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August Burns Red Köln, Essigfabrik, 1.10.2013

August Burns Red

Mit ihrem aktuellen Album “Rescure & Restore“ ist AUGUST BURNS RED nun endlich angekommen. Ihren Stil hatte die Band schon auf dem Vorgänger “Leveler“ endgütlig gefunden. Dies scheint auch die Masse zu finden und so begibt sich AUGUST BURNS RED auf dieser Europa-Tour in die bisher größten Hallen um als Headliner zu spielen. Zwar ist die Kölner Essigfabrik nicht ausverkauft, dafür sind die beiden vorderen Drittel der Halle mehr als gut gefüllt. Als Support konnte man die befreundete Band BLESSTHEFALL erneut gewinnen, die bereits 2009 AUGUST BURNS RED durch kleinere Hallen in Europa begleitet haben. Auch COUNTERPARTS sind mit dabei.
COUNTERPARTS, die erste Band des Abends, scheint besonders dem jüngeren Publikum kein Begriff zu sein. Irgendwo zwischen düsterem Hardcore, kleinen Indie-Rock-Passagen und ein paar Breakdowns ist der Stil der Truppe anzusiedeln. ‘Compass‘ eröffnet das Set der Band, welches eher kurz ausfallen soll. Im Publikum passiert relativ wenig und so singen nur ein paar Nasen die ein oder andere Zeile mit. Auch auf der Bühne passiert keine all zu wilde Show, dafür wird die Musik aber mehr als präzise dargeboten. Als Sänger Brendan Murphy das Publikum fragt, ob er und seine Band heute nach bei irgendeinem Fan schlafen könnten, fragt man sich schon, warum die Jungs keinen Platz im großen Tourbus der beiden mitreisenden Bands bekommen haben. Irgendwie wirkt das Ganze schon recht traurig, dass sich diese kleine Band nicht mal einen Schlafplatz leisten können, während die beiden anderen Truppen schön bequem mit den Nightliner durch die Gegend kutschiert werden. COUNTERPARTS lassen sich aber nicht die Stimmung vermiesen und spielen ihr Set weiter. Beim letzten Song, dem starken ‘The Disconnect‘, kommt dann endlich etwas Stimmung im Publikum auf, als Murphy vorne an die Absperrung kommt und mit den paar Fans, die sie schon vor dem Auftritt hatten, ein paar Textzeilen zum Besten gibt. Nach nicht einmal ganz 25 Minuten verabschiedet man sich dann.
Dass es BLESSTHEFALL bei weitem besser geht als COUNTERPARTS macht nicht nur das Headliner-würdige Backdrop deutlich. Ihr aktuelles Werk “Hollow Bodies“ war in den USA ziemlich erfolgreich und das mit Abstand am höchsten eingestiegene Werk der Truppe um Sänger Beau Bokan. Was einst als mehr als durchschnittliche Emo-/Screamo-Kappele mit Craig Mabbit (heute ESCAPE THE FATE) am Mikro begann, ist seit Bokan dabei ist eine mehr als amtliche Metalcore-Kapelle geworden. Mit der ersten “Hollow Bodies“-Single ‘You Wear A Crown, But You‘re No King‘ eröffnet das Quintett mehr als knackig ihren zehn Song starken Auftritt. Besonders das weibliche Publikum scheint sich auf BLESSTHEFALL gefreut zu haben. Die Band präsentiert Songs ihrer letzten drei Alben, also glücklicherweise keinen Song vom Debütwerk “His Last Walk“. Sänger Bokan hat viel Zeit um sich zu bewegen, denn das Gebrüll übernimmt Bassist Jared Warth. Beide Vokalisten machen eine mehr als gute Figur am heutigen Abend und besonders Bokan beweist, dass er eine ziemliche Rampensau ist, der mit dem Publikum spielt - insofern er es nicht gerade mit Wasser bespritzt. Neben älteren Nummern wie ‘The Reign‘, ‘Bottomfeeder‘ oder ‘What‘s Left Of Me‘ kommen auch die “Hollow Bodies“-Tracks mehr als gut beim Publikum an. Etwas schade ist, dass die melodischeren Nummern heute etwas zu kurz kommen, denn auch die von Boken alleine gesungenen Tracks haben Hitpotenzial. Nach mehr als 40 Minuten und einer sehr gelungen Show verabschiedet sich BLESSTHEFALL mit dem Gassenhauer ‘Promised Ones‘.
Die meisten haben aber natürlich auch den Headliner AUGUST BURNS RED gewartet. Die Jungs scheinen zur Zeit in allerbester Form zu sein. Nach einem recht coolen Intro, steigt die Gruppe auf die Bretter und eröffnet mit ‘Provision‘, dem Opener ihres neusten Werks “Rescue & Restore“. Mit ‘Fault Line‘ wird direkt mit neuem Futter nachgelegt. Erst dann geht man etwas in der Zeit zurück und spielt Songs der drei vorherigen Alben. Vom Debütalbum “Thrill Seeker“ wird kein Song gespielt. Auch schade ist, dass von “Messengers“ nur drei Songs gespielt werden. Dabei werden Nummern wie ‘The Truth of A Liar‘ oder ‘Composure‘ euphorisch vom Publikum aufgenommen und wild zu gemosht.
Die Jungs wirken sehr sympathisch und auch technische Probleme bringen sie nicht aus der Ruhe. Viel eher überbrückt Sänger Jake Luhrs diese Pausen mit kleinen Witzen und Interaktion mit dem Publikum. Auch wenn die leicht spanisch anmutenden Parts in einigen Songs von “Leveler“ auftauchen, beweist Luhrs sein Entertainment-Talent und tanzt spanisch angehaucht über die Bühne. Man merkt, dass AUGUST BURNS RED sich auch nach knapp zehn Jahren im Geschäft nicht all zu ernst nehmen.
Nach ‘Spirit Breaker‘ verabschiedet sich die Band, nur um kurz darauf wieder für eine Zugabe auf die Bühne zu eilen. Mit besagtem ‘Composure‘ beginnt man diese und entfacht sofort wieder einen riesigen, aber nicht all zu gefährlichen Moshpit. Das darauf folgende ‘White Washed‘ stellt dann den Abschluss eines super Konzerts dar, der AUGUST BURNS RED zum Tourabschluss noch einmal von der allerbesten Seite gezeigt hat.


Text © by Sebastian Berning