Music Reviews

Rezensionen

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Cinderella - Stripped

Cinderella - Stripped

Die ersten drei CINDERELLA-Alben gehören in jede Glam Metal/Hard Rock-Sammlung, selbst wenn "Long Cold Winter" und "Heartbreak Station" (zumindest musikalisch) nicht unbedingt viel mit Haarspray und schrillen Klamotten zu tun haben. Selbst das vierte und leider oft vergessene Album "Still Climbing" von 1994 ist mehr als gut, zeigte es die Band doch wieder etwas rockiger als auf dem grandiosen "Heartbreak Station". Über das Debütalbum "Night Songs", eines der vielleicht fünf besten Glam Metal-Alben, muss man eh keine Worte mehr verlieren. Leider macht CINDERELLA seit 1994 nichts anderes mehr, als sporadisch zu touren. Deshalb gibt es statt neuer Musik auch nur noch Livealben. Nach ungefähr drölf Konzertmitschnitten erscheint nun mit "Stripped" ein weiterer. Aufgezeichnet wurde die Show im Key Club in Los Angeles. Die hier veröffentlichten Songs wurden während zweier Auftritte am 2. und 3. Oktober 1998 aufgenommen.
"Key Club?! 1998?! Moment mal!" wird manch Kenner der Band berechtigterweise einwerfen, weil 2001 bereits "Live At The Key Club" erschien, welches Aufnahmen von eben diesen Shows enthält. "Stripped" ist sogar das gleiche Livealbum, hat allerdings eine andere Songreihenfolge und zwei Songs mehr als das Original ('Sick For The Cure' und 'Make Your Own Way'). Über den Sinn oder Unsinn von "Stripped" kann man diskutieren, doch nachdem das Konzert bereits 2011 unter dem Titel "Caught In The Act" samt einer Live-DVD mit einem weiteren Auftritt wiederveröffentlicht wurde, sehe ich keinen großen Nutzen hinter dieser Veröffentlichung. Zumal man "Live At The Key Club" noch recht problemlos erwerben kann. Der größte Vorteil von "Stripped" ist, dass die Re-Releases von Collector's Dream Records stets zum Mid-Price zu erstehen sind und so den Geldbeutel schonen. "Live At The Key Club" aka "Caught In The Act" aka "Stripped" ist ein gutes Livealbum, welches nicht zu glatt, aber auch nicht zu rau aus den Boxen schallt. Die Setlist ist gut und beinhaltet Material aller vier Alben. Der beinharte Fan sollte eine der Versionen auf jeden Fall im Regal stehen haben, jeder andere die Studiowerke. Und wer nur ein einziges Live-Album von Tom Keifer und Co. braucht, der greift am Besten zum sehr guten "Authorized Bootleg - Live/Tokyo Dome - Tokyo, Japan Dec 31, 1990".

Lamb of God - Music From The Film "As The Palaces Burn"
"Music From The Film As The Palaces Burn" ist der Soundtrack zur ungefähr achten DVD-Dokumentation von LAMB OF GOD. Obwohl der Titel auf das zweite Album "As The Palaces Burn" anspielt, ist von eben jenem Werk nicht viel auf dem Soundtrack. Best-Of-Charakter geht anders.
"As The Palaces Burn", "Ashes of The Wake" und "Sacrament" sind drei wirklich gute Alben, was modernen Thrash/Groove Metal angeht. Auch das Debüt "New American Gospel" weiß zu gefallen. Mit den letzten beiden Releases "Wrath" und "Resolution" kann ich jedenfalls nicht mehr so viel anfangen. Bei dem Titel des Films habe ich mich also auf schön viel altes Material gefreut - leider ist dem nicht so.
Vom gleichnamigen Album hat es nämlich nur 'Purified' auf den Soundtrack geschafft. Wo sind Knaller wie 'Ruin', 'A Devil In God's Country' oder '11th Hour'? Das schändlicherweise unbeachtete 'In Defense of Our Good Name' habe ich eh nicht erwartet. Dafür gibt es viel vom ebenso guten "Ashes of The Wake" und "Sacrament" auf die Ohren. Von "Wrath" wird kein Song mit auf den Soundtrack genommen, von "Resolution" dafür zwei. 'Black Label' vom Debüt gehört eigentlich auf jede Compilation, die LAMB OF GOD je veröffentlichen wird. Fehlanzeige.
Wer eine Best-of der Band haben möchte, greift besser zum umfangreichen "Hourglass"-Boxset, oder kauft sich die ersten vier Alben von LAMB OF GOD. "Music From The Film As The Palaces Burn" muss echt niemand kaufen.


Cradle of Filth - Total Fucking Darkness
Mittlerweile ist CRADLE OF FILTH für die melodische Symbiose von Gothic und extremen Metal bekannt. Die ersten Alben der Briten um Dani Filth waren wesentlich harscher, als die letzten Releases und noch eindeutig dem (melodischeren) Black Metal zuzuordnen. Mit massig Bonusmaterial kann der Fan nun endlich das Demo "Total Fucking Darkness" hören. Ob sich das Warten auf eine offizielle Veröffentlichung gelohnt hat?
Was schon bei den ersten Takten auffällt ist, dass der CRADLE OF FILTH-Sound vor etwas mehr als 20 Jahren wesentlich todesmetallischer anmutete als heute. Dieser Eindruck wird durch das häufige Growlen noch verstärkt. Das markante, hohe Gekreische von Dani Filth kommt bei den fünf "Total Fucking Darkness"-Nummern noch nicht so häufig zum Einsatz. Prägnanter sind dafür die Keyboards ("Tischhupe" trifft es wohl besser), die mehr als trashig aus den Boxen schallen.
Insgesamt wird man den Eindruck nicht los, dass die Gruppe damals ihren Sound noch finden musste. Schon das nur ein Jahr später veröffentlichte Debüt "The Principle of Evil Made Flesh" war in Sachen Songwriting um einige Klassen besser.
Auch das Bonusmaterial, welches sich aus anderen Demo-Tracks aus der Phase der Band zusammensetzt, kann nicht wirklich begeistern. Das liegt erneut an der sehr dünnen und matschigen Produktion des Materials. Verfechter des alten Black Metal-Gerumpels könnten hiermit also sehr viel Freude haben. Der durchschnittliche CRADLE OF FILTH-Fan hingegen ist von der Truppe klangtechnisch wesentlich mehr gewohnt. Aber irgendwie ist der Re-Release von "Total Fucking Darkness" eine nette Zeitreise zu den Wurzeln der Band. Nur empfehle ich jedem vorher einmal die Songs vorab zu hören, da der zu matschig produzierte Sound nicht unbedingt jedem gefallen wird.

Emmure - Eternal Enemies
Scheinbar ist Nu Metal wieder zurück. Auch wenn ich selber mit Bands wie KORN, SLIPKNOT, LINKIN PARK, MUDVAYNE oder DEFTONES groß wurde, begrüße ich den Einzug von Nu-Metal-Riffs im Metalcore nur bedingt. Mittlerweile werden diese nämliche von jeder zweiten Band praktiziert, überzeugen können damit aber nur die wenigsten. EMMURE ist in diesem Metier sogar ein ganz besonderer Fall: Das 2007er Debüt "Goodbye To The Gallows" und der Nachfolger "The Respect Issue" waren recht ordentliche Alben, irgendwo zwischen Mid-Tempo-Mosh, Deathcore und KORN-Anleihen. Die beiden Werke danach hingegen waren absoluter C-Klasse-Nu-Metal, versetzt mit massig Breakdowns und geprägt von schwachen Songideen. Umso überraschter war ich vom 2011er "Slave To The Game", welches die Band wieder in wesentlich besserer Form zeigte. "Eternal Enemies" hingegen fällt wieder ab. Das sechste Album der Amerikaner kann irgendwie nicht richtig zünden. EMMURE bietet 15 gleichklingende Songs, die meist nach dem selber Muster gestrickt sind: Nu Metal, Breakdowns, ein klein bisschen Metal, Gebrüll zwischen Aggression und Hysterie. Abwechslung kommt nur wenig auf. Schade eigentlich, denn wenn die Truppe etwas aus dem Kontext ausbricht, klingt das Ergebnis gar nicht schlecht.
Die Abschlussnummer 'We Were Kids' gehört locker zum Besten, was EMMURE in den letzten sechs Jahren abgeliefert hat. In diesem Track legt man den Fokus etwas mehr auf Melodie und alleine das ist in diesem Albumkontext schon einiges wert. Die restlichen Songbeiträge von "Eternal Enemies" sind nämlich alle, wie bereits beschrieben, nach dem gleichen Schema strukturiert. Bei einer Masse von 15 Songs fällt es schwer der Band folgen zu können und einzelne Highlights ausmachen zu können. Nach einigen Durchläufen bleibt allerdings doch noch etwas von 'A Gift, A Cruse' und dem KORN-ähnlichen 'Grave Markings' hängen. Der Rest ballert nur durch die Boxen ohne sich festsetzen zu können. EMMURE anno 2014 wird den durchschnittlichen Metalcore-Fan nicht unbedingt begeistern können. All jenen, die EMMURE für eine begnadete Band halten (gibt es die denn?? - TK), wird "Eternal Enemies" Spaß machen. Für mich ist die Platte leider nur ein weiteres Kapitel in der sehr durchwachsenen EMMURE-Diskographie.

My Chemical Romance - May Death Never Stop You
MY CHEMICAL ROMANCE war das Aushängeschild für die Emo-Szene Mitte der 00er Jahre. "Three Cheers For Sweet Revenge" brachte diesen Stil in die Jugendzimmer von Millionen Teenagern. Mit "The Black Parade" schuf die Band um Sänger Gerad Way dann ein ambitioniertes Konzeptalbum, welches mit stilistischer Vielfalt überraschte. Egal ob Punk, Arena Rock, Polka, QUEEN, PINK FLOYD oder Balladen. Mit "The Black Parade" konnte man belegen, dass im MY CHEMICAL ROMANCE-Kosmos alles möglich war. "Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys" ging noch weiter und streifte das düstere Image der Band größtenteils ab. Gefallen hat dies zwar nicht jedem, wer sich damit allerdings anfreunden konnte, wurde mit einer Stange großartiger Songs belohnt.
"May Death Never Stop You" ist das erste Best-Of dieser wegweisenden Band, die sich letztes Jahr leider auflöste. Bis auf die "Conventional Weapons"-Songs ist jedes Album vertreten. Selbst das gerne vergessene Debüt "I Brought You My Bullets, You Brought Me Your Love" ist mit zwei Songs berücksichtigt worden. 'Honey, This Mirror Isn't Big Enough For The Two Of Us' und 'Vampires Will Never Hurt You' zeigen MY CHEMICAL ROMANCE noch von ihrer ungeschliffenen Seite. Dennoch stechen besonders diese beiden Nummern auf dem Debüt heraus. Von den drei späteren Alben sind alle Singles vertreten sowie Songs, die sich auf den Konzerten zu Favoriten heraus kristallisieren konnten wie 'Cancer' oder 'You Know What They Do To Guys Like Us In Prison'. Wer die Singles also eigentlich schon immer dufte fand, sich aber nie ein Album der Rocker ins Regal stellen wollte, wird mit dieser Compilation mehr als glücklich.
Doch auch der Fan, der bereits die vier Werke besitzt, wird noch fündig. 'Fake Your Death', der Opener des Albums, ist das letzte Stück an dem MY CHEMICAL ROMANCE arbeitete. Es handelt sich um keine Rückbesinnung zu alten Taten und verfolgt auch nicht wirklich den "Danger Days"-Stil weiter. Auf die Ohren gibt es eine flotte Piano-Nummer mit nur ganz wenig Gitarreneinsatz. Auch nett sind die drei Songs des ersten Demos "Like Phantoms, Forever", welches den meisten sicherlich unbekannt ist. Oben drauf bietet die Deluxe Version und die sehr schöne Doppel-LP eine DVD mit fast allen Musikvideos der Band. Leider fehlt das coole 'Vampires Will Never Hurt You'-Video. Dennoch gibt es mehr als zwei Stunden Material zu sehen.
Wer die Singles mochte, der wird mit "May Death Never Stop You: The Greatest Hits 2001 - 2013" glücklich werden. Fans sollten sich ein Format mit DVD schnappen und sich erneut an den Songs der Band erfreuen. Mir persönlich kann diese Best-Of viel Freude bereiten, obwohl ich die Alben seit Jahren sehr regelmäßig höre. Einfach eine klasse Zusammenstellung einer der besten Bands der letzten Jahre.


Text © by Sebastian Berning