Music Reviews

Rezensionen

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Fate - If Not For The Devil

Fate - If Not For The Devil

Die Dänen von FATE veröffentlichen mit "If Not For The Devil" ihr bereits siebtes Studioalbum. Die Band, die einst von MERCYFUL FATE-Gitarrist Hank Sherman gegründet wurde, spielt seit jeher melodischen Hard Rock. Auch ihr neustes Werk wird mit dieser Tradition nicht brechen.
"If Not For The Devil" ist das zweite Album in der aktuellen Bandbesetzung, in welcher nur noch Bassist Peter Steiner den Status als Gründungsmitglied inne hat. An ihrem Konzept des keyboardlastigen und stets melodischen Hard Rocks konnte aber auch das Besetzungskarussell nicht viel ändern. Böse Zungen könnten behaupten, dass diese melodische Hard Rock-Schiene einen Haufen an gleichklingender Bands hervorgebracht hat - und wirklich falsch liegen sie damit nicht. Ein bisschen Glam hier, viel Keyboards da, dazu natürlich stets herzergreifender Gesang, der die Frauenherzen höher schlagen lässt. Genau in dieses Schema fällt auch das neuste FATE-Album.
Es gibt nicht einmal viel zu meckern, aber genauso wenig gibt es auch zu loben. "If Not For The Devil" fegt über eine knappe Stunde lang durch die Boxen und tut nicht wirklich weh. Melodischer Rock, der kompetent umgesetzt wurde. So manche Gesangsmelodie bleibt im Ohr stecken, wie etwa 'Man Against The Wall' oder der flotte Opener 'Reaping'. Im Großen und Ganzen aber bietet FATE nichts, was EUROPE mit "Out Of This World" und "Prisoners In Paradise" nicht schon vor Ewigkeiten besser gemacht hätte.
Der durchschnittliche FATE-Fan wird mit "If Not For The Devil" genau das bekommen, was er sich gewünscht hat. Mir persönlich bietet die dänische Gruppe allerdings ein bisschen zu wenig. Mir fehlen wirklich große Songs, die mich berühren und mitreißen.


Saitenfeuer - Kein Zurück

Bekannte Bands ziehen bekanntlich Kopien an. So scheinen sich auch die SAITENFEUER-Mitglieder intensiv mit der Diskographie der BÖHSEN ONKELZ befasst zu haben. Ob die Idee im Jahre der Bandgründung 2008 noch besonders neu oder aufregend war, kann jeder für sich selber entscheiden. 2005, kurz nach der Auflösung einer der erfolgreichsten und gleichzeitig kontroversesten Bands Deutschlands, sprudelte es nur so vor Klonen. SAITENFEUER hätte sich im Fahrwasser der ONKELZ-Auflösung sicherlich gut gemacht. "Kein Zurück" ist bereits das zweite Album der Deutsch-Rocker. Die Aufmerksamkeit des Hörers kann die Gruppe schon beim hart rockenden Opener bekommen, wenn die Zeile "Wir brauchen Waffen" aus den Boxen schallt. Mutig, mutig, so etwas als Einstieg zu wählen. Da ist die Kontroverse, wie bei so ziemlich jeder Band dieses Genres, schon vorprogrammiert. Glücklicherweise ist das restliche Material nicht ganz so auf Krawall gebürstet. Musikalisch sowieso nicht! Dreizehn Mid-Tempo-Rocker und davon ist nun wirklich keiner Protest, musikalischer Amoklauf oder sonst etwas in der Art. Ein bisschen ONKELZ hier, ein bisschen TOTE HOSEN da und fertig ist "Kein Weg Zurück". Sozusagen eher tote Hose als aufregendes Rock-Kino. Ich sollte aber auch dazu sagen, dass mich diese ganze Deutschrock-Kiste von ONKELZ, HOSEN, ÄRZTEN, FREIWILD oder sonst wem, eh nicht wirklich interessiert. Die für mich einzig wirklich interessante deutschsprachige Rockband ist TOMTE und die klingt eher nach OASIS und England als nach Frankfurt, Berlin oder Düsseldorf. SAITENFEUER. "Kein Weg Zurück". Das ist dreizehn Mal Deutschrock, durchgehend etwas härter und rauer, aber auch durchweg unspektakulär. Der ONKELZ-Fan kann sicherlich etwas mit dieser Band anfangen, der Rock-Fan nicht. Mit massig Pegel und beim Dorf- oder Schützenfest könnte SAITENFEUER aber vielleicht den einen oder anderen begeistern.


Thousand Foot Crutch - The End Is Where We Begin

Bisher scheinen die Kanadier von THOUSAND FOOT KRUTCH völlig an mir vorbeigegangen zu sein. Ein Blick auf die Diskographie der Band verrät, dass man zur Zeit des großen Nu-Metal-Hypes schon aktiv war. Da sie bislang nicht zu mir durchdringen konnte, wird die Band einfach mal gut zehn Jahre nach den letzten erfolgreichen Ausläufern des Genres von mir begutachtet. Entweder wird es eine nostalgische Reise in meine frühe Teenager-Zeit oder Zeitverschwendung. Wohl eher letzteres. 2013 noch Rap und Rock zu verbinden, das ist wirklich alles andere als zeitgemäß und meilenweit entfernt von "cool". Auch wenn der herkömmliche Gesang dominiert, stören mich diese Rap-Passagen sehr. Genau dies hat für mich auch das aktuelle FALLING IN REVERSE-Album abgewertet. Ab und an höre ich gerne mal noch die ersten beiden LINKIN PARK-Scheiben, wo ich mit den Rap-Einlagen klar komme - dennoch, kein Stilmittel, welches ich bei heutigen Veröffentlichungen hören will. Bei LIMP BIZKIT zum Beispiel ist es mir mittlerweile zu viel, auch wenn ich um 2000 rum viel mit der Band anfangen konnte. Entsprechend kann ich die Amis auch nicht mehr hören. Aber genug von meinen alten Nu-Metal-Vorlieben und aktuellen Hörgewohnheiten. THOUSAND FOOT KRUTCH zelebriert zum Glück keinen reinen Nu Metal, wie man ihn um die Jahrtausendwende von unzähligen anderen Bands hören konnte. Vielleicht war dem mal so, doch "The End Is Where I Begin" zeigte eine Alternative-Metal-Band, die sich ihrer Vergangenheit bewusst ist. Insgesamt fällt die Platte sogar ziemlich glatt aus und es fehlen Wutausbrüche bzw. das Wechselspiel von hart und ruhig, welches Bands wie die DEFTONES, KORN oder MUDVAYNE auszeichnet(e). Die christlichen Texte sind ebenso ein störendes Element, wobei mich wundert, warum gerade Bibelfanatiker auf einmal so auf Nu Metal abfahren. Populäre Beispiele sind neben THOUSAND FOOT KRUTCH sicherlich noch LOVE & DEATH, SKILLET oder RED, die zur Zeit besonders den christlichen US-Musikmarkt aufmischen. Der große Knackpunkt an "The End Is Where We Begin" ist, dass man diese Musik vor zehn bis fünfzehn Jahren schon wesentlich besser gehört hat. Mittlerweile wirkt besagter Alternative Metal/Nu Metal einfach ausgelutscht und dermaßen tot, dass man schon fast an Leichenfledderei denken mag. THOUSAND FOOT KRUTCH hätte sich vor Jahren weiter entwickeln sollen. Für manche ist dieser Stillstand sicherlich ein Zeichen der Treue zu sich selbst. Alle anderen können die Finger von "The End Is Where We Begin" lassen.


The Darker Shadows - Autumn Still...

Während noch Rockabilly bzw. Psychobilly die ersten Releases der DARKER SHADOWS prägte, scheint sich die Truppe nun neuen Ufern zuzuwenden. Das neueste Werk "Autumn Still..." öffnet sich poppigeren Sounds und den 80ern: New Wave, Pop und Gothic verschmelzen zu einem einzigen Sound. Doch kann man damit punkten?
Sängerin Brigitte Handley ist mit Sicherheit das Aushängeschild dieser Formation. Ihre Stimme passt wirklich gut zu den düsteren (Pop-)Nummern. Musikalisch können da besonders die flotteren Kompositionen wie 'The Boy From Berlin' oder 'Emergency' punkten. Auch das Cover des Neue Deutsche Welle-Hits 'Eisbär', im Original von GRAUZONE, macht Spaß - zumindest mehr als die OOMPH!-Version aus den späten 1990er Jahren. Allerdings macht bei der vorliegenden Version das gebrochene Deutsch der Sängerin einen besonderen Reiz aus.
Generell kann man sagen, dass ohne Handleys Stimme nicht viel hängen bleiben würde. THE DARKER SHADOWS liefert nun wirklich nichts, was man von vielen Bands im Fahrwasser von New Wave, Post-Punk und Co. nicht schon vor 20 Jahren besser gehört hätte - THE CURE und deren Meisterwerk "Disintegration" seien an dieser Stelle erwähnt. Besonders die Balladen 'Still Alive' und 'Scissors' sind absolut unnötig und erzeugen eher Gähnanfälle als Gänsehaut. Balladen müssen halt nicht immer ein Highlight darstellen, THE DARKER SHADOWS beweist dies eindrucksvoll. Goth-Fans könnten sicherlich ihre Freude mit den Australierinnen der DARKER SHADOWS haben. Der Rest kann lieber zu den wahren 80er Jahre New Wave-Helden greifen.


Front Porch Step - Aware

Pop Punk und 90er-Jahre-Emo sind in den USA seit einigen Jahren wieder ordentliche Trends in der Szene geworden. Zwar nicht im großen kommerziellen Rahmen wie beispielsweise NEW FOUND GLORY, aber es hat sich eine feine Szene um Bands wie THE WONDER YEARS, MAN OVERBOARD oder THE STORY SO FAR gebildet. Labels wie No Sleep, Pure Noise oder Revelation Records erleben einen (zweiten) Frühling. Natürlich kann dann auch kein Singer/Songwriter-Emo fehlen. INTO IT. OVER IT. ist sicherlich eine der Adressen für genau diesen Sound, der die ersten beiden DASHBOARD CONFESSIONAL-Alben zeichnete. FRONT PORCH STEP ist ein ähnliches Ein-Mann-Projekt. Akustikgitarre, Gesang und emotionale Texte zeichneten die bereits erwähnten DASHBOARD CONFESSIONAL-Alben der frühen Schaffensphase aus. Genau diesen Pfad betritt auch Jake Mcelfresh mit seinem Projekt FRONT PORCH STEP. "Aware" ist das Debütalbum des Solokünstlers und erscheint auf Pure Noise Records, die schon Alben von angesehenen Bands wie THE STORY SO FAR, I CALL FIVES oder TRANSIT veröffentlichten.
Um ehrlich zu sein: Wirklich viel passiert nicht auf "Aware". Es gibt halt nur Akustikgitarre, Gesang und emotionale Texte. Die Klasse von DASHBOARD CONFESSIONAL wird natürlich nicht erreicht, dafür fehlt Mcelfresh anscheinend das Gespür für große Melodien. Alles plätschert so daher, ohne viel Veränderungen und Überraschungen. Es gibt keine wirklich flotten und auch keine wirklich langsamen Nummern. Die 40 Minuten Spielzeit über passiert wirklich wenig. Da haben die Vorbilder oder aktuelle Projekte wie z.B. CITY AND COLOUR wesentlich mehr zu bieten. Bei "Aware" sollte sich der Hörer bewusst machen, dass er nicht viel zu erwarten hat.
Singer/Songwriter-Emo ohne Highlights, dafür viel belangloses Material, welches eine ähnliche Wirkung wie Valium hat. Schade, ich habe mir wesentlich mehr von FRONT PORCH STEP versprochen.


Islander - Pains.

Irgendwie muss sich Victory Records ja über Wasser halten. Anders kann ich mir Signings wie DESIGN THE SKYLINE, A HERE A FAKE, SNOW WHITE'S POISON BITE oder ISLANDER nicht erklären. Alle Zugpferde wie ATREYU, A DAY TO REMEMBER, TAKING BACK SUNDAY, THURSDAY, HATEBREED, HAWTHORNE HEIGHTS, TERROR, BURY YOUR DEAD oder SILVERSTEIN haben die Plattenfirma verlassen. Wo man früher ein Qualitätslabel für Hardcore, Emo und Metalcore war, ist man heute Anlaufstelle für alle Bands geworden, die Rise Records, Fearless und Epitaph nicht unter Vertrag nehmen wollen.
ISLANDER ist das neuste Beispiel dafür. Nu Metal und Metalcore zu verbinden ist seit BRING ME THE HORIZONs "Suicide Season" nicht mehr wirklich neu. Da scheint Victory wieder einmal einen Trend verpennt zu haben. Schade, denn früher schuf man diese nämlich. Leider setzt ISLANDER gerne auf Rap-Einlagen und mit diesen kann ich nur wenig anfangen. Diese "alte LINKIN PARK trifft Metalcore"-Schiene, die ISLANDER fährt, ist mir nicht ganz geheuer. Entweder Nu Metal oder Metalcore, aber bitte keinen Metalcore mit Raps.
Und da diese ein wichtiger Bestandteil von ISLANDER und deren Debüt-EP "Pains." ist, kann ich leider nur wenig mit der Truppe anfangen. Ich bin nun wirklich für verschiedene Sounds offen, aber da wird bei mir eine Grenze überschritten. Dabei ist der Gesang sogar recht gut, besonders die melodischen Vocals können mich überzeugen, aber wenn dann auf Sprechgesang gewechselt wird, verliert ISLANDER mich. Besonders 'Glass' ist ein guter Song, eben weil dieser melodisch ausfällt und mit wenig Rap auskommt.
Überraschenderweise ist Victory Records mal wieder ein recht passables Signing gelungen. Wäre auf den vier Nummern kein Gerappe, dann hätte mich ISLANDER mit Sicherheit sogar überzeugen können. Für das junge Metalcore-Volk könnte diese Gruppe dennoch wert sein gehört zu werden.


Black Flag - What The...

Selten gab es in der Hardcore-Szene so viel Gossip wie im Vorfeld des siebten Albums der wiedervereinigten Szeneurväter BLACK FLAG. Gerichtsstreitigkeiten über die Namensrechte, verschiedene Reunions in mehreren Konstellationen und unter verschiedenen Bandnamen... Kurz vor der Veröffentlichung von "What The..." steigt Ron Reyes, Sänger auf selbigem BLACK FLAG-Album, aus. Bei all dem Trubel hat man beinahe schon vergessen, dass es nach 28 Jahren endlich neue Musik von der Hardcore/Punk-Legende gibt. Gitarrist Greg Grinn hat ganze 22 neue Songs für dieses Album zusammen gestellt. Klingt nach viel, wäre rein rechnerisch aber nicht mal ein Song pro Jahr. Die Band nimmt sich 44 Minuten Zeit, sich ihren alten und neuen Fans vorzustellen. In 28 Jahren hat sich da einiges an neuen und jungen Anhängern angesammelt, denn BLACK FLAG scheint wohl nie aus der Mode zu gehen. So wird auch das legendäre Bandlogo immer wieder auf T-Shirts gedruckt - auch von anderen Bands. Doch können die Hardcore-Opas mit "What The..." punkten? Kann man wenigstens halbwegs an Klassiker wie "My War", "Damaged" oder "Family Man" anschließen? Kurz und knapp: Nein. "What The..." ist meilenweit von den Klassikern der Band entfernt - Klassiker, welche eine ganze Szene beeinflusst haben und noch heute Teenager dazu bringen eine Hardcore- oder Punk-Band zu gründen. Schon die Produktion des Album versaut viel: Die Gitarre klingt ziemlich dumpf, so als ob man die Scheibe aus einem Zimmer heraus, jedoch durch die geschlossene Türe hören kann. Auch das Songmaterial wäre maximal auf den ganz frühen Releases der Truppe vertretbar gewesen. Oft klingen die Songs einfach viel zu schräg. 'Down In The Dirt' tönt schon ziemlich verrückt aus den Boxen und erinnert so eher an PRIMUS' Titelsong für South Park als an aggressiven Hardcore. Über die gesamte Laufzeit vermisse ich die Aggressivität, Wut und Schlagfertigkeit, die alte Releases von BLACK FLAG auszeichneten. Dabei wirkt vieles wie eine Werkschau der Bandgeschichte: Die experimentellen Passagen, die während der Henry Rollins-Ära ihren Weg in den Kosmos der Gruppe fanden, sind genauso zu hören wie die etwas langsameren BLACK FLAG-Nummern, die auf "My War" veröffentlicht wurden. Nur wirkt alles ziemlich aufgesetzt und uninspiriert. Man wartet stets darauf, dass die Band endlich loslegt und Krach und Krawall aus den Boxen schallt. Es ist schwer zu glauben, dass "What The..." ein Album jener Band ist, welche Kracher und zeitlose Klassiker wie 'Fix Me', 'Nervous Breakdown', 'Black Coffee' oder 'Rise Above' schrieb. Was haben sich die alten Recken dabei gedacht, nach fast drei Dekaden ein neues Album zu veröffentlichen? Mit "What The..." hat man sich seinen makellosen Ruf leicht beschmutzt. Diese Platte bietet zu wenig griffige Nummern und zu wenig Abwechslung, und noch weniger Wut. Vielleicht sollten manche Bands besser ruhen und sich nicht an irgendwelchen Reunions versuchen. Würden die SMITHS so ein enttäuschendes Reunion-Album veröffentlichen, würde wohl eine Welt für mich untergehen. So kann ich als BLACK FLAG-Gutfinder die wahren BLACK FLAG-Fans nur bemitleiden.

Text © by Sebastian Berning