heftigere Kompositionen. Insgesamt überwiegt auf dem vierten Release nämlich die bekannt melodisch-rockende und dennoch anspruchsvolle Seite von CHIODOS.
Neben dem Opener stechen noch das sehr eingängige 'Looking For A Tornado' und der kitschige Midtempo-Rocker 'Under Your Halo' hervor. Zwar hat man in dieser Konstellation seit sechs Jahren keine neue Musik mehr veröffentlicht, jedoch klingt CHIODOS alles andere als eingerostet. Viel eher hat man die besten Seiten des unverwechselbaren Sounds neu miteinander verbunden. Man sollte allerdings auch erwähnen, dass die neuen Nummern der Truppe etwas softer als zuvor ausfallen. Dennoch überwiegt die Freude über die Rückkehr von Craig Owens, der jeden Track durch seinen Gesang veredeln kann. Wer die Post-Hardcore-Helden früher nicht mochte, weil Owens früher zu weinerlich und/oder zu hoch sang, der sollte sich "Devil" näher anhören, denn der Frontmann singt mittlerweile in etwas gemäßigteren Tonlagen.
"Bone Palace Ballet" wird wohl stets unerreicht bleiben. Da wird auch die Rückkehr alter Bandmitglieder nichts dran ändern können. Dennoch kann sich "Devil" sehen lassen. Die Erwartungen würden allesamt erfüllt, gute oder schlechte Überraschungen gibt es keine. Wer CHIODOS hören will, der kriegt auch CHIODOS geboten.

The Used - Imaginary Enemy
Herrje, jährt es sich dieses Jahr tatsächlich zum zwölften Mal, dass THE USED über eine Box voll scharfer Sachen sangen? Das 2002er Debüt sowie der etwas polierte, dennoch bessere Nachfolger "In Love And Death" sind zwei Alben, die in jeder Emo-Sammlung vorhanden sein sollten. Es folgten das ziemlich gute "Lies For The Liars" und zwei durchwachsene Platten, "Artwork" und "Vulnerable". Besonders Letzteres konnte nichts bieten, um den Hörer langfristig binden zu können. Der Vorgänger "Artwork" ist zwar auch nicht so gut wie die Vorgänger, doch konnten noch einige Songs Interesse an dem Album wecken. Von "Imaginary Enemy" erwartete ich demnach nicht wirklich viel.
Fehler! Selbst "Lies For The Liars" kann nicht mit dem sechsten Release der Truppe mithalten. Endlich konnte man sich von der pseudo-sentimentalen Schiene der beiden Vorgänger befreien. Schon der kraftvolle Opener 'Revolution' beweist, dass Totgesagte länger leben. Die Nummer hat Pfiff und zeigt, dass THE USED neue Einflüsse zulässt. 2014 bewegt sich die Band zwischen Alternative Rock, Pop und elektronischen Versatzstücken. Strophe und Refrain von 'Cry' (und weiteren Nummern) könnten auch von einer Band wie ONEREPUBLIC stammen, wenn diese nicht die Gitarren im Studio bis zur Unkenntlichkeit zähmen würden. Erst im Mittelteil legt THE USED los und überrascht mit Gebrüll. Auch 'Make Believe' ist eine eher poppige Rocknummer, die durch den eingängigen Refrain überzeugen kann.
Allerdings sind drei ruhigere Songs in der zweiten Albumhälfte etwas viel. Zumindest das langweilige 'Overdose' hätte man streichen können. Dies ist aber der einzige Kritikpunkt an "Imaginary Enemy". Einem erstaunlich starken und frischen Werk, welches ich gerade dieser Band nicht mehr zu getraut hätte. Während Kollegen wie MY CHEMICAL ROMANCE, SILVERSTEIN, FUNERAL FOR A FRIEND oder TAKING BACK SUNDAY auch weiterhin super Alben veröffentlicht haben, schwächelte gerade THE USED nach der Dritten.
Insgesamt ist "Imaginary Enemy" sicherlich poppiger als die bisherigen Werke. Mit der ungeschliffenen Härte des Debüts kann das neuste THE USED-Album eh nicht verglichen werden. Dafür sind catchy Hooklines und ein paar Oooh's zu viel zu hören. Macht aber nichts, da die Truppe hörbar Spaß am neuen Sound hat.


Text © by Sebastian Berning