Music Reviews

Rezensionen

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Comback Kid Architects Morrissey Beloved

Comback Kid Architects Morrissey Beloved

Die ersten beiden COMEBACK KID-Werke "Turnt It Around" und "Wake The Dead" gehören mit zum Besten was Hardcore zu bieten hat. Auch "Broadcasting...", dem ersten Album an dem Gitarrist Andrew Neufeld den vakanten Posten am Mikro übernommen hat, ist ein richtig gutes Album gewesen. Leider konnte mich der Nachfolger "Symptoms + Curses" auf Dauer nicht so wirklich überzeugen. Dreieinhalb Jahre später erscheint mit "Die Knowning" endlich eine neue Platte von COMEBACK KID.
Der erste Eindruck ist klar: Die Band klingt wieder etwas düsterer und gleichzeitig wieder härter. Nicht nur einmal muss man an "Broadcasting..." zurückdenken. Melodische Gitarren, viel Groove und massig Härte treffen aufeinander. Des Öfteren werde ich auch an TERROR oder MADBALL erinnert. Ich kann mich nicht erinnern, dass COMEBACK KID früher einen derart brutalen Groove an den Tag legte. Der Titelsong oder 'Lower The Line' sind dafür gute Beispiele. Dies gilt besonders für die erste Albumhälfte, die zwar "Symptoms + Curses"-ähnliche Tracks beinhaltet, doch klingen die neuen Kompositionen wesentlich griffiger und melodischer - daher der Vergleich mit "Broadcasting...".
COMEBACK KID klingt allerdings noch immer sehr eingänglich. Besonders der letzte Song, 'Sink In', ist ein Ohrwurm sondergleichen. Durch die Gangshouts im Refrain sollte diese Nummer auch bei Konzerten ein Renner werden. Für Granaten wie 'Should Know Better', 'I Depend, I Control', 'Die Knowing' oder 'Didn't Even Mind' gilt natürlich das gleiche.
Nur wenige Bands in der Szene schaffen es so melodische und dennoch kantige Songs aufzunehmen. Genau dies macht die Kanadier auch zu einer solch beliebten Truppe und "Die Knowing" wird daran nichts ändern. Im Gegenteil: Es handelt sich um eine deutliche Steigerung zum Vorgänger. Wer die ersten drei COMEBACK KID-Platten mag, der wird auch mit dem fünften Werk der Jungs glücklich werden.

I Killed The Prom Queen - Beloved

Auflösung, Reunion, Auflösung, Reunion. I KILLED THE PROM QUEEN weiß wie man die Fans zu unterhalten hat. Acht Jahre nach "Music For The Recent Deceased" erscheint endlich ein neues Album der australischen Metalcore-Band, die irgendwie immer im Schatten von PARKWAY DRIVE stand. Mit Jamie Hope (ex-THE RED SHORE) hat man den bereits fünften Sänger an Bord. Dieser macht bei seinem Einstand eine mehr als gute Figur, besonders weil er seinem Vorgänger Edward Butcher stimmlich ähnelt.
Das Klavier-Intro des Openers 'Beginning Of The End' lässt ordentlich Spannung aufkommen bevor sich die Nummer zu einem klasse Einsteig in "Beloved" steigern kann. So will man die Australier hören! 'To The Wolves' ist ebenfalls ein spitzen Song im direkten Anschluss. Dieser Refrain lässt einen nicht mehr so schnell los. Noch besser ist allerdings 'Thirty One & Sevens'. Hier hat man es mit dem offensichtlichen Hit des Albums zu tun.
Doch auch das restliche Material muss sich nicht verstecken. I KILLED THE PROM QUEEN liefert Metalcore-Nummern, die wirklich noch etwas mit Metal zu tun haben und nicht nur aus einer Reihe Breakdowns bestehen. Auch schwedischer Melodic Death der Marke IN FLAMES oder SOILWORK ist deutlich als Einfluss zu erkennen. 'No One Will Save Us', 'Nightmares' oder 'Calvert Street' untermaueren diese These. Zumal konnte man für 'Calvert Street' sogar SOILWORK-Sänger Björn Strid gewinnen - für Mastermind Weinhofen ging damit sicherlich ein Traum in Erfüllung.
Auch wenn "Beloved" ein richtig gutes Album ist, muss ich die Produktion leider etwas bemängeln. Sie entspricht zwar dem modernen Szene-Standard und klingt mehr als fett, doch hätte ich mir persönlich etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. In letzter Zeit habe ich den Vorgänger "Music For The Recently Deceased" öfters aufgelegt und gerade die raue und doch kraftvolle Produktion rückte die Songs ins rechte Licht. Hier ist mir der Albumsound ein klein wenig zu aufgeblasen. Ein rauer Sound hätte vielleicht etwas besser zu dem Metal-lastigen Gesamtbild von I KILLED THE PROM QUEEN gepasst.
Die 38 Minuten von "Beloved" sind sehr kurzweilig und sollten jeden Fan der Gruppe glücklich machen können. Diese Reunion ist der Band mehr als geglückt, zumal man weiter an sich gearbeitet und nicht einfach alten Kram aufgewärmt hat. So hat I KILLED THE PROM QUEEN 2014 zu klingen und man muss hoffen, dass es diesmal besser für die Jungs läuft und es ein weiteres Album in dieser Besetzung zu hören geben wird.

Backtrack - Lost In Life

"Lost In Life" wird die Hardcore-Szene sicherlich begeistern können. Das neue BACKTRACK-Album wird jeden glücklich machen, dem TERROR mittlerweile zu metallisch klingt. Das dritte Werk dieser New Yorker Truppe hat definitiv Potential, massig Staub aufzuwirbeln. Klassiker, wie MADBALL oder SICK OF IT ALL, werden hier ähnlich modern interpretiert, wie es TERROR vor 10, 12 Jahren ihrerseits gemacht hat.
Die Jungs von BACKTRACK beweisen mit viel Groove, dass sie das kleine Einmaleins des Hardcores auswending gelernt haben. "Lost In Life" bietet absolut nichts Neues oder fügt Altbekanntem auch nur irgendeine neue Nuance hinzu, doch was BACKTRACK macht, macht die Band gut. Die angepisste Grundstimmung des 30 minütigen Albums ist glaubhaft und zieht sich konsequent durch die zwölf Abrissbirnen von "Lost In Life". Ebenfalls schön ist, dass die Nummern immer heftiger bzw. mosh-lastiger werden. Aber so etwas erwartet man von eine New School-Band eigentlich auch. Dennoch kann man eindeutig Hits ausmachen, wie etwa das sehr eingängige 'Their Rules', welches auf Konzerten sicherlich zum einen oder anderen Sing-along einladen wird.
Klare Sache: BACKTRACK hat ein gutes Album abgeliefert. Für den MADBALL- oder TERROR-Diehard-Fan ist dies sicherlich sogar ein sehr Gutes. "Lost In Life" bedeutet kurzweiligen Hardcore-Spaß, hat allerdings nicht die allergrößte Langzeitwirkung auf mich.

Morrissey - Your Arsenal (Definite Master)

Der treibende Alternative Rock von "Your Arsenal", MORRISSEYs drittem Soloalbum ("Bona Drag" war schließlich 'nur' eine Compilation), ist bei Fans sehr beliebt. Mir persönlich gefällt nur der Nachfolger "Vauxhall & I" noch besser. Nachdem bereits "Viva Hate", "Bona Drag" und "Kill Uncle" in den letzten beiden Jahren wiederveröffentlicht wurden, folgt nun endlich auch "Your Arsenal". An diesem Album gibt es nun wirklich nicht viel zu motzen. Mit der frechen Liebeserklärung, die sicherlich jede Frau gerne hören würde, 'You're The One For Me, Fatty' und 'The National Front Disco', welches mit der Zeile 'And England for the English' für einen Skandal sorgte, besitzt "Your Arsenal" zwei meiner absoluten MORRISSEY-Favoriten. Besonders der rockige Gesamteindruck macht diese Platte zu etwas Besonderem. Nach dem etwas sentimentalen und experimentelleren "Kill Uncle" ist dieses Werk genau das was die Fans hören wollten. 'You're Gonna Need Someone On Your Side' gilt bis heute als Klassiker. Gleiches gilt für 'Glamorous Glue' und 'We Hate It When Our Friends Become Successful'. Es ist wirklich schwer, Schwachpunkte bei diesen zehn Songs ausfindig zu machen. Selten war MORRISSEY samt seiner Solo-Band stärker. Ja, "Your Arsenal" ist dermaßen stark, dass es beinahe mit den kultigen THE SMITHS-Alben mithalten kann. Der Sound des Remasters macht ebenfalls einiges her. Zwar erlebe ich "Your Arsenal" anno 2014 nicht als revolutionär anders, oder höre ganz neue Details heraus, dennoch wirkt der aufpolierte Sound lauter und voller als die 92er Originalversion. Es ist allerdings etwas schade, dass man keine Bonustracks in das Album integriert hat, wie bei den bisherigen Re-Releases. Dafür gibt es aber eine mehr als ordentliche Bonus-DVD mit einem kompletten Auftritt aus dem Shoreline Amphitheatre in Mountain View, Kalifornien. Das Konzert stammt allerdings nicht von der "Your Arsenal"-Tour, sondern wurde am 31.10.1991 aufgenommen, als Mozzar noch "Kill Uncle" in den USA betourte. Obwohl die "Your Arsenal"-Knüller fehlen, ist die Setlist des Gigs gefüllt mit erstklassigen Nummern wie 'Everyday Is Like Sunday', 'Interesting Drug', 'Suedehead', 'Our Frank' oder 'November Spawned A Monster'. Diese turbulente Show ist mit Sicherheit um einiges interessanter als die aktuellen Live-DVDs von MORRISSEY. Wer sich schon länger für MORRISSEY interessiert, der hat nun keine Ausrede mehr und muss sich diesen Re-Release von "Your Arsenal" in die Sammlung stellen. Egal, ob Neueinsteiger oder schon länger dabei: Das 1992er Album des Briten muss der Anhänger einfach haben. Auch für Leute, die die originale CD schon besitzen, kann der Zweitkauf als CD/DVD-Kombo oder schönes Vinyl nicht schaden. Der polierte Sound lässt das Fan-Herz höher schlagen!

Architects - Lost Forever // Lost Together

Genau so will man die ARCHITECTS hören! "Lost Forever // Lost Together" schlägt zwar in eine ähnliche Kerbe wie "Daybreaker", klingt insgesamt aber etwas stimmiger. Nach dem für ARCHITECTS-Verhältnisse poppigem "The Here And Now", besannen sich die Briten mit dem Nachfolger wieder auf einen härteren und technischeren Sound. Keine Frage, "Daybreaker" ist ein gutes Album und es macht mir noch immer Spaß das Album zu hören. Die Klasse von "Ruin" und "Hollow Crown" wurde jedoch nicht erreicht. Die Band musste wohl erst versuchen ihren ganz eigenen Sound wieder zu finden und gleichzeitig mit neuen Klängen experimentieren.
"Lost Forever // Lost Together" hat diesbezüglich wesentlich mehr Potential. Schon die beiden Eröffnungsnummern 'Gravedigger' und 'Naysayer' können mehr als überzeugen. Hier treffen Aggression, Technik und Pfiffigkeit aufeinander. ARCHITECTS schafft es über die gesamten 44 Minuten Spielzeit den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Ich habe es zwar damals auch über "Daybreak" gesagt, aber dieses Album ist wirklich der legitime Nachfolger zum Überalbum "Hollow Crown". Alle Merkmale sind vorhanden: düstere Grundstimmung, technisch-anmutende Gitarrenläufe, geniales Drumming und eingängige Nummern. Zwar klingt man nicht mehr ganz so eingängig wie 2009, aber nach zwei, drei Durchläufen setzen sich die Nummern schnell in den Gehörgängen fest.
Was auffällt ist, dass Sänger Sam Carter nicht mehr so viel auf klaren Gesang setzt. Dieser tritt nur noch vereinzelt auf, wie bei 'Gravemaker' oder 'Broken Cross'. Gerade durch diese Reduzierung wirkt er stets wie ein Song-Highlight. Außerdem ist es mal ganz angenehm eine Metalcore-Platte zu hören, die nicht in jedem Refrain auf poppige Melodien wert legt.
Fans der ARCHITECTS werden sich über "Lost Forever // Lost Together" freuen. Seit Jahren klang die Band nicht mehr so kompakt und mitreißend. Man kann den Briten nur wünschen, dass sie endlich mehr Aufmerksamkeit bekommen und in eine Liga mit Bands wie AUGUST BURNS RED aufsteigen werden.

Text © by Sebastian Berning