Music Reviews

Rezensionen

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Marathonmann - Kein Zurück, Kein Aufgeben

Marathonmann - Kein Zurück, Kein Aufgeben

Die Münchener Post-Hardcore-Truppe MARATHONMANN lädt nicht zum gemütlichen Schunkeln im Bierzelt auf dem Oktoberfest ein. Emo, Punk und Post-Hardcore wurden auf den bisherigen beiden Releases zu einem super Sound gebündelt. Das Besondere an den vier Jungs ist dabei sicherlich, dass man auf Deutsch singt - MAKE DO AND MEND auf Deutsch sozusagen.
"Kein Zurück, kein Aufgeben" ist eine neue EP der Band. Vier 'normale' MARATHONMANN-Nummern treffen auf drei Akustikversionen älterer Tracks. Die Fans können sich besonders über den knackigen Opener 'Wo ein Versprechen noch was wert ist' freuen. Knackig, kratzig und kantig knattert die Komposition aus den Boxen. Hier und da fühle ich mich sogar an das aktuelle FUNERAL FOR A FRIEND-Album "Conduit" erinnert. Ein Eindruck der sich später bei 'Veränderungen' und 'Begegnen/Wiedersehen/Weitergehen' noch einmal wiederholen soll. Nur 'Camera Obscura' fällt etwas ab und kann mit den restlichen drei neuen Songs nicht mithalten.
Als Bonbon für die "alten" Fans, so lange gibt es MARATHONMANN ja auch noch nicht, hat man drei altbekannte Nummern im Akustik-Gewand überarbeitet. Diese Versionen kann man mal hören, sind aber kein Muss. Dennoch, 'Wenn Du dem Teufel die Hand gibst' ist in der Lagerfeuer-Version nicht schlechter als das Original und kann dem Song einige neue Facetten entlocken.
"Kein Zurück, kein Aufgeben" ist eine mehr als nette EP für die Fans. Allerdings ist es schon recht ersichtlich, dass man jetzt schnell Kohle machen möchte, solange der Hype noch aktuell ist. Doch wird der Rummel um die Münchener 2014 sicherlich um einiges größer werden, wenn das neue Album erscheint.

I Exist - From Darkness

Die Australier von I EXIST sind in der Tat nur etwas für die härteren Gemüter. Sludge, Metal, Crust und Hardcore werden zu einem Gebräu vermengt. "From Darkness" ist bereits das zweite Album dieser Truppe und man scheint kein bisschen zahmer geworden zu sein.
EYEHATEGOD, BLACK SABBATH, TRAP THEM, (alte) MASTODON und NEUROSIS scheinen die großen Vorbilder von I EXIST zu sein. Der brutale Trip aus brachialer Härte und dreckigem 70er Rock drückt den Hörer für knapp 52 Minuten in den Sessel. Verschnaufpausen gibt es nur wenige und selbst die langsameren Parts lassen einen nicht wirklich zu Luft kommen, denn dafür tönt der matschige Sound zu dröhnend aus den Boxen. Immerhin ist man in diesem Punkt mehr als Konsequent.
Was mir allerdings ein bisschen fehlt ist der Groove. Ich bin der Meinung, dass I EXIST etwas griffiger klingen könnten. Leider setzt die Band allerdings zu sehr auf einen möglichst dröhnenden, düsteren und harten Sound. Irgendwo hätte ein bisschen Abwechslung diesem Album gut getan. Selbst Passagen in denen der Fuß vom Gaspedal genommen wird fügen sich dem Gesamteindruck unter und brechen nur wenig aus dem restlichen musikalischen Kontext aus. Genau das macht es auch so schwer die 13 Nummern auseinander zu halten. Es fehlen nicht mal unbedingt Melodien und wirkliche Refrains, dennoch kann ich nichts finden um mich festzuhalten.
Wer oben genannte Bands zu seinen Lieblingen zählt und der keine griffige Nummern, sondern eher eine Herausforderung sucht, der wird mit I EXIST mehr als glücklich. Auch wenn das Gesamtbild sehr stimmig ist, überfordert mich "From Darkness" allerdings. Doch wird ein Liebhaber das sehr wahrscheinlich ganz anders sehen.

The Gaslight Anthem - Live In London DVD

Was für ein Release! Unfassbar aber wahr: Ganze zehn Songs drängen sich auf "Live In London", der ersten DVD aus dem Hause THE GASLIGHT ANTHEM. Die beiden Konzerte, die am 29. und 30. März 2013 im Londoner Troxy aufgenommen wurden, hatten allerdings 23 bzw. 22 Songs auf dem Programm. Eine wahre Glanzleistung an Konzert-DVD!
Mir ist es ehrlich gesagt fast schon zu doof wirklich viele Worte zu dieser Abzocke zu schreiben. Warum 12 bzw. 13 Nummern einfach so fehlen bleibt mir ein Rätsel. Bonusmaterial gibt es auch keins. Für sein Geld kriegt der Fan ganze 41 Minuten THE GASLIGHT ANTHEM geboten. Da hat manch Bonus-DVD von anderen Bands schon mehr Spielzeit und sogar komplette Konzerte geboten.
Um es ähnlich kurz wie diese DVD zu machen: Die Band spielt sich gut durch ihr Set, kommt mir aber bei Weitem nicht mehr so kurzweilig vor wie noch vor ein paar Jahren, als ich sie selber Live erlebt habe. Die Songauswahl ist natürlich knapp und vieles fehlt. Ich erinnere mich sogar an ein Album namens "Sink Or Swim", diese DVD hier scheint das Werk nicht zu kennen.
Von dieser Abzocke sollten selbst beinharte Fans die Finger von lassen. "Live In London" gehört zu den schwächsten DVD-Veröffentlichungen an die ich mich erinnern kann.

Muse - Live From The Rome Olympic Stadium

Und weiter geht's mit der Livealben-Politik der britischen Alternative Rock-Könige von MUSE: Auf zwei Studioalben folgt ein neues Konzert-Paket für Daheim. Die 2002er Doppel-CD "Hullabaloo" enthielt auf der ersten CD ein Konzert aus Paris und auf der zweiten Scheibe B-Seiten und Raritäten der damals noch jungen Truppe. 2008 folgte "HAARP", mit einer Aufzeichnung des spektakulären Gigs aus dem Londoner Wembley Stadion. 2013 dann erneut ein Livealbum, "Live At The Rome Olympic Stadium".
Auch wenn "The Resistance" und "The 2nd Law", die beiden Werke, die MUSE seit "HAARP" veröffentlicht hat, sicherlich gute Alben sind, muss ich sagen, dass das Trio mir mittlerweile ein bisschen zu abgehoben zu Werke geht. Pomp ohne Ende, fette Produktionen, fast jeder Song ist auf Stadion Rock ausgelegt und irgendwie fehlen astreine Perlen, wie man sie auf den ersten drei, vielleicht noch vier Alben massig finden konnte. Insbesondere "The 2nd Law" ist zwar ein ordentliches Album, kann mich aber nicht mehr durchgehend überzeugen. Vielleicht ist dies auch der Grund warum mir "HAARP" eher zusagt als "Live At The Olympic Stadium". Die 13 Song starke Tracklist (plus sieben weitere Nummern auf der DVD) legt den Fokus stark auf die letzten beiden Veröffentlichungen. Vom unterbewerteten Debüt "Showbiz" gibt es nichts zu hören, von "Origin of Symmetry" und "Absolution" auf der DVD aber immerhin jeweils zwei Nummern. Wer also ähnliche Schwierigkeiten mit "The 2nd Law" hatte wie ich, der wird mit diesem Livewerk nicht glücklich werden. Wer MUSE trotz oder gerade wegen den letzten beiden Outputs mag, dem bietet besonders die DVD ein wahres Fest. Die Show, die MUSE den Fans präsentiert, ist gigantisch. Zu 'Panic Station' etwa tanzen animierte Versionen von u.a. Barack Obama oder Angela Merkel über den Bildschirm. Sonst passiert allerdings leider wenig auf der Bühne. MUSE spielt sich routiniert durch das Set, hatte aber schon wesentlich mehr Feuer unterm Hintern. Besonders Sänger/Gitarrist Mat Bellamy war früher mit mehr Begeisterung bei der Sache: Wenn er nicht singt, schlurft er fast so langsam wie Mick Mars von MÖTLEY CRÜE über die Bühne und zieht dabei über die volle Distanz des Gigs die selbe Schnute. "Live At The Olympic Stadium" ist mit Sicherlich kein Pflichtkauf. Wer MUSE auch zu Hause live erleben möchte, der sollte doch besser zu "HAARP" greifen. Das aktuelle Album ist eher was für das Eventpublikum der letzten beiden Studioveröffentlichungen.

Text © by Sebastian Berning

SPIRITZ – Perfect Sides

Die ukrainische Band Spiritz ist derzeit auf der Suche nach einem Plattendeal, und die Chancen stehen gut, dass dies auch gelingt. Auf dem bereits aufgenommenen Debütalbum, das die Band kostenlos auf ihrer Homepage anbietet, klingt natürlich noch nicht alles perfekt, allerdings hört man der Band die Spielfreude und das Streben um eine gewisse Eigenständigkeit durchaus an. Kompositorisch ist die Musik nicht schlechter als die anderer Newcomerbands, produktionstechnisch kann man mit etwas mehr Professionalität natürlich noch mehr herausholen.
Die Musik, die die Band spielt, ist skandinavisch angehauchter Glam Metal und klingt wie die trotzige Fröhlichkeit in schweren Zeiten und hat gleichwohl einen gewissen Anspruch: Auch die für diese Stilrichtung so wichtigen Gitarrensoli bleiben nicht außen vor und erinnern mitunter sogar an diverse traditionelle Metal-Bands. Manchmal darf ein wie ein Piano eingesetztes Keyboard für ein bisschen musikalische Tiefe sorgen, die Songs selbst lassen auch mal ruhigere Momente zu, Abwechslung im Stil der Profis also, auch wenn wirklich herausragende Gänsehautmomente noch fehlen.
Auch erfreulich: Obwohl die Band in Englisch singt, wirken die Vocals im Bezug auf Phrasierung und Intonation durchweg souverän – keine Selbstverständlichkeit bei osteuropäischen Bands.
Ein durchaus hörenswerter Release also von einer Band, die bei gleichbleibender Qualität sicherlich ihren Weg machen wird.

Text © by Heiko Eschenbach